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LIVE & WEAR

07.04.2018

«DIE RESTAURIERTEN MÖBEL SIND UNSER BEITRAG ZU EINEM BEWUSSTEN UMGANG MIT BESTEHENDEN RESSOURCEN.»

Charme mit Gebrauchswert


Mit Bogen33 und Viadukt*3 betreiben Fabio Dubler und sein Team gleich zwei Läden in Zürich, die sich dem Aufstöbern, Aufarbeiten und Restaurieren von Möbeln aus dem 20. Jahrhundert verschrieben haben. Während bei Bogen33 vor allem Designklassiker und Vintage-Einzelstücke sowie sporadische, in Kleinserie hergestellte Neuproduktionen im Mittelpunkt stehen, geht es bei Viadukt*3 um echte Gebrauchsmöbel aus Massivholz. Beiden Bereichen ist eines gemein: Früher wurden Möbel meist hochwertiger produziert – daher steckt auch in den Möbeln von Bogen33 und Viadukt*3 noch ziemlich viel Leben.

Was sind der Bogen33 und das Viadukt*3? In ein, zwei Sätzen?
Seit 15 Jahren bietet der Bogen33 in Zürich West eine grosse Auswahl an Designklassikern, Raritäten und Trouvaillen aus zweiter Hand an. Nebst den Vintage-Möbeln des 20. Jahrhunderts findet man im Bogen33 und seinem Zweitgeschäft Viadukt*3 lokal hergestellte Kleinserien und Eigenproduktionen. Neu produzierte Klassiker von Schweizer Traditionsbetrieben, wie zum Beispiel dem Gartenmöbelhersteller Manufakt oder der Tisch- und Stuhlmanufaktur horgenglarus, ergänzen das Sortiment. 

Wie habt Ihr damit angefangen, Euch mit alten Möbeln zu beschäftigen?
Im Jahr 2003 hat die Geschichte vom Bogen33 ganz klein in den alten Viaduktbögen – genauer gesagt im Viaduktbogen 33 – begonnen. Fabio Dubler hat den Bogen33 mit einem damaligen Geschäftspartner gegründet und mit der Unterstützung von Freunden und Familie aufgebaut. Dann kam Fabios Schwester Lea hinzu. Zusammen haben sie den Bogen33 zu dem gemacht, was er heute ist. Schon seit vielen Jahren befindet er sich jetzt gleich neben dem Bahnhof Hardbrücke, im ehemaligen Erdgasareal an der Geroldstrasse 33.

Wie kam die Rückkehr ins Viadukt?
Nach dem Umbau der Viaduktbögen wurden die ehemaligen Mieter angefragt, ob sie Interesse hätten, zurückzukehren. Und so zog mit dem Viadukt*3 ein Teil von Bogen33 in die neu umgebauten Viaduktbögen ein. Spezialisiert auf Tische und Stühle aus Massivholz, mischen sich auch hier antike Stücke und Design des 20. Jahrhunderts mit neu produziertem Schweizer Handwerk, wie der Kollektion des Traditionsbetriebes horgenglarus.


Warum soll man alte Möbel neu aufarbeiten und nutzen? Nutzen die sich nicht ohnehin wieder ab? Und gerade bei Tischen und Stühlen, die dann vielleicht in der Gastronomie eingesetzt werden: Sind die dann so belastbar wie neue Gastromöbel?
Früher wurden Möbel (aber auch vieles anderes) sehr hochwertig produziert. Diese langlebige Qualität unterscheidet sich enorm von heutigen Billigmöbeln, und eine Auffrischung lohnt sich daher. Nachhaltigkeit und lokale Produktion sind zudem Teil unserer Philosophie. Das Restaurieren und Reparieren von hochwertigen Möbelstücken ist ein Gegenentwurf zur Wegwerfgesellschaft und ein wichtiger Grundsatz bei uns. In den internen Werkstätten – Schreinerei, Polsterei und Elektrowerkstätte – werden die Einzelstücke fachgerecht und liebevoll restauriert und erscheinen so in neuem Glanz. Und natürlich hat jedes Objekt seine ganz eigene Geschichte, seinen einzigartigen Charakter und noch ein langes Leben vor sich.

Wer gehört heute zum Kernteam?
Geschäftsführer und Inhaber beider Geschäfte ist nach wie vor Fabio Dubler. Wir teilen Lager, Werkstatt und Logistik mit 2-3 Personen. Im Verkauf beider Läden arbeiten aktuell fünf Personen, drei davon Teilzeit. 

Macht Ihr neben den alten Möbeln auch neue? Oder andere Produkte?
Unsere Kernaufgabe liegt in der Restauration. Das ist sehr zeitintensiv und lässt uns kaum Kapazität für Eigenproduktionen. Wir arbeiten jedoch eng mit lokalen Handwerkern zusammen. So werden z.B. unsere Spaghettistühle, Leuchtbuchstaben oder die gedrückten Metall-Lampen exklusiv für uns in der Schweiz hergestellt.

Gestaltet Ihr Eure Produkte auch um? Wie sieht der Prozess aus, wenn ein Stuhl zu Euch kommt, bis dahin, wo er Euch wieder verlässt?
Beim Restaurieren ist es uns wichtig, den Charme der Produkte beizubehalten. Wir wollen die individuellen Geschichten keinesfalls ausradieren.
Wenn ein Stuhl zu uns kommt, wird er kontrolliert und gereinigt. Meistens müssen die Schrauben angezogen werden, und wir montieren neue Filzgleiter. Einige Stühle schleifen wir komplett ab und ölen sie dunkel. Die Patina bleibt dabei aber erhalten. Das machen wir, weil die Nachfrage nach dunklen Stühlen viel grösser ist als das Angebot. Wenn etwas beschädigt ist, wägt unser Schreiner auch ab, ob der Schaden repariert werden kann und sich der Aufwand lohnt. Manchmal kann auch aus zwei Stühlen einer gemacht werden, wenn zum Beispiel der eine Stuhl eine kaputte Sitzfläche und der andere ein abgebrochenes Bein hat.


Wieso braucht die Welt alte Möbel? Und wieso ausgerechnet von Euch?
Die «alten Möbel» sind unser Beitrag zu einem bewussten Umgang mit den bestehenden Ressourcen. Viele Leute haben wie wir genug vom Massenhandel und der Wegwerfmentalität. Auf der anderen Seite ist es etwas Einzigartiges und bringt langfristig Freude, ein spezielles Vintage-Stück zu besitzen. 
Wir kennen unsere Möbel sehr gut, haben ein sehr breites Sortiment und eine riesige Auswahl. Zur Ergänzung der Vintage-Ware bieten wir hochwertige Neuwaren an. Wir haben jahrelange Erfahrung im Restaurieren von Möbeln und bieten funktionale und qualitativ einwandfreie Stücke an. Dank der Werkstätten können wir auch auf Kundenwünsche eingehen. Wir schätzen den persönlichen Kundenkontakt und eine unkomplizierte Zusammenarbeit. Bei uns darf auch einmal ein Objekt ausgeliehen werden, um zu überprüfen, ob es auch perfekt ins neue Zuhause passt.

Was nimmt euch die meiste Arbeit ab? 
Der Handel mit Vintage-Einzelstücken ist sowohl arbeits- wie auch lagerintensiv. Bis ein Möbelstück beim Kunden ankommt, wird es von uns mehrfach in die Hände genommen: Es wird angekauft und kontrolliert/gereinigt/restauriert, für die Website fotografiert und beschrieben, dann in einen der Läden gebracht und schlussendlich verkauft und abgeholt oder geliefert. Für die Organisationsabläufe hilft uns getbutik, eine Verkaufssoftware, die in intensiver Zusammenarbeit mit dem Bogen33 entwickelt wurde und so auf unsere Bedürfnisse perfekt eingeht. Trotz alledem nimmt uns kein System das «Kennenlernen» jedes einzelnen Möbelstücks ab. Und beim Schleppen hilft es auch nicht?

Wie sieht euer Arbeitsplatz aus?
Sowohl im Bogen33 wie auch im Viadukt*3 haben wir das Glück, dass wir an sehr schönen Arbeitsplätzen arbeiten dürfen, wo man uns natürlich gerne besuchen darf. Und neu haben wir auch jeden Donnerstag unser gemeinsames Lager an der Hohlstrasse im Kreis 4 von 17:30 – 19:30 zum «Open Storage» geöffnet.


Lasst Ihr auch neue Ideen in Eure Produkte einfliessen? Und wie kommt Ihr auf neue Einfälle – in Bezug auf die Möbel und grundsätzlich?
Unsere Inspiration für die Eigenproduktionen entspringt oft Kundenwünschen. Wir entdecken Lücken im Sortiment, die wir ergänzen möchten. Am Criterion Stand von Bogen33 bieten wir eine Special Edition von unseren Spaghetti-Gartenstühlen an. Da wir mit einem kleinen, lokalen Produzenten zusammenarbeiten, können wir auch einmal etwas Spezielles ausprobieren und mehrfarbige Stühle anbieten. Es ist ja so schwierig, sich bei der grossen Farbpalette für nur eine Farbe zu entscheiden. Inspiriert von Google Maps-Satellitenaufnahmen haben wir drei Farbwelten definiert, die wir am Criterion Festival und im Bogen33 zum Verkauf anbieten: Rimini, Barcelona und Bora Bora. Das macht Lust auf Sommer!


Welche 3 Sachen empfiehlt ihr Freunden bei euch in der Region zu tun/essen/erleben/kaufen?
- Essen und Einkaufen in der Markthalle
- Kunst im Löwenbräu-Areal: Kunsthalle, Migros Museum, Galerien
- Ein Spaziergang vom Landesmuseum über den Platzspitz, an der Limmat entlang über das Viadukt. Im Sommer empfiehlt sich unterwegs ein Sprung ins kühle Nass am oberen Letten.

Hört ihr Musik beim Arbeiten? Was denn?
Im Bogen33 läuft eine Spotify Playlist. Die aktuellen Favoriten sind:
change - Lipka
Jack nice - Dida
Dream Love - Bobby Darin
Since I dont have you - The Skiliners
What'd i say - Ray Charles

Im Viadukt läuft zu 90% Radio Swiss Jazz und zu 10% gds.fm

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