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WEAR & CARE

09.01.2020

«Wir wollen das verstaubte Image, welches Posamenten nachhängt, endlich verwerfen und zeigen, dass wir auch in einer modernen Umgebung Platz finden und damit Bändel-Hipsters begeistern können.»

Die letzten ihrer Art auch in 2020

Für Bändel-Hipsters: Borten, Bänder, Kordeln und Schnüre, Quasten und Fransen braucht man, um Kleidung, textilen Wand- und Fensterdekorationen und Polstermöbeln zu verzieren. Werden auch Posamente genannt. Die letzte, noch aktive Posamenterie der Schweiz, welche als Manufaktur auf alten Maschinen arbeitet, heisst: Posamenterie Herma. Von Imma Pichierri und Evelyn Gloor übernommen, weil sie ihren vorgängigen Job bei einer anderen Posamenterie verloren hatten. So nahmen die zwei Damen ihr Schicksal in die Hand und geben nun dem alten Handwerk eine solide Zukunft. Sie beweisen, dass Posamenterie auch in moderner Wohnumgebung ihren Platz findet. Evelyn erklärt uns das Tüpfli auf dem I der Inneneinrichtung.

Was ist Posamenterie Herma? In ein, zwei Sätzen...
Die Posamenterie Herma ist ein Mikrounternehmen in der Textilbranche. Eine Posamenterie vereint die Weberei, Seilerei und die Handarbeit. Wir weben Borten und Bänder, drehen Kordeln und Seile und fertigen Quasten, Fransen und Uniformschnüre von Hand. 

Wer hatte die Idee dazu? Wie ist er/sie darauf gekommen und wieso?
Die Idee dazu kam, weil die Posamenterie, bei der wir vorher gearbeitet haben, geschlossen wurde. Wir wussten aber beide, dass wir weiterhin mit Posamenten arbeiten wollen und der Inhaber der Posamenterie Herma gerne in Pension gehen würde. Es war ein Herzensentscheid – und zum Glück hatte der Kopf gar nicht so viel Zeit, um nachzudenken.

Ihr Herz wusste genau, dass es weiterhin mit Posamenten arbeiten will.

Was sind Posamenten genau?
Posamenten sind textile Dekorationselemente wie Borten oder Bänder, welche an Polstermöbeln angebracht werden. Der Polsterer kann so den Übergang zwischen Holz und Polsterstoff abdecken. Oder auch Embrassen, welche benötigt werden, um die Vorhänge am Tag zurückzuhalten. Zum Sortiment gehören auch Schlüsselquasten, welche als Verzierung an Schrank oder Sekretär angebracht werden.

Wer gehört heute zum Kernteam?
Das Kernteam besteht seit Beginn aus Imma und Evelyn, und wir ergänzen uns perfekt. Imma ist seit über 30 Jahren mit Leib und Seele Posamenterin. Ich teile diese Passion und übernehme alles Administrative und den Kundenkontakt. Zusätzlich helfe ich Imma mittlerweile bei vielen Tätigkeiten in der Produktion.

Eine der vielen Tätigkeiten in der Produktion

Wieso braucht die Welt eure Produkte und Lösungen?
Wir sind die letzte Posamenterie in der Schweiz, welche noch auf den alten Maschinen und von Hand produziert. Wir erhalten ein Handwerk am Leben, das sonst aussterben würde. Posamenten bringen immer einen kleinen Hauch von Luxus mit sich und sind einfach «s'Tüpfli ufem i» bei der Inneneinrichtung.

Wie stellt ihr euch die Zukunft vor?
Wir sind fest überzeugt, dass das Handwerk wieder an Stellenwert gewinnt und es Posamenten weiterhin oder sogar wieder vermehrt braucht. Die letzten fünf Jahre waren nicht einfach, aber wir haben es geschafft! Es tun sich auch immer wieder neue Nischen auf, wie zum Beispiel die Couture, die braucht auch immer wieder Bänder. Wir posamentieren alles, bleiben flexibel und neugierig.

Ein kleiner Hauch von Luxus

Welche Tools, Arbeitsweise nimmt euch die meiste Arbeit ab?
Wir sind eine Manufaktur – es braucht uns und unsere Hände und/oder Füsse immer und überall. Manpower, oder in unserem Fall Womenpower ist bei uns angesagt! Eine gute Planung der Abläufe und ein reibungsloses Zusammenspiel helfen natürlich, die Arbeit flüssiger zu gestalten.

Wie kommt ihr auf neue Ideen, gibt es da ein Ritual oder geschieht das von selbst?
Das geschieht meistens wie von selbst oder in der Kommunikation mit unseren Kunden. Manchmal liegt auch ein Reststück aus einem Auftrag rum. Man sieht es und im Kopf entstehen neue Produkte und Accessoires.

Die Posamentrie ist voller bewegender Inspiration, auch das farbenfrohe Garnlager.

Wie sieht euer Arbeitsplatz aus?
Die Produktion hat Museumscharakter. Das farbenfrohe Garnlager macht das Ganze zu einem fröhlichen Örtchen. Bei der Handarbeit und im Büro kann es je nach Auftragsgrösse chaotisch aussehen.

Was sind eure aktuellen sowie nächsten Projekte?
Aktuell haben wir einen tollen Auftrag für ein Innendekorationsgeschäft aus Zürich: Wir dürfen grosse, elegante Vorhanghalter zu einem tollen Seidenstoff herstellen. Weiter konzentrieren wir uns auf unseren neuen Brand «Posh» und die Aufschaltung eines Online-Shops. Wir wollen das verstaubte Image, welches Posamenten nachhängt, endlich verwerfen und zeigen, dass wir auch in einer modernen Umgebung Platz finden und damit Bändel-Hipsters begeistern können.

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