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LIVE & WEAR

15.05.2018

«ICH LASSE MICH IMMER VON DER NATUR INSPIRIEREN»

Annette Kres’ Label House of Aim ist nachhaltige und designorientierte Sportswear: Vielseitig und funktional. Bei den Materialien geht sie gerne unkonventionelle Wege und wagt sich auch an Experimente – so zum Beispiel ihre Idee, Schuhsohlen ressourcenschonend aus Pilzmyzel wachsen zu lassen. Auch beim Design lotet House of Aim gerne vordergründige Grenzen aus.

Was ist House of Aim in ein, zwei Sätzen? Und was hat das mit dem Urtierchen, der Kellerassel zu tun?
HOA ist ein Label für sportliche Frauen, die an Nachhaltigkeit und Design interessiert sind und natürlich auch für alle anderen.
Ich habe ein Insekt als Logo gewählt,  da sie in der Biodiversität mit zu den wichtigsten Puzzleteilen gehören, um den gesamten Lebenskreislauf aktiv zu erhalten.

Es wird noch spannender. Schuhsohlen, aus Pilzen, die wachsen? Was ist das für ein Projekt und wie wird dies in eure Kollektion einfliessen?
Meine Frage während des Masterstudiums war: Was wäre, wenn man sich Material für Bekleidung und Schuhe selbst wachsen lassen kann und es somit nach dem Tragen wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden kann? Durch die Recherche bin ich auf das Myzelium gekommen. Heutzutage wird das schon als Verpackungsmaterial genutzt.

Standen solche Inspirationen wie Assel oder Pilz auch am Anfang euers Unternehmens?
Ja, das war der Anfang. Ausserhalb eines kommerziell arbeitenden Unternehmens wollte ich es mir leisten ungewöhnliche Herangehensweisen in den Designprozess zu implementieren.

Wer hatte die Idee dazu und wieso?
Ich war inspiriert von einem japanischen Künstler, der für sein Werk einer Ameise mit einem Stift gefolgt ist. Ich wollte sehen, was passiert, wenn man die Natur in den Gestaltungsprozess mit einbezieht und somit das Ergebnis eventuell beeinflusst. Des weiteren hat mich interessiert, mit Attributen zu arbeiten, die viele Menschen auf den ersten Blick als ekelig oder «nicht schön» bewerten. Indem wir eine Leggings mit einem Abbild von Schimmel bedrucken, können wir den Blick auf unsere Umwelt schärfen und uns für Neues öffnen.


Können wir ein Foto von eurem Kreativplatz bekommen? Oder wo arbeitet ihr am liebsten?
Ich bin ein visuell arbeitender Mensch. Wenn was verräumt in der Schublade ausserhalb meines Blickfeldes liegt, benutze ich es nicht, daher herrscht bei mir (in den Augen aussenstehender) meist Chaos. Ich selbst finde aber meist die Dinge, die ich suche, relativ schnell.


Man kriegt so den Eindruck eines leicht postapokalyptischen Touches, wenn man eure Teile sieht. Wie stellt ihr euch die Mode denn in 20 Jahren vor?
Wenn man sich mit Nachhaltigkeit in der Bekleidung beschäftigt, mit den Bildern hinter den Kulissen konfrontiert wird und man lernt, wie komplex Lösungsvorschläge sind, hinterlässt das manchmal einen postapokalyptischen Beigeschmack, der sich in meinen Entwürfen widerspiegelt. Auch wenn man sich mit den Ideen von Niko Paech beschäftigt, der uns rät, schon für die Zeit, in der alle Ressourcen aufgebraucht sind, zu üben.
Die Mode in 20 Jahren: Vielleicht ist es tatsächlich so, dass die Ressourcenknappheit uns Menschen zu kreativen Lösungen bringen und zwingen wird, aus der Komfortzone heraus passiert das ja meist nicht.

Ich hoffe sehr, dass Bekleidung wieder teurer wird und auch hochwertiger, denn so kaufen die Konsumenten automatisch weniger. Auch hoffe ich, dass das Schneiderhandwerk und weitere handwerkliche Techniken nicht noch weiter verloren gehen. Trotzdem schaue ich auch immer nach vorne und bin immer an neuer Technologie interessiert. Sowie auch an funktionaler Bekleidung, die uns im Alltag oder in der Freizeit unterstützen.

Aus was für Material werden die Stoffe der Zukunft sein? Welchen Anforderungen müssen sie entsprechen?
Ich lasse mich immer von der Natur inspirieren, da sie unglaubliche Lösungen bereithält, und ich denke, das wird auch für Materialentwickler weiterhin eine grosse Inspiration sein – wie zum Beispiel künstliche Spinnenseide oder synthetische Stoffe, die die positiven Eigenschaften von Wolle haben. Ich denke, die Anforderungen sollten sein: nachhaltig in der Materialherstellung und Langlebigkeit oder ein kurzer Lebenszyklus, aber dann kompostierbar.

Was sind für euch die wesentlichen Faktoren, die heute dazu beitragen können, eine bessere Welt zu schaffen?
Achtsamkeit, also sich fragen: Wo kommt was her und wo geht es hin, nachdem ich es gebraucht habe. Und eine Balance zwischen den genutzten Rohstoffen zu schaffen, denn Baumwollanbau oder die Nutzung von Polyester ist ja grundsätzlich nicht verkehrt, nur die Menge (Masse) verursachen die Probleme.

Gab es einen Schlüsselmoment, wo ihr dachtet: Hey, jetzt müssen wir was machen und nicht nur reden!?
Ja, ich glaube mein Schlüsselmoment war, als ich nach Barcelona gezogen bin und gesehen habe, wie viele Klamotten und Dinge ich eigentlich hatte. Seitdem kaufe ich deutlich weniger Bekleidung und engagiere mich im Bereich Fair Fashion, wie zum Beispiel im Fair Fashion Network, das die Seite www.getchanged.net betreibt. Und habe dann eben HOUSE OF AIM gegründet.


Wer gehört bei zum Kernteam? 
Im Moment mache ich das meiste alleine und gebe die Drucke und Vervielfältigungen in Auftrag oder arbeite mit verschiedenen anderen Designern zusammen. Ich bin aber auf der Suche nach einer/m Businesspartner/in für den kommunikativen und wirtschaftlichen Teil des HOUSE OF AIM Projektes. Falls also jemand meine Ideen und Werte teilt, würde ich mich über eine Kontaktaufnahme sehr freuen!

Was ist euer absoluter Favorit unter den House of Aim Stücken?
Hm, das ist gar nicht so einfach. Mein Favorit im Moment ist der neue Overall Birdwell.

Wo, in welcher Location, sieht dieses beste Stück am besten aus?
Der Overall Birdwell kann zu feierlichen Anlässen getragen werden, aber genauso gut, um zur Yoga Stunde zu gehen, deshalb mag ich ihn auch so gerne: ein Teil für viele Gelegenheiten.


Und was für Sound läuft dabei im Hintergrund?
Roots Reggae, Die Drei Fragezeichen oder wenn Radio dann Radio X oder Echo der Zeit von SRF2. 

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