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28.02.2019

Fotos: Jürg Waldmeier

«Am liebsten würde ich die Natur konservieren und in die Stadt tragen können, damit jeder das erlebt, was ich erleben darf. »

Der geborene Jäger

Die Freude an der Jagd wurde dem Architekten Roger Zogg quasi in die Wiege gelegt. Schon als kleiner Bub hat ihn sein Grossvater (Neni) mit auf die Pirsch genommen. Ausgiebige Streifzüge durch die Flumser Wälder begleiteten seine Kindheit, wie die Lieblingsgeschichte von «Jim Knopf und die Wilde 13». Die Faszination fürs Wilde liess ihn nie mehr los. Vor 25 Jahren legte er die Jagdprüfung ab und träumte fortan vom eigenen Revier. Jahre später ergab sich die Gelegenheit im Grossen Walsertertal und damit erfüllte er sich einen weiteren, langgehegten Traum als passionierter Hobbykoch: die eigene Wildspezialitäten-Manufaktur – Wilde 13.

Roger Zogg liefert in die Stadt.

Was wolltest du als Kind werden?
Jäger oder Wildhüter. Tiere haben mich schon als kleines Kind fasziniert. Ich bin immer ihren Spuren nachgelaufen. Oft habe ich den Wildhüter oder meinen Neni begleitet, der passionierter Jäger am Flumserberg war und mir viel beigebracht hat.

Wie bist du zu Wilde 13 gekommen? Was hast du vorher gemacht?
Eigentlich ist Wilde 13 zu uns gekommen. Auslöser war das Zunfthaus zur Waag, das vor gut zwei Jahren 30 Rehrücken bei mir bestellte. Aus dem Rest haben wir Würste gemacht – was mich schon immer reizte, weil es meiner Meinung nach wenig richtig gute Würste gibt. Ich bin dann mit 500 Paar Nachhause gekommen, die wir irgendwie an den Mann bringen mussten. Eigentlich sind Michelle und ich Architekten und nun haben wir einen Brot- und «Wurstjob».

Wie sieht dein Arbeitstag aus? Grob in Stichworten…
Kommt drauf an, ob ich gerade Jäger oder Gejagter bin: 4.00 Uhr Ansitz und hoffentlich Waidmannsheil, Tier ausnehmen und den Berg runterbuckeln, zur Hütte zurück, Tier auswaschen und im Kühlraum aufhängen, Abschussstatistik ausfüllen und Kontrollorgan informieren, Hund füttern, Beobachtungen mit Jagdfreunden teilen, Abendpirsch. Ansonsten: Bestellungen entgegennehmen, mit Köchen Frischfleisch-Lieferungen besprechen, Bestände organisieren, verpacken, ausliefern, Hund und Familie füttern, ins Bett fallen.

Was liebst du an deiner Arbeit?
Alles! Den Kontakt zu den Leuten und wie sehr diese unsere Arbeit und Produkte schätzen. Ich liebe die Jagd in den Bergen zum Ausgleich, die Einsamkeit und die Ruhe. Ich habe den schönsten Arbeitsplatz der Welt, hier tanke ich auf: Wenn ich Tiere beobachten kann, die Sonne über den Wiesentau streicht, das Gras rieche... Ich liebe die Natur, die unterschiedlichen Gerüche und Stimmungen.

Welchen Herausforderungen begegnest du und wie?
Da wir im Grunde unverhofft in die Lebensmittelproduktion gerutscht sind, müssen wir uns viel Wissen selbst aneignen, ausprobieren, verwerfen und uns durchfragen, wie wir Dinge verbessern können. Was dabei hilft? Neugierde und Offenheit. Durchhaltevermögen. Das Unkalkulierbare zulassen. Ich glaube, das gilt für alle Herausforderungen des Lebens.

Was ist dein erster Gedanken am Morgen nach dem Aufstehen?
Ich bin dann noch so in Trance, ich agiere und funktioniere einfach mal so bis zum ersten Kaffee.

Was antwortest du, wenn dich jemand abends fragt, was du den ganzen Tag gemacht hast?
Das fragt mich Michelle auch immer! Jeder Tag ist neu und jeden Tag lernt man wieder etwas dazu.

Stress ist…?
Autofahren im Stadtverkehr und beim Ausliefern in Zürich Parkplätze suchen. Das ist eigentlich der grösste Stress, den ich habe.

Langeweile…?
…ein Wort, das ich nicht kenne.

Wie verbesserst du die Welt?
Ich verbessere die Welt nicht. Am liebsten würde ich die Natur konservieren und in die Stadt tragen können, damit jeder das erlebt, was ich erleben darf. Ich wünschte mir, dass wir der Natur und anderen Menschen mit mehr Respekt begegnen. Dass nicht immer das Materielle im Vordergrund steht, sondern mehr Toleranz. Insofern möchte ich den Menschen die Natur sowie die Jagd wieder näher bringen.

Wie oder was würdest du ändern, wenn du könntest? 
Der Natur etwas davon zurückzugeben, was ihr der Mensch genommen hat. Zudem wissen viele Menschen gar nicht mehr, wo unsere Lebensmittel überhaupt herkommen. Eigentlich will sich ja jeder gut ernähren, dann kommt das Aber. Diesen Widerspruch zwischen Wollen und Wirklichkeit möchte ich gerne aufheben können.

Wo wirst du in zehn Jahren tun?
Mit Michelle und unserem Hund endlich mal ausgiebig Schweden bereisen. Und das Hiltl beliefern.

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