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COOK & SHARE

07.01.2020

«Abfall ist universell, jeder hat Abfall. Und bei den meisten ist das Thema auch emotional besetzt.»

Die Wurmrevoluzzer

WormUp ist ein Zürcher Start-up, welches sich mit viel Herz und Leidenschaft dem recyceln von organischen Abfällen durch Wurmkompostierung widmet. Sie haben das ambitionierte Ziel, kein Bio-Abfall mehr «normal zu entsorgen». Bio-Abfall hat wertvolle Nährstoff, welche in der Verbrennungsanlage vernichtet oder in Deponien zur Methangas-Bildung gebraucht werden. Jedes Jahr landen schweizweit über eine halbe Million Tonnen im Müll, damit würde man fünfmal den Prime Tower in Zürich füllen. WormUp heisst eben die Gegenbewegung. Sie entwickeln praktische Wurmkompostierungssysteme für Private und Gemeinschaften und sehen zu, wie Bananenschalen zu Erde werden. Wie all ihre Ideen wurmt es wenige, erzählt uns Sarah, die fesche Wurmstrategin, was sie tun.

Was ist WormUP und was nicht? In Kürze…
Das erste Produkt «WormUp_Home» vom noch jungen Unternehmen ist ein fünfteiliges, ausgeklügeltes Keramik-Etagensystem zum Daheim kompostieren. Egal, ob drinnen oder draussen, der low-tech Komposter funktioniert mit einer Startpopulation von 1000 Würmern. Und der Ton als atmungsaktives, natürliches Material gewährleistet eine schöne Optik des Gefässes, Langlebigkeit des Produktes und ein optimales Wurm-Klima im Mini-Ökosystem. Im März 2018 haben wir zwei weitere Produkte auf den Markt gebracht – «WormUp_Scale», ein modulares Kompostiersystem für draussen aus Metall und langlebigen Lärchenholz aus der Schweiz. Wenn gewünscht, endlos skalierbar, auch über Ecken. Ideal für Gemeinschaften, Liegenschaften, Genossenschaften, Schulen, grosse Hinterhöfe, Parklandschaften, Einfamilienhäuser mit Gärten... Die «WormUp_Tube» ist auch aus Ton, winterfest und zum Kompostieren im Hochbeet oder Vorgarten gedacht. Kurz gesagt: WormUp ist ein Zürcher Start-up, welches sich mit viel Herz und Leidenschaft dem recyceln von organischen Abfällen durch Wurmkompostierung verschrieben hat.

WormUp mitten drin und voll dabei.

Wer hatte die Idee dazu? Wie ist er/sie darauf gekommen und wieso?
Es war die Idee, welche uns zusammengebracht hat. Was wir alle gemeinsam hatten, ist das wir auf dem Land und einem Kompost im Garten aufgewachsen sind – dann der Auszug daheim, Einzug in eine Stadtwohnung und keine Möglichkeit mehr seine organischen Abfälle selber zu recyceln. Das hat uns alle irgendwie genervt – noch bevor wir uns kannten.

Ist die Idee an unterschiedlichen Orten unter unterschiedlichen Bedingungen entstanden?
Dennis (nicht mehr dabei) und Nikolai haben einen Film gesehen über einen Selbstversorger in New York, indem Wurmkompostierung vorkam, und sie fanden, da müsse man doch was daraus machen. Sie haben ihren alten Freund Luiz, der Industrie Design studiert hat, gefragt, ob er die Idee gut fände. Der wiederum kannte Erich, der als Umweltingenieur zu dem Zeitpunkt schon seit längerem Wurmkompostierung auf seinem Stadtbalkon zum Privatnutzen betrieb. Sarah kam während ihrer Permakultur-Ausbildung, beim Reisen in Thailand, auf den Wurm. Und als sie die Jungs im Frühsommer 2015 in der SFR Sendung Einstein auftreten sah, bewarb sie sich bei ihnen. Dennis entschied sich zu dem Zeitpunkt aufzuhören. So wurden wir im Juni 2015 zum heutigen Gründer-Team WormUp.

Die WormUp Truppe am spielen.

Wer gehört heute zum Kernteam?
Johanna, 1. Mitarbeiterin. Und Sarah, Erich, Luiz und Nikolai als Gründer.

Wie sah der erste Schritt zur Verwirklichung der Idee aus?
Business Start-up Weekend, Sponsoring durch die ZhdK gewonnen, und der Tanz zur Namensfindung fing an. 

Ist bei euch wirklich der Wurm drin?
Wir kompostieren alle mit Würmer Zuhause, ja – wenn du das meinst. Sonst ist der Wurm nur in Ausnahmefällen drin. Natürlich gibt’s immer mal wieder kleine Pannen, dann kommt unser Name immer sehr handy.

Wieso funktioniert das Kompostieren mit Wurm besser als ohne Wurm?
Nicht besser, anders. Mit Würmern wird das auf kleinem Raum und geruchsneutral kompostieren ermöglicht. Darum fragen wir uns besser: Was ist, wenn die Würmer aus dem Komposter abhauen, sich verirren und überall ausbreiten? Ganz einfach: Einsammeln. Ursache eruieren, was sie zur Flucht getrieben hat. Ursache beheben. Und Würmer wieder liebevoll in ihr wurmgerechtes Daheim einquartieren.

Auf kleinem Raum wird geruchsneutral kompostiert.

Entwickelt ihr auch Produkte ohne Wurm?
Momentan haben alle Produkte mit Würmern zu tun. Wir betreiben Urban Agriculture und ganzheitliche Landwirtschaft ohne Kunstdünger oder GMOs – unsere Leitkultur.
An der Giardina 2019 haben wir Tube und Scale gelauncht. Mit grossem Stolz etablieren und bauen wir diese jetzt weiter aus. Wir sind auch in der Entwicklung eines weiteren Produktes mit der Unterstützung der Klimastiftung Schweiz.

Wieso braucht die Welt eure Kompostierungslösungen?
Damit keine Ressourcen mehr verschwendet werden. Dezentrale Lösungen brauchen weniger Transportweg. Unsere Lösungen geben dem User die Möglichkeit naturgerechte Entsorgung selbst in die Hand und unabhängig vom Entsorgungssystem der Gemeinde oder Hausverwaltung zu werden. Weiter bringt es uns zurück zu den natürlichen Kreisläufen, und Kinder lieben Würmer! Die Faszination, das aus einer Bananenschale, mehr oder weniger beim Zugucken, beste Erde entsteht, haut doch auch Erwachsene immer wieder aus den Socken.

Wo ist die Bananenschale und der Wurm hin?

Wie schwierig ist es, jemanden von euren Produkten zu überzeugen?
Gar nicht schwierig. Es ist eher so, dass es bei den Meisten ein Klickmoment gibt, wenn wir erklären, was unsere Produkte tun. Abfall ist universell, jeder hat Abfall. Und bei den meisten ist das Thema auch emotional besetzt. Es ist einfach mit Leuten darüber zu reden, dass sie keinen stinkenden, triefenden Abfallsack oder Grünkübel mehr wollen. Nur die, die partout keine Würmer mögen oder gar eine Phobie haben, oder die, die bereits einen grossen Komposter im Garten haben, sind weniger gwundrig und interessiert.

Wie kommt ihr auf neue Ideen, gibts da ein Ritual oder geschieht das von selbst? Und wie entwickelt ihr sie weiter?
Jeder Tag bringt etwas Neues mit sich – wie wir etwas organisieren könnten, etwas darstellen könnten, wenn wir kontaktieren könnten, etc. Jeder bringt immer wieder von irgendwoher neue Inspiration – was gelesen, was gesehen, was gehört, was ausprobiert. Geschieht von selbst.

Ist eine ultimativ angelegte Grundidee, wie die eure, überhaupt mit neuen Ideen kompatibel?
Klar! Wir sind ja ein Start-up, wir entwickeln uns ständig weiter. Das Feld ist grob gezeichnet, aber in dem Rahmen ist viel Spielraum zur Entwicklung in verschiedenste Richtungen möglich.

Es ist einfach mit Leuten darüber zu reden, dass sie keinen stinkenden, triefenden Abfallsack oder Grünkübel mehr wollen.

Wie sieht euer Arbeitsplatz aus?
Türkiser Boden!

Habt ihr nebenbei noch andere Jobs?
Zwei, ja. Drei, nein.

Welche 5 Dinge empfiehlt ihr Freunden, die bei euch in der Region essen/erleben/kaufen wollen?

  • Mittagspause schwimmend in der Limmat verbringen.
  • Food Sharing Schweiz: Die Brotbox an der Kernstrasse ist ein echter Geheimtipp für feines Brot.
  • Industrie-Romantik: Spaziergang an der Limmat, Höhe Unterer Letten bis Schanzengraben.
  • Hardturm Brache: Die Stadionbrache liegt auf dem Areal des ehemaligen Fussballstadions Hardturm in Zürich West.
  • Brocki-Land: «Oft kopiert – nie erreicht!» Brocki am Manesseplatz.

Hört ihr auch Musik beim Arbeiten?
Ab und zu. Weil aber bei einem offenen Atelier schon meist viel los ist ohne... Und wenn, dann meist GDS.FM oder Virus.

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1898 erfolgte die Unternehmungsgründung der Firma Gebr. Zweifel Höngg durch Paul und Emil Zweifel. Zum Wein gesellte sich auch die Mostkelterei Zweifel, welche bis Ende der 1960er-Jahre prägend war, bis sie wegen der Einführung der Coca-Cola einging. Walter Zweifel als Delegierter des Verwaltungsrates und Bruder Urs als Önologen führen heute als 4. Generation das Unternehmen. Geschäftsführer Christoph Ernst beantwortet uns hier, wer was warum.


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