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07.04.2018

Das Unperfekte, der kleine Makel, das Menschliche macht die Arbeit so anziehend.

«DAS UNPERFEKTE, DER KLEINE MAKEL, DAS MENSCHLICHE MACHT UNSERE ARBEIT SO ANZIEHEND.»

Der Tafelmaler geht herum

Mathias Trunigers konnte sich schon immer für Schrift und ihre Gestaltungsmöglichkeiten begeistern. Die handgezeichneten, schwungvollen Linien, klaren Konturen und die aussagekräftige Natur von Buchstaben faszinieren ihn schon lange. Seit drei Jahren arbeitet Mathias als traditioneller Tafel- und Schriftenmaler. Angefangen hat es mit der Beschriftung von Kreidetafeln für Restaurants und Läden. Unterdessen verschönert er Schaufenster, Fahrzeuge oder ganze Fassaden. Bemerkenswert: Mathias – der mittlerweile von seiner Leidenschaft leben kann – hat sich das meiste autodidaktisch beigebracht.

Was ist Tafelmaler? Und was genau nicht? In ein, zwei Sätzen?
Unter dem Namen Tafelmaler gestalte und beschrifte ich Schilder, Schaufenster, Fassaden, Fahrzeuge etc. von Hand – so wie es früher üblich war. Als traditioneller Schriftenmaler arbeite ich konsequent Freihand und verzichte auf Schneidplotter, Stanzmasken und Schablonen.

Wer hatte die Idee dazu und wie ist er/sie darauf gekommen?
Die Faszination für Schriftgestaltung nahm ihren Anfang in meinen Jugendjahren. Damals war es Graffiti, das mein Herz höher schlagen liess. Anfangs 20 verlor ich dann das Interesse an diesem Thema. Nach mehreren Jahren Ruhepause schlich sich die Schrift aber völlig unverhofft in mein Leben zurück. Im Zivildienst in einem Wohnheim für körperlich Behinderte zwinkerte mich eine Kreidetafel an, auf die ich dann ein Jahr lang die jeweilige Tagessuppe schrieb. Dieses Übungsfeld, finanzielle Not und ein Schubs von meiner Freundin ebneten schliesslich den Weg zur Selbständigkeit als traditioneller Schriftenmaler.

Wieso Tafeln bemalen? Und wie? Ist die Bemalung dauerhaft, oder machst Du das immer wieder neu? Und worin liegt für Deine Kunden der Reiz, von dir Tafeln bemalen zu lassen?
Beschreibbare Tafeln hat es im Moment überall. Jedes mal wenn ich eine sehe, zwickt es mich im Handgelenk. Ich liebe diese Arbeit einfach. Ich weiss gar nicht so recht warum. Dass man nur mit dem Körper, einem Pinsel oder Stift und etwas Übung im Nu jede erdenkliche Form auf eine Oberfläche zaubern kann, fasziniert mich jeden Tag aufs Neue. Im Gunde genommen ist doch schon nur die Idee reizvoll, dass da so einer mit seinem Zauberköfferli kommt, ein paar Farben mischt, sein Schürzchen anzieht und dann ad hoc etwas auf eine Tafel malt. Und das ohne, dass man vorher 20 E-Mails austauschen und sieben Meetings abhalten musste. Ist das nicht prima?
Meine Beschriftungen sind abhängig von Kundenwunsch, Einsatzort und Zweck. Mal witterungsbeständig, abwaschbar, permanent, matt, glänzend oder sogar aus echtem Blattgold.


Wie sah der erste Schritt zur Verwirklichung der Idee aus? Wie wird man Tafelmaler?
Ich wusste, dass eine Nachfrage für professionell gestaltete Kreidetafeln besteht, hatte aber noch keinen Kanal zu potenziellen Kunden. Als erstes entwarf ich also ein Logo und druckte Visitenkarten. Dann kaufte ich eine Kreidetafel, entwarf ein paar fiktive Tafel-Designs und stellte diese dann auf meine ziemlich rudimentäre neue Website. Mit diesem Gepäck ging ich dann hausieren und angelte mir die ersten Aufträge. Von dort aus ging es dann ziemlich flüssig weiter. Via Social Media verbreiteten sich meine Arbeiten und bald kamen die Anfragen von alleine. Aus einem 20% Nebenjob wurde bald eine 40% Beschäftigung und nach eineinhalb Jahren dann der waghalsige Sprung in die komplette Selbstständigkeit.

Gestaltest Du auch andere Sachen ausser den Tafeln?
Ich gestalte und beschrifte eigentlich alles, was man beschriften kann. Neben Kundenstoppern und Menutafeln kommen immer mehr Schaufenster- und Fassadenbeschriftungen dazu. Ich arbeite auch mit Farben, die sich für die Beschriftung von Autos und Motorrädern eignen. Es fängt bei der Wandgestaltung an und hört irgendwo bei der Gürtelschnalle auf. Dazwischen kommen auch mal unkonventionelle Objekte vor wie ein Megafon oder ein Unihockeyhelm.


Wie läuft es ab, wenn Du eine neue Tafel gestaltest?
Nachdem ich vom Kunden alle trockenen Fakten erhalten habe, bringe ich in Erfahrung, was er oder sie damit bewirken möchte, bzw. welches Gefühl die Tafel erzeugen soll. Je nachdem erkundige ich mich auch nach der Umgebung, in welcher sich das fertige Produkt am Schluss befinden wird. Manchmal ist es sinnvoll, dass sich eine Tafel nahtlos einfügt, in einem anderen Fall muss sie möglichst laut und auffällig sein. Darauf folgt die Entwicklung des Stils. Je nach Kundenwunsch oder Budget erstelle ich vorab eine Skizze. Diese kann detailgetreu oder grob sein, in den meisten Fällen reicht aber ein mündliches Briefing ohne Skizzendurchgang. Die Umsetzung erfolgt direkt auf der Tafel. Wenn das fertige Produkt vom Kunden abgenommen ist, hole ich das Mittagessen nach und schlafe die Nacht durch wie ein Stein.

Wieso braucht die Welt gemalte Tafeln und traditionelle Schriftenmalerei?
Der tradtionellen Schriftenmalerei wohnt ein Charme inne, den man bei computergenerierten Grafiken vergeblich sucht. Das Unperfekte, der kleine Makel, das Menschliche macht unsere Arbeit so anziehend. Man sieht meinen Beschriftungen an, dass sie von Hand gemacht wurden.Hinzu kommt, dass jede meiner Beschriftungen ein Einzelstück ist. In der heutigen Zeit und in unseren Breitengraden, wo der Arbeitsaufwand meist mehr Wert hat als das verwendete Material, ist eine handgemalte Beschriftung schlicht viel wertvoller als ihr makelloser Verwandter aus dem Schneideplotter. Es gibt ausserdem bestechende Beschriftungstechniken, welche ausschliesslich von Hand umgesetzt werden können. Beschriftungen mit Blattgold, sei dies bei der Hinterglasvergoldung oder der etwas gängigeren Oberflächenvergoldung können nur in Handarbeit gemacht werden. Ihre Wirkung ist bis heute unerreicht.

Wie sieht Dein Arbeitsplatz aus?


Was nimmt Dir die meiste Arbeit ab?
Das Werkzeug, welches mich mit Abstand am meisten Zeit sparen lässt, ist die Übung – die Beherrschung meines Fachs. Je länger ich mich aktiv mit dieser Materie auseinandersetze, desto schneller, präziser und professioneller werden meine Umsetzungen. Aber ohne Pinsel und Farbe ginge es natürlich auch nicht. Als ich vor drei Jahren mit der Tafelbeschriftung angefangen habe, arbeitete ich ausschliesslich mit Kreidemarkern. Nach etwa einem Jahr nahm ich an einem Sign Painting Workshop von Mike Meyer teil und lernte den Umgang mit Schriftpinseln. Anfangs war es eine ziemliche Herausforderung, diesen Stäbchen die eleganten Kurven abzuringen. Heute kenne ich meine Pinsel gut genug, dass ich sie den Markern meist vorziehe.

Wie kommst Du auf neue Ideen? Gibt es da ein Ritual oder geschieht das von selbst? Und was machst Du, wenn Du mit einem Projekt oder mit einem Entwurf nicht weiter kommst?
Da ich auftragsbasiert arbeite, wird mir eigentlich immer ein inhaltlicher oder formaler Rahmen gesteckt, welcher mir als Gerüst dient. Ich muss mich dadurch nie im völlig freien Raum bewegen. Das mag ich sehr.
Meine Arbeit fängt so an, dass ich vorgegebene Elemente und Anforderungen in Einklang miteinander bringen muss. Meistens entsteht dabei eine Art Not, welche bekannterweise erfinderisch macht. Wenn ich mit einem Projekt nicht weiterkomme, lege ich es entweder zur Seite und komme später darauf zurück oder ich – wenn es zeitlich eng ist – boxe mich einfach pragmatisch durch den inspirationslosen Nebel hindurch bis sich wieder ein antreibender Aspekt zeigt. 


Was sind Deine nächsten Projekte?
Wenn man einen so einflussreichen Job hat wie ich, darf man leider nicht über die nächsten Projekte sprechen:)

Hast Du nebenbei noch andere Jobs?
Nein.

LIVE & WEAR
Aus Nachfrage wird Angebot

Der Eigenimport war die logische Konsequenz. Und so grosser Anklang ihres mit viel Liebe kuratierten Sortiments die Folge, dass heute ein kleines Unternehmen daraus geworden ist.

FIT & WELL
Stille, Erholung und Kosmetik aus Nutzhanf

Werner Schönthaler ist ein echter Hanfpionier. Auf der Basis des Wissens um den Nutzhanf, das er von einer alten Kräuterfrau kennt, hat er eine eigene Kosmetiklinie entwickelt, die auf der Verwendung von Hanföl basiert: Castelatsch. Benannt sind seine Produkte nach dem Hof, den er in Südtirol bewohnt – und der seinerseits zu einem Teil aus Nutzhanf erbaut ist.

COOK & SHARE
Für die Süsse und die Würze im Leben

Also beschlossen sie, ihn selbst herzustellen. Sie experimentierten mit Mischungen, die Nachfrage wuchs, und mittlerweile ist aus ihrer persönlichen Vorliebe ein kleines Unternehmen geworden. Selbstverständlich stammen Tee und Gewürze aus fairem und nachhaltigem Anbau. Und um nicht maschinell produzieren zu müssen, betreiben die beiden zum Mahlen und Mörsern ihrer Gewürze eine Velomühle.