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PLAY & CREATE

06.02.2018

«IM DRECHSEL-HANDWERK LIEGT NOCH VIEL POTENZIAL»

Das schafft kein 3D-Drucker

Vor 25 Jahren besuchte Andreas Gerig die ersten Drechselkurse. Die Faszination für das Holzhandwerk liess ihn nie wieder los. Er entwickelte seine Fertigkeiten weiter – und plötzlich stand er vor einem Meer an Möglichkeiten. Kurzerhand richtete er sich in seinem Engadiner Gartenhaus auf 1778 M. ü. M. seine erste Werkstatt ein. 2010 drückte er dann noch einmal die Schulbank und liess sich zum Holzhandwerker/Drechsler EFZ ausbilden. Zusammen mit seiner Frau Sandra Colosio Gerig gründete er das DrechselWerk, eine zweite Produktionsstätte kam hinzu. Zusammen entwickeln sie Produkte, die, so Gerig, die Raumatmosphäre «beeindruckend verbessern» können. Die Nähe zu seinen Kundinnen und Kunden ist ihm wichtig. Sein nächstes Ziel ist deshalb, einen Laden in Zürich zu eröffnen.

Was ist DrechselWerk?
Wir sind eine kleine Schweizer Drechslerei. Wir verbinden das ursprüngliche Drechselhandwerk mit neuem Design. Ursprünglich bedeutet, dass keine Automaten, Halbautomaten oder CNC gesteuerte Maschinen verwendet werden. Unsere Unikate werden mit Drechselbank und Stahlröhren hergestellt. Wir verarbeiten ausschliesslich einheimische, regionale Holzarten. Wir verwenden jeweils ein Stück Holz und kommen ohne Verleimung aus. Wir setzen auf eine eigene Formensprache. Alle Objekte werden von uns designt und hergestellt. Von der Holzernte bis zum fertigen Objekt kommt beim DrechselWerk alles aus einer Hand. Nachhaltigkeit und ein schonender Umgang mit unseren Ressourcen ist uns wichtig. So verwenden wir etwa ausgewählte Arven Holzspäne, die bei der Produktion anfallen, für unser patentiertes Arven Hirsekissen. Wir möchten das Spezielle am jeweiligen Holzstück erhalten, ein Stück Baumgeschichte erzählen. Wir gehen gerne auf Kundenwünsche ein, stellen aber keine Nachahmerprodukte oder Massenware her.

Wie ist das DrechselWerk entstanden?
Meine Begeisterung für handwerkliches Arbeiten und Gestalten hat mich vor 25 Jahren in meiner Freizeit in die ersten Drechselkurse geführt. Der Werkstoff «Holz» hat mich begeistert und je besser meine Fertigkeiten wurden, desto mehr Möglichkeiten eröffneten sich mir. Meine erste Werkstatt richtete ich mir in meinem Engadiner Gartenhaus auf über 1778 m.ü.M ein. Im Sommer war es heiss und im Winter blieben die Handschuhe wegen der Kälte am Stahl kleben. Meine feine, kleine Werkstatt gilt als höchstgelegene Drechslerei der Schweiz. Aber ich wollte mehr lernen. Deshalb entschied ich mich im Jahr 2010, die Lehre als Holzhandwerker/Drechsler EFZ zu absolvieren. Heute habe ich eine zweite Produktionsstätte. Die Gemeindegrenze zwischen Ottenbach und Zwillikon geht mitten durch meine Schreinerei.

Wer steckt alles hinter Drechselwerk?
Meine Frau und ich. Sie ist für die Bereiche Kommunikation,  Eventmanagement, Verkauf und Administration zuständig. Ich konzentriere mich auf die Produktion und Entwicklung. Wir sind ein kleiner Familienbetrieb, ehrlich, zuverlässig und innovativ.

Andreas Gerig und Sandra Colosio Gerig

Gibt es viele Drechslereien?
Im Verband Drechsler Schweiz sind 60 Drechslereien gelistet. Firmen, die zu 100% von der Drechslerei leben, lassen sich aber an einer Hand abzählen. Die meisten verrichten neben der Drechslerarbeit Schreiner- und andere Arbeiten.

Wie sollte sich euer Handwerk in Zukunft weiter entwickeln?
Solche Fragen diskutieren wir im Berufsverband Drechsler Schweiz. Wir befinden uns mitten im Prozess, die künftige Ausrichtung unserer Arbeit und der beruflichen Ausbildung zu definieren. Für uns ist klar, dass es uns auch in Zukunft brauchen wird. Ein 3D-Drucker kann uns in den nächsten 30 Jahren (noch) nicht ersetzen. Viele Leute wissen nicht, was gewerbliche Drechsler alles herstellen können. Da ist noch viel Potenzial.

Gab es Rückschläge?
Ja, aber ich sehe das als Chance, dazu zu lernen. Ich bleibe gelassen und überlege mir, was ich anders machen könnte. So ist zum Beispiel im Austausch mit einem Vertriebspartner eine Schale mit spezieller Oberflächenbearbeitung entstanden, die ich in einer Kleinserie hergestellt habe. Entgegen unseren Einschätzungen nahmen die Kunden dieses Objekt nicht wahr. Ein anderes Mal musste ich mir im Anschluss an eine Messe die Frage stellen, ob ich mit den richtigen Produkten am richtigen Ort war.

Einblick in die Drechslerei.

Wie entwickelt ihr eure Ideen weiter?
Ideen habe ich viel! Die meisten vertraue ich meinem Ideenspeicher an oder ich schenke ihnen Zeit, um zu reifen. Ich fertige Skizzen an und denke über die Umsetzung und die dazu benötigten Hilfsmittel nach. Bei komplexeren Ideen fertige ich Modelle oder einzelne Teile an der Drechselbank an. So sehe ich, wo sich Stolpersteine verstecken könnten oder was ich bezüglich Design oder Usability anpassen muss. Ein weiterer spannender Schritt ist der Austausch mit meiner Frau, die sich sehr für diesen Prozess interessiert. Ist es ein Kundenauftrag, suche ich den Dialog mit dem Auftraggeber.

Wieso braucht die Welt Gedrechseltes? 
Mit gedrechselten Produkten lässt es sich einfacher leben. Wir gewerblichen Drechsler stellen die unterschiedlichsten Zulieferprodukte und Wohnaccessoires her. Die Möglichkeiten sind fast  unendlich. DrechselWerk arbeitet für die Kundschaft auch den einzigartigen Charakter eines Holzstückes heraus. Sei es bei einer Salat- oder Früchteschale, einer Blüten- /Kerzenschale. Mit  diesen Objekten lässt sich die Raumatmosphäre positiv verändern.

Was nimmt euch die meiste Arbeit ab?
Das ist eine schwierige Frage. Ein kurzes Telefongespräch mit den Kunden ist aber immer einfacher, als stetes Hin und Her im digitalen Stream.

Schlafen auf Holz: Kissen gefüllt mit Arvenholzspänen.

Wie kommt man auf gute Ideen? Ein einziger Tipp genügt.
Offen (mit möglichst vielen Sinnen) und mit Respekt durch die Welt zu gehen.

Was ist euer nächstes Ziel?
Ein kleines Verkaufslokal – zum Beispiel in der Zürcher Altstadt oder an einem anderen geeigneten Ort in Zürich. Ich möchte näher bei den Kunden sein und meine Objekte zugänglicher machen.

Was sind deine drei Geheimtipp, um das DrechselWerk besser kennenzulernen?
Nicht verpassen sollte man die folgenden Quartiertermine:
1. 9.6.2018: Oberstrass Määrt, Quartiermarkt Oberstrasse, Zürich
2. Mitte Mai/Anfang November 2018: Handwerker-Markt, Quartier Fluntern

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