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MEET & GREET

07.04.2018

Text und Fotos: Maren Krings

«WAS DEN HANF EINZIGARTIG MACHT, IST SEINE VIELFÄLTIGE VERWEND-BARKEIT.»

Hanf – ein Criterion des Wandels?

Hanf ist sozusagen die Festival-Pflanze des Criterion Festivals. Verschiedene Acts zeigen Produkte und Lösungen aus der alten und wieder neu entdeckten, innovativen Ressource. Die Fotografin Maren Krings arbeitet seit fast zwei Jahren an ihrem Bildband «Hanf: Samen für eine neue Welt». In diesem Text erzählt sie von ihren Erfahrungen und Erlebnissen, die sie mit der Pflanzen und deren Anbauern und Verarbeitern machte.

Er erregt die Gemüter, wirft Fragen auf und sorgt für hitzige Diskussionen: Der Hanf! Bis zum Sommer 2016 interessiert er mich nicht, ich weiß kaum etwas über dieses Kraut, nur, dass es einige meiner Klassenkameraden in der Schulzeit rauchten.


Dann lerne ich Werner Schönthaler in Südtirol kennen. Er erzählt mir unglaubliche Dinge über die Hanfpflanze. Von Baustoff, Nahrungsmittel, Textil, Öl, Medizin, Papier, Dünger und Schiffsseilen ist da die Rede. Ich bin skeptisch und beginne selber zu recherchieren. Werner Schönthaler selbst hat fünf Jahre seiner Zeit und Energie in die Entwicklung eines Hanf-Kalkziegels im Familienunternehmen Schönthaler Baustoffe, das auch eine Ziegelei betreibt, investiert. Die ersten Hanfziegel, welche vom Bande Schönthaler liefen, verwendete Werner Schönthaler für die Sanierung und den Wiederaufbau seines historischen Bauernhofes. Damit schuf er einen Prototypen für nachhaltiges und ökologisches Bauen im Vinschgau. Aber nicht nur in seiner Heimat hat er damit viele Menschen zu mehr Achtsamkeit bei der Materialwahl für das Eigenheim inspiriert. So auch seinen langjährigen Freund Roland Mall, der nun in Flims mit dem Schönthaler Ziegel, auch Hanfstein genannt, ein Café bauen wird.


Aus allen Winkeln der Welt kommen Architekten, Journalisten, Studenten, Querdenker und Interessierte zu Werner Schönthaler auf den Hof, um sich zu informieren, zu lernen und ihre Sorgen über eine aus den Fugen geratene Welt mit ihm zu teilen. Immer häufiger findet Werner sich nächtelang vor dem Computer sitzend wieder, Fragen beantwortend, Projektideen evaluierend. Wo bleibt die Zeit für den eigenen Hof, die eigene Arbeit? Der Ansturm an Fragen, der auch anderen Menschen, die sich mit dem Thema Hanf eindringlich beschäftigen widerfährt, ist riesig. Es ist der Beweis, dass die Zeit für Wandel und neue Wege gekommen ist. Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit den gleichen Fragen, die auch die Criterion diese Woche ab Donnerstag in Zürich stellen wird. Der Hanf ist nicht «die eine» Antwort auf diese Fragen, sondern eine Antwort inmitten vieler innovativer und nachhaltiger Ideen, die aufzeigen, wie eine Zukunft in besserem Einklang mit der Natur und unseren eigentlichen Lebensbedürfnissen gestaltet werden kann.


Was den Hanf inmitten der vielen Lösungsansätze einzigartig macht, ist seine vielfältige Verwendbarkeit. Die Schweizer Alpenpioniere, ebenfalls Teil der Sonderausstellung «Hanf», setzen sich mit dem Thema Lebensmittel auseinander. Die bunte Gruppe, bestehend aus zwei Lebensmitteltechnologen, Köchin, Gärtner, Heilpraktikerin und zwei Medienschaffenden, hat es sich zum Ziel gemacht, den Hanf wieder aus der verbotenen Ecke heraus, zurück auf den Teller zu bringen. Ihr Fokus ist es, die positiven Eigenschaften von Hanf als Lebensmittel in unser Bewusstsein zurück zu holen. Es ist nicht lange her, da galt es noch als Allgemeinwissen, dass die Nuss des Hanfes nährt, die Faser uns kleidet und das Holz des Hanfstängels als Baustoff dient. Harry J. Anslinger bewirkte 1937 mit seiner sehr effektiven Hetzkampagne das Verbot von THC-Hanf (auch als Marihuana bekannt) in den USA. Die öffentliche Meinung wurde ausschliesslich auf die berauschende Wirkung des Tetrahydrocannabinol, kurz THC, gelenkt und alle anderen Eigenschaften gerieten in Vergessenheit. Dieser Trend manifestierte sich weltweit, als Anslinger 1947 als Abgeordneter der USA in die UN Drogenkommission einzieht. Trotz eines international aufflammenden Interesses der Wiederbelebung der Nutzpflanze Hanf, fällt es vielen Skeptikern auch heute noch schwer, die positiven Eigenschaften der Pflanze ebenfalls zu sehen. Dieses Phänomen vereint Menschen weltweit zu einer Interessengemeinschaft, die sich nebst den Bemühungen Hanf wieder anzupflanzen auch als Botschafter und Aufklärer versteht.


Eine neue Sensibilisierung für den Hanf muss stattfinden, bevor die Endprodukte der Pflanze, ganz egal ob das Lebensmittel, Kleidungsstücke, Häuser, Papier oder anderes, einen normalen Absatzmarkt finden können. Die Alpenpioniere haben für ihr Crowd-Funding Projekt 2017 kurze und informative Filme über den Hanfanbau gedreht. Die Köchin Rebecca Clopath schreibt Hanf-Rezeptbücher, welche nicht nur kunstvolle Rezepte vorstellen, sondern auch die gesundheitsfördernden Aspekte der Hanfnuss hervorheben. Der Schweizer Textilhersteller «Glärnischtextil» versucht eine Industrie in Europa wieder anzusiedeln, die es so seit dem letzten Jahrhundert nicht mehr gegeben hat. Auch das Südtiroler Unternehmen Ecopassion leistet einen großen Beitrag. Als Händler macht Ecopassion Produkte aus Hanf in Südtirol und Norditalien einem grösseren Konsumentenkreis zugänglich und agiert als Berater und Aufklärer vielerorts. Christoph Kirchler, der Kopf hinter dem Unternehmen ist ein Visionär, der sich dem Hanf voll und ganz verschrieben hat. Im Ahrntal und in Sauris hat er Kapellen aus Hanf entworfen und erbaut.

Einige meiner Geschichten über den Hanf, welche ich seit einundzwanzig Monaten in fünfzehn Ländern der Welt gesammelt habe, werde ich auf der Criterion am Sonntag dem 08.04.2018 von 17:10- 18:00 Uhr im Workshop Space vorstellen. Wer Interesse an dem entstehenden Bildband «Hanf: Samen für eine neue Welt» hat, kann sich dort auch in die Liste für weitere Informationen zum Crowd-Funding eintragen.
www.360-photography-mk.de

FIT & WELL
Stille, Erholung und Kosmetik aus Nutzhanf

Werner Schönthaler ist ein echter Hanfpionier. Auf der Basis des Wissens um den Nutzhanf, das er von einer alten Kräuterfrau kennt, hat er eine eigene Kosmetiklinie entwickelt, die auf der Verwendung von Hanföl basiert: Castelatsch. Benannt sind seine Produkte nach dem Hof, den er in Südtirol bewohnt – und der seinerseits zu einem Teil aus Nutzhanf erbaut ist.

LIVE & WEAR
Atelier SundR

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Immer wieder neu: Das Xilobis-Möbelsystem

Ermöglicht wird die Flexibilität durch ein eigentlich ganz simples, aber doch geniales Verbindungssystem: verchromte Stahlkugeln und Spannseile. Produziert wird Xilobis vollständig in der Schweiz.