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Urban Agriculture

18.09.2018

«IN DEN ALTEN PFLANZENSORTEN STECKT EIN ENORMES POTENTIAL AN UNTERSCHIED- LICHEN, NATÜRLICHEN EIGENSCHAFTEN UND GENEN»

Rare Pflanzenerzeugnisse

Patrick Biedermann ist der Betreiber der Homatt Kulturgärtnerei: Hier hegt und pflegt er die seltenen alten Pflanzensorten, die von ProSpecieRara als schützenswert ausgewiesen wurden - und bietet sie gerne allen an, die ebenfalls an den Nutzpflanzen früherer Generationen interessiert sind. Die alten Pflanzen bergen sowohl geschmacklich als auch in Bezug auf die genetische Vielfaltein enormes Potenzial in sich.


Was ist die Homatt Kulturgärtnerei? Und was ProSpecieRara? 
Die Homatt Kulturgärtnerei ist die erste Gärtnerei in dieser Form, welche sich zum Ziel setzt, das breiteste, saisonale Sortiment an ProSpecieRara-Pflanzen in der Schweiz zu produzieren.
Von März bis Ende Oktober führen wir in den Bereichen Gemüsesetzlinge, Kräuter, Beeren und Zierpflanzen ein umfangreiches, stetig wachsendes Angebot von Pflanzen, welche als erhaltenswert eingestuft wurden.

Wer hatte die Idee dazu und wie ist er/sie darauf gekommen? 
Im Laufe des Lebens durchgeht man viele Prozesse. Eine davon ist ''Wie Nachhaltig will ich leben und was mache ich dafür!'' Da ich, Patrick Biedermann, als leidenschaftlich erlernter Gärtner der Natur nahe stehe, war diese Frage nie weit weg.


Was hat man vom Erhalt alter und seltener Pflanzenformen? Und was davon, wenn man sich diese in den eigenen Garten holt? 
In den alten Pflanzensorten steckt ein enormes Potential an unterschiedlichen, natürlichen Eigenschaften und Genen. Es lohnt sich, diese zu bewahren und zu erhalten, denn wir wissen nie, was uns die Zukunft bringen mag. Seit Beginn der ersten Ackerbauten wurde stetig gezüchtet und verbessert. Immer zugunsten des Geschmackes, des Ertrages und des Verwendungszweckes.

Wie sah der erste Schritt zur Verwirklichung der Idee aus? Und wo stößt Ihr manchmal an Grenzen?
Damit die Idee umgesetzt werden konnte, musste erstmal eine Gärtnerei, welche zum Verkauf steht, gefunden werden. Dieser Prozess dauerte mehrere Jahre. Zugleich wurde ein Geschäftsplan erstellt, damit Partner wie ProSpecieRara und Finanzgeber Einsicht in das Konzept erhalten konnten.
Die Nachfrage nach unseren ‘‘raren Pflanzenerzeugnisse‘‘ ist so gross, dass wir mit der Produktion nicht hinterherkommen oder die seitens Kunden gewünschten Akzessionen nur für Erhaltungszwecke dienen.

Wer gehört heute zum Kernteam? 
Wir sind ein dynamisches Jungunternehmen, welches aufgrund der saisonalen Varietät unterschiedlich gross ist. In den Wintermonaten sind 1-2 Personen am Arbeiten, im Frühling und den Sommermonaten sind jedoch bis zu 12 Personen im Einsatz.

Geht es bei Euch nur um Pflanzen?
Passend zu unseren ‘‘Bio Suisse Knospe‘‘ produzierten Pflanzen ergänzen wir unser Sortiment optimal mit Saatgut, Dünger und Pflanzenschutz. Alles Biologisch versteht sich. Technische Artikel zur Pflanzenaufzucht und weiter Dienstleistungen sind ebenfalls vertreten.


Wie legt Ihr fest, ob es sich bei einer Pflanze um Schützens- bzw. Bewahrenswerte Art handelt? Was sind die Kriterien? 
Dieses Entscheiden wir nicht in der Homatt Kulturgärtnerei getroffen – ProSpecieRara als Stiftung zur Erhaltung Kulturhistorischer Sorten und Arten legt diese Grundsätze mit einem engen Kriterienkatalog fest.

Wieso braucht die Welt Euch? 
Ob Mutter Erde uns wirklich braucht, kann ich nicht beantworten. Ich sehe unser Tun und Handeln eher als eine Art des Bewahrens der von Menschen geschaffenen alten Schätze aus früheren Zeiten. Dies sowohl im Pflanzenbereich als auch produktionstechnisch. Manch ein Gärtner kennt die Vermehrungsmethoden und die Praxis der Kulturführung aus vergangenen Zeiten nicht mehr.

Was nimmt euch die meiste Arbeit ab?
Unser Sortiment umfasst bereits mehr als 800 Sorten, welche in unserer Obhut sind. Ein EDV-System, hinterlegt mit allen Angaben zu den jeweiligen Pflanzen, leistet einen grossen Beitrag. Weiter dient uns ein einheitlicher Produktionsprozess. Töpfe, Kulturplatten, Erde, ja der ganze Prozess vom Saatgut bis zum Verkauf der Pflanze ist durchdacht und niedergeschrieben.

Wie entwickelt Ihr Euch weiter? Ergeben sich neue Ideen von selbst, oder gibt es da z.B. ein Ritual o.ä.?
Neues ist immer sehr schön und wir werden unser Sortiment fortlaufend in den kommenden Jahren ausbauen. Priorisiert ist jedoch die Festigung der Arbeitsprozesse und die Kundenzufriedenheit.

Wie sieht euer Arbeitsplatz aus?
Auf einem Landstück von rund 8000 Quadratmetern stehen 7 Gewächshäuser mit einer Gesamtfläche von 3000 Quadratmetern. Wir arbeiten sowohl in den Gewächshäusern, im Ökonomiegebäude als auch im Freiland. Zusätzlich ist ein/e Gärtner/In jeweils zu unseren Öffnungszeiten im 400 Quadratmeter grossen Verkaufs- und Showgewächshaus mit Rat und Tat für unsere Kundschaft anwesend.


Was sind eure nächsten Projekte?
Ein zukunftsträchtiges Engagement fliesst in die ersten Planungsideen von neuen Gewächshäusern und einem Ökonomiegebäude. Alle Bauten sollen Energetisch sowie Nachhaltig geplant und erstellt werden. Wir wollen in Zukunft noch nachhaltiger und energieeffizienter werden.

Habt ihr nebenbei noch andere Jobs?
Das Kernteam ist zu 100% angestellt. Unsere Saisonalen Arbeitskräfte haben teils nebenbei noch andere Engagements und Anstellungen.

Welche 3 Sachen empfiehlt ihr Freunden bei euch in der Region zu tun/essen/erleben/kaufen?
- Ein Besuch im Tropenhaus Wolhusen LU lohnt sich für jedermann, der gerne nachhaltig in der Schweiz produzierte tropische Früchte sehen und erleben möchte. In einem geschlossenen Kreislauf werden die Pflanzen mit Wasser, Dünger und Wärme versorgt. Ein kulinarisches Restaurant deckt auch die aufkommenden Gelüste. Mehr dazu unter: www.tropenhaus-wolhusen.ch
- Ein besonderes Ess-Erlebnis findet man im Restaurant 1871 Essen. Trinken. Sein. am Vierwaldstättersee in Luzern. Hier wird das aromatische Fleisch der ProSpecieRara Rinderasse Evolèner angeboten. Der Küchenchef Jürg Bischof schenkt der Nose to tail-Idee besondere Aufmerksamkeit und versucht auch second cuts spannend einzusetzen. Natürlich sind Gemüsesorten von ProSpecieRara nicht nur Beilage. Der Slow Food Gedanke wird hier von jedem Mitarbeiter weitergetragen. Mehr dazu unter: www.1871.ch
- Für Sportbegeisterte und Ruhesuchende lohnt sich eine Aktivität in der UNESCO Biosphäre Entlebuch. Hier werden Natur, Mensch und Umwelt gleichermassen gefördert und geschützt.

In einem einzigartigen Konzept aus ‘‘Gemeinschaft‘‘ wird die Region gleichermassen gefördert und geschützt. Mehr dazu unter: http://www.biosphaere.ch/de/

Hört ihr Musik beim Arbeiten? Was denn?
Unsere Gebäudestruktur ist dermassen gross und wir arbeiten innert kurzen Zeiten auf verschiedenen Arbeitsplätzen. Daher läuft keine Musik bei uns.

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