16
«ALLE GESCHICHTEN DIE ZUM LESEN EINLADEN UND GELESEN WERDEN SOLLEN»
ERSTAUFLAGE
Das Journal ist unser Blog und bietet Informationen zu Ausstellern oder Stories die uns interessieren.

LIVE & WEAR

30.11.-1

Kreisläufe sind gross in Mode!

Nachdem sie bereits den Kreislauf von Lastwagenplanen in eine runde Form bringen konnten, will Freitag mit F-ABRIC nun den Kreislauf unserer Hosen und Hemden schliessen. Wir wollten von Freitag wissen, ob sie nun die Laufstege von Paris erobern wollen und ob wir unsere Hemden zukünftig wirklich im Kompost entsorgen sollen.

Was macht F-ABRIC genau?
F-ABRIC sind in Europa produzierte Textilien aus Leinen, Hanf und Modal, die ohne Ressourcenverschwendung, endlose Transportwege und überflüssigen Einsatz von Chemie produziert werden. Einmal ausgetragen, kann man die Kleidungsstücke mit gutem Gewissen auf den Kompost werfen, wo sie nichts hinterlassen.

Was macht F-ABRIC genau nicht?
F-ABRIC ist nicht „Fashion“, die nach dem schnelllebigen Muster der Modeindustrie funktioniert. Unser Anspruch ist es, zeitlose, robuste Lieblingsstücke zu entwickeln. Wir verwenden ausserdem keine Baumwolle, da diese nicht in Europa angebaut wird. Wir hätten nie damit gerechnet, dass es so schwierig sein könnte, Spinnereien und Webereien zu finden, die mit den harten und spröden Bastfasern - Hanf und Leinen - noch umgehen können. 

Ihr macht F-ABRIC weil…?
Alles hat damit angefangen, dass wir nach geeigneten Arbeitskleidern für unsere Mitarbeiter gesucht haben. So merkten wir, dass wir nach etwas suchen, was es noch gar nicht gibt – einem robusten, konsequent nachhaltig produzierten und kompostierbaren Stoff, made in Europe. Darum haben wir unter dem Namen F-ABRIC von der Faser aus eigene Textilien entwickelt, die zu 100 % unseren Anforderungen entsprechen.

Wie seid ihr von Lastwagenplanen auf Textilien gekommen? Gab es ein Schlüsselerlebnis?
Der Kreislaufgedanke, oder anders ausgedrückt, der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen, der uns bei jeder Produktentwicklung leitet, gilt für F-ABRIC ebenso wie für unsere erste Kuriertasche. Während wir gebrauchten LKW-Planen eine neue Verwendung als Tasche geben, werden F-ABRIC-Kleider aus Pflanzenfasern gefertigt, die am Ende ihres Produktlebenszyklus nichts zurücklassen – ausser Nährboden für neue Pflanzen. Die FREITAG Philosophie – we think and act in cycles – haben wir mit F-ABRIC somit weitergeschrieben.

Als ihr mit F-ABRIC angefangen habt: Was lief nicht so wie erwartet und wie habt ihr das Problem gelöst?
Als wir früh merkten, dass es einen nachhaltig produzierten, robusten Stoff noch gar nicht gab, waren wir erst beim Weber und sind so Schritt für Schritt bis zur Faser zurückgegangen. Wir mussten die gesamte textile Kette neu denken und konzipieren. Fünf Jahre lang haben wir an der Entwicklung gearbeitet. Eigens für dieses Projekt haben wir eine Textilingenieurin, eine Designerin und eine Musterschneiderin eingestellt. Das Projekt drohte einige Male zu scheitern. Die Weberei, mit der wir zunächst zusammengearbeitet haben, ging Konkurs – wir mussten einen neuen Betrieb finden und nochmal von vorne beginnen. Frustriert waren wir auch, als wir unsere erste Hose geliefert bekamen – in einer Plastiktüte! Ein Produkt entlang seiner gesamten Wertschöpfungskette 100% kompostierbar zu machen – das war sicher die größte Herausforderung. F-ABRIC wird nun in aus Pflanzenstärke hergestellten und damit biologisch abbaubaren Tüten ausgeliefert. 

Wie habt ihr euch am Anfang finanziert?
Unser Taschen-Geschäft läuft gut. So können wir uns Zeit nehmen, neue Ideen zu verwirklichen. Wir tüfteln eigentlich ständig an neuen Produkten herum. Wir sind nicht Unternehmer geworden, um reich zu werden, sondern um kreativ sein zu können. 

Sollen wir das abgetragene Hemd von F-ABRIC wirklich in den Kompost werfen?
Wichtig ist, dass man auch in der Modebranche beginnt, an das Ende des Lebenszyklus eines Produktes zu denken. Ein Produkt sollte so, wie es aus dem Erdboden entstand, auch wieder verschwinden – oder in einen geschlossenen technischen Kreislauf geführt werden können. Im Fall von F-ABRIC haben wir uns für eine organische Lösung entschieden. Aber natürlich ist es unsere Empfehlung, die Kleidungsstücke zunächst einmal so lange wie möglich zu tragen!

Könnt ihr von F-ABRIC leben?
Bei einer Herstellung, die unseren ökologischen und sozialen Anforderungen entspricht und damit im Umkreis von 2500 Kilometern um Zürich erfolgt, sind unsere Produktionskosten im Branchenvergleich sehr hoch. Allein der kompostierbare Nähfaden einer F-ABRIC Workpant ist etwa so teuer wie der Einkaufspreis eines Billig-T-Shirts aus Fernost. Was wir meinen: kurzfristige Rentabilitätsüberlegungen stehen bei uns nicht im Vordergrund. Im Vergleich zu den FREITAG Taschen, die man schon fast rund um die Welt kennt, ist F-ABRIC natürlich noch ein zartes Pflänzchen.

Hört ihr Musik beim Arbeiten?
Wir haben sogar ein internes „Radio F“, das sowohl in den Büros wie auch in den Fabrikhallen läuft. Jeder Mitarbeiter kann sich als DJ betätigen und die Musik zur Arbeit bestimmen. 
https://open.spotify.com/user/radio_f/playlist/1eyw3xvz0UBB1qkgTF74fv 

Welche 3 Sachen empfiehlt ihr Freunden bei euch in Oerlikon zu erleben?
-Besuch von tollen Ausstellungen und Messen, u.a. Grafik, Kunst, Neue Räume etc. und bald auch schon Criterion.
-Ein Zmittag in der öffentlichen NOERD Kantine, dem Herz und der Seele des gleichnamigen Gewerbehauses (http://www.noerdkantine.ch/).
-Eine Führung bei uns in der FREITAG Fabrik, wo man den Planenzerlegern, den Planenwäschern und den Bag Designern über die Schulter schauen kann.

Mehr von LIVE & WEAR

Immer wieder neu: Das Xilobis-Möbelsystem
Sportswear – nachhaltig und designorientiert
Das perfekte Hemd
Das zweite Leben des Zementsacks
Weil man ohne Taschen letztlich nicht auskommen kann
Echte Feintäschnerei aus Italien
Kleider, die die Zeit überdauern
Aus Nachfrage wird Angebot
Der Kreislauf von Produktion und Konsum
Socken und Schleifen machen den Unterschied
Interdisziplinäres Textildesign
Schwerter zu Webstühlen
Fashion Revolution International: Für fairere und nachhaltigere Mode
Möbel nach Mass vom Schreiner. Online.
Eine Lebensphilosophie für Sammlerinnen
Charme mit Gebrauchswert
Das Möbelnetzwerk
Poetische Preziosen
Massivholzmöbel ohne Zwischenhandel
Otter Zurich
Nachhaltige Heimtextilien
Ethik küsst Ästhetik
Bei Walser Möbel fliegen die Späne
LOST & FOUND fand die Inspiration auf Reisen
Lebelang brennt Farben ein
Katrin Lucas baut auf ihre Erfahrung
CRIZ schneidert Lederunikate
VIU steht für demokratisches Design
Behütet in die Zukunft blicken!
Where Shadows Fall - Wo Licht und Schatten sich berühren
Hans Method macht Bio-Bikinis
Sapé bringt Freude ins Leben
Designhandwerk mit Liebe zum Detail
Simpelthen entwirft Mode für Puristen
Treger setzt auf Retro-Träger
Passgenau unterwegs mit Risch Shoes
This belebt mit THISMADE Räume
WerkDorf bändigt Naturleder
So natürlich hast du dich noch nie gebettet
Ledertaschen und Berner Lebensfreude
Darum trägt Mann Massanzug
Bei Leena macht der Webstuhl die Musik
Handwerk für den Fuss
Felbers Hüte sind ein Statement
Die Meister der Messer
flot hus lebt klare Formen
Poesie & Wagemut
Design aus Kolumbien
Verspielte Detailliebe
Meditation am Webstuhl
Gute Ideen im Blick
Kreise retten die Welt
Die Lederindustrie revolutionieren!
Jeans wie eine zweite Haut
COOK & SHARE
Lebensmittel direkt vom Erzeuger

Dann gehen frische und nachhaltig angebaute Lebensmittel aus Indien oder Peru auf die Reise in die Schweiz – mit klarer und denkbar kurzer Lieferkette, fairem Lohn für die Erzeuger und dem guten Gefühl, genau zu wissen, woher das eigene Essen kommt.

LIVE & WEAR
Das zweite Leben des Zementsacks

Dem Recycling von gebrauchten Zementsäcken hat sich Nicolas Huxley mit seinem Label Elephbo verschrieben. Denn was in Kambodscha als wertloser Abfall auf dem Müll landet, lässt sich in Wirklichkeit sehr gut zu Taschen, Sneakern und Accessoires weiterverarbeiten: Das gewebte Polyethylen ist besonders strapazierfähig, und die orginalen Druckmotive der Zementherstellers sind fast schon designpreiswürdig.

FIT & WELL
Stille, Erholung und Kosmetik aus Nutzhanf

Werner Schönthaler ist ein echter Hanfpionier. Auf der Basis des Wissens um den Nutzhanf, das er von einer alten Kräuterfrau kennt, hat er eine eigene Kosmetiklinie entwickelt, die auf der Verwendung von Hanföl basiert: Castelatsch. Benannt sind seine Produkte nach dem Hof, den er in Südtirol bewohnt – und der seinerseits zu einem Teil aus Nutzhanf erbaut ist.