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LIVE & REST

20.05.2019

«Manien bringen es mit sich, dass man manchmal übertreibt.»

Kein biblischer Prophet und irgendwie doch

Habakuk, auch Haba genannt, arbeitet bei Fidea Design in Luzern und hat ein eigen handgeschriebenes Buch mit 1000 Sprüchen kreiert namens «The New Word Order», welches jeweils namentlich auf den Kunden ausgestellt wird und im Fidea Online Shop unter Neuheiten erhältlich ist. Tausend Sprüche, die einen zum Reflektieren, Debattieren und Lachen bringen und so, für manch erleuchtende Momente sorgen. Von Haba gibt’s auch vereinzelte Postkarten – für alle, denen ein Buch vielleicht etwas zu umfänglich ist. Aber Erleuchtung kommt zu ihrem Preis. Haba erzählt von seinen Höhen und Tiefen, wie er zu Fidea Design kam und was ihn zum Weitermachen antreibt.

Was wolltest du als Kind werden?
Erst Indianer, dann Fussball-Profi.

Wie bist du zur Schreiberei gekommen? Was hast du vorher gemacht?
Durch die Schule! Ich hatte es schon früh drauf. Ich hasste Diktate nicht, ich liebte sie, weil ich so gut darin war. Aber später im Gymnasium war Deutsch nicht mein Lieblingsfach! Im Gegenteil. Das war mir alles zu trocken und zu theoretisch. Ich entwickelte mich mehr zum Handmenschen als zum Kopfmensch. Handarbeit wurde mein Ding. Ich lernte zu nähen und als ich mit 23 krank wurde (manisch-depressiv), musste ich mein Leben umkrempeln und begann auch Tagebücher zu schreiben. Ca. 500 Tagebücher schrieb ich, die praktisch alle verschollen sind. Manien bringen es mit sich, dass man manchmal übertreibt. Ich realisierte, dass Schreibwut nicht die Lösung war. Ich musste mein Denken vereinfachen und versuchte aus Quantität Qualität herauszufiltern. So kam ich von Krankheitsbewältigung zu den Wortspielen im Kopf und durch die Freude am reinen Handwerk Schrift zum glücklichen Zufall, bei Fidea gelandet zu sein. Seither ist eine hübsche Ansammlung von kurzen, treffenden Sätzen oder lustigen Wörtern entstanden bis hin zu vermarktenden, «schriftstellerischen» Produkten à la: «Vom Ball am Fuss zum Stift in der Hand…»

Haba am einfach denken und schreiben

Wie sieht dein Arbeitstag aus? Grob in Stichworten.
Früh aufstehen! So zwischen 7 und 8 Uhr. Um halb 9 ins Fidea Büro, 2/3 Stunden schreiben. Und nachmittags Zuhause abwechselnd Haushalt und Kreatives erledigen. Abends fernsehen und um 23 Uhr ins Bett.

Was liebst du an deiner Arbeit?
Ich kann so meine IV-Rente aufbessern und mir dadurch den Hasch, den ich rauche, leisten. Ich kann «stolz» sagen, dass ich Sachen mache, die sonst keiner tut. 

Welchen Herausforderungen begegnest du und wie?
Die grösste Herausforderung ist trotz manisch-depressiven Phasen eine gewisse Konstanz und Stabilität in den täglichen Beschäftigungen und Produktionen zu erreichen. Aber auch die manchmal grossen Erwartungen, welche die Leute haben, nicht zu enttäuschen oder enttäuscht zu werden, ist nicht einfach.

Wie das Leben funktioniert.

Was antwortest du, wenn dich jemand abends fragt, was du den ganzen Tag gemacht hast?
Dasselbe wie immer: Zu wenig! 

Wie verbesserst du die Welt?
Die Antwort gibt mein Buch «The New Word Order»: Du kannst die Welt nicht verbessern! Du kannst nur versuchen, sie nicht zu verschlechtern. 

Was würdest du ändern, wenn du könntest?
Ich würde alles halbieren!

Stimmt.

Was willst du in zehn Jahren tun?
Wiederauferstehen!
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