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PLAY & CREATE

22.03.2019

Bilder: David Jäggi

«Zusätzlich gibt der Nutzen meinen Produkten einen Sinn, denn ich stelle hauptsächlich Gebrauchs-gegenstände her.»

Keramische Geschichten

Paula Rigendinger ist Handwerkerin. Abends sind ihre Haare voller Staub, die Hände von der Glasur ausgetrocknet, die Gedanken eines ganzen Tages in die Keramik eingeschlossen. Und dann serviert die passionierte Gastgeberin uns einen Znacht auf ihren multifunktionalen, schönen Tellern und Platten. Wir trinken aus ihren archaisch anmutenden Terrakotta-Tassen und sind uns gewiss: Patrick Swayze hätte Paula bestimmt gerne zugeschaut!

Was ist «Paula»?
Paula sind schlichte Keramikprodukte für den alltäglichen Gebrauch, welche ich in meiner Werkstatt mit grosser Faszination für das keramische Material und grosser Detailversessenheit von Hand herstelle.

Wie bist du zu diesem Handwerk gekommen?
Ton als Material wirkt einfach, ist jedoch unendlich in seinen Möglichkeiten – und ich war schon immer eine Macherin mit dem Wunsch Dinge so zu formen, wie sie mir gefallen. Ich mag es, am eigenen Leib zu erfahren, wie etwas entsteht. Abends sind meine Haare voller Staub, die Hände von der Glasur ausgetrocknet, und ich halte etwas Sichtbares in den Händen, das mir gefällt und funktioniert.

Wie sah der erste Schritt zur Verwirklichung der Idee aus?
Ich kaufte mir einen Industriebrennofen und richtete meine eigene Werkstatt ein.

Wie bist du auf Form und Material gekommen?
Bei den Formen mag ich schlichte und klare Linien, die für sich stehen. Die Serie «Terra», welche ich am Criterion Festival präsentiere, ist nach Monaten der Formsuche und unzähligen Materialtests entstanden. Mir gefällt der Kontrast zwischen dem rohen rot gebranntem Ton und der schlichten, weissen Glasur.



Wieso braucht die Welt deine Produkte und Lösungen?
Das ist eine Frage, für die ich mehr als vier Sätze für die Antwort benötige: Mir ist bewusst, dass die Welt meine Produkte nicht zwingend braucht. Auch könnte man meine Produkte mit industriellen Methoden viel schneller und perfekter herstellen. Doch im Gegensatz zu seriell hergestellter Massenware kaufen die Leute bei mir Keramikprodukte ein, die eine Geschichte erzählen und bauen somit eine emotionale Bindung zu ihnen auf. Dies führt, wie ich hoffe, dazu, dass die Konsumenten die Produkte mehr schätzen und sie dadurch langlebiger werden. Zusätzlich gibt der Nutzen meinen Produkten einen Sinn, denn ich stelle hauptsächlich Gebrauchsgegenstände her. Aber vor allem erfüllt mich diese Arbeit und eine zufriedene Paula tut meinem Umfeld gut!

Welche Tools, Arbeitsweise nimmt dir die meiste Arbeit ab?
Ganz klar meine Hände sowie Arbeitstechniken, die ich mir während unzähligen Stunden angeeignet habe und die ich ständig verbessere, um noch genauer und effizienter arbeiten zu können.

Wie kommst du auf neue Ideen, gibts da ein Ritual oder geschieht das von selbst?
Form- und Oberflächenideen begegnen mir oft plötzlich – in der Stadt, in der Natur, irgendwo. Sei es die spezielle Oberfläche eines Baumstamms oder der Grundriss eines Gebäudes, ich schreib die Idee auf oder fotografiere sie. Zudem ist die Welt der Keramikmacher gross und mit vielen inspirierenden Persönlichkeiten bestückt.



Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?
Ich arbeite in zwei Räumen im Untergeschoss eines alten Bauernhauses und liebe es, wenn man meiner Werkstatt ansieht, dass etwas vor sich geht. Derzeit sind alle Regale vollgepackt mit Geschirr in den verschiedenen Arbeitsphasen: Die frisch gegossenen, die rohgebrannten, die geschliffenen und die glasierten, die auf den finalen Brand warten. Das Öffnen des fertigen Ofens ist stets das Highlight meiner Arbeit. 

Was sind deine nächsten Projektideen?
Nach dem Criterion Festival werde ich mir die Zeit nehmen, meine Serie «Terra» um eine grosse Schale und eine handliche Vase zu erweitern. Ausserdem möchte ich an der nächsten Serie arbeiten und neue Materialien einbeziehen. Im Sommer sind auch ein bis zwei Kurse bei mir in der Werkstatt geplant.

Hast du nebenbei noch einen anderen Job?
Ja. Ich arbeite für ein Design Festival und helfe bei der Organisation mit. Ich mag die Abwechslung zwischen Stadt- und Landleben, zwischen Kopf- und Handarbeit. Mein Ziel ist es trotzdem, irgendwann mal nur von meinem eigenen Schaffen leben zu können.

Hörst du Musik beim Arbeiten und wenn ja, was?
Wenn ich meine gegossenen Stücke nach dem Vorbrand schleife und glasiere, sich dabei stets die gleichen Abläufe wiederholen, welche ich in und auswendig kenne, dann höre ich Hörbücher – derzeit von Frank Schätzing. Wenn ich neues ausprobiere oder an der Töpferscheibe sitze, höre ich ab und zu Musik. Meist bin ich aber auf meine Arbeit fokussiert und möchte keine zusätzliche Ablenkung.

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