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Noch nie so viel Elektroschrott weltweit wie 2017. Dabei geht wertvolles, wiederverwendbares Material für immer verloren.

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29.11.2017

Fotos: 
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«Design im 21. Jahrhundert heisst nicht mehr nur hübsche Formen zu gestalten.»

Kreise retten die Welt

Betrachten wir einmal die Gegenstände um uns herum. Was könnten sie uns erzählen? Woher kommen sie? Wo werden sie produziert? Was haben sie bereits erlebt? Und was wissen wir von ihrer Zukunft? Wo werden sie hingeben? Der Mensch hat sich in seinem Alltag grösstenteils linear eingerichtet. Das heisst, wir nehmen Dinge chronologisch, Schritt für Schritt, eins nach dem anderen, wahr. Und so ist die Welt organisiert. Gestern, heute, morgen. Rohstoff, Produkt, Abfall. Alles linear, alles gerade. Wände, Tische, Fensterscheiben. Alles flach, alles rechteckig. 
Doch entspricht das tatsächlich der Realität? Sollen wir alles linear denken und daraus Konzepte für all unser Tun ableiten? «Der Kopf ist rund, damit das Denken seine Richtung ändern kann» sagte Francis Picabia, der französische Dadaist und stellte anscheinend fest, dass runde Denkweise wohl um einiges flexibler als ein Tunnelblick sein musste. 
Diesen Gedanken weiterverfolgend, bemerkt man, dass ausser Kopf auch alles andere Naturgemachte rund ist. Es existieren weder rechte Winkel noch gerade Linien in Flora und Fauna. Selbst der Erde liegt eine kugelförmige Grundform zugrunde. 

Schema des Cradle-to-Cradle-Prinzips (Wiege-zur-Wiege-Prinzip).

Auch als Konzept betrachtet, scheint der Kreislauf wesentlicher natürlicher zu sein. Aus Samen entstehen Pflanzen, diese wachsen, blühen, produzieren neue Samen, sterben und werden wieder zu Erde und somit Nährstoffen für neue Pflanzen. Wasser fällt als Regen vom Himmel, nährt alles Leben und wird von Meer oder Pflanzen mithilfe der Sonne wieder zurück in den Himmel gedämpft. Geschlossene Kreise überall.

Von der linearen zur Kreislauf-Denkweise.

Der Mensch dachte und wirtschaftete früher ebenfalls viel mehr in Kreisläufen. Als alle noch Bauern und Selbstversorger waren, schien es nur logisch, Gebrauchtes in die Natur zurückzuführen um daraus wieder neue Ressourcen entstehen zu lassen. Doch irgendwie scheinen wir diesen logischen Gedanken während den letzten Jahrhunderten im Grossen sowie im Kleinen verlernt zu haben. Unser Wissen beschränkt sich grösstenteils auf: Das neue Elektronikgerät stammt aus China, wird von uns im Laden gekauft und landet nach Gebrauch im Sondermüll. 
Plastik Adé: In «Unverpackt-Läden» wird direkt ins mitgebrachte Konfi-Glas abgefüllt.

Mit der aufkommenden Erkenntnis, dass in einigen Jahrzehnten oder Jahrhunderten die bislang genutzten nicht erneuerbaren Rohstoffe als Quellen aufgezehrt sein werden, begannen sich ab der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts immer mehr Menschen mit dem Thema auseinanderzusetzen. Der Begriff der Kreislauf-Wirtschaft entstand. Nach dem Vorbild der Natur soll zukünftig in allen Lebensbereichen ein Kreislauf der Ressourcen möglichst ohne unverwertbaren Abfall (Zero Waste) und schädliche Emissionen angestrebt werden. Der Ansatz des Cradle-to-Cradle-Prinzips besagt beispielsweise, dass Produkte aus organischen Stoffen direkt zerlegt ihren Weg zurück in die Natur finden können. Nicht abbaubare Stoffe sollen stattdessen kontinuierlich in einem technischen Kreislauf gehalten werden. Was so viel heisst wie: wiederverwerten, reparieren, transformieren – im Grossen wie auch im Kleinen. 

Zerlegbar: Die Einzelteile der Hosen von F-ABRIC lassen sich in den Kreislauf zurückführen. 

Und was hat das mit Design zu tun? Sind nicht Politik und Wirtschaft dafür verantwortlich, dass die Erde nicht zugrunde geplündert und vermüllt wird? Nein! Denn Design im 21. Jahrhundert heisst nicht mehr nur hübsche Formen und Hüllen zu gestalten. Design heute denkt Herkunft und Gewinnung von Rohstoffen, Produktionsweise, Wiederverwertbarkeit, Schadstoffbelastung sowie soziale Aspekte mit. Produkte gestalten heisst Kreisläufe gestalten. 

Ringana geht neue Wege: Ohne Konservierungsstoffe und mit Verpackungsrücknahmesystem. 

Dass das nicht nur als Konzept funktioniert, beweisen vermehrt grosse und kleine Visionäre, die beginnen, ihre Produkte in Kreisläufen zu gestalten. Die bekanntesten Designer von Recycling-Taschen etwa haben mit ihrem Modelabel F-ABRIC Kleidung im Angebot, welche nach Gebrauch direkt via Kompost in einen organischen Kreislauf zurückgeführt werden kann. Die Faser der Textilien stammen ausserdem aus möglichst nahem Umfeld der Verarbeitungsstätte – eine emissionsreiche Reise um die Welt wird also ebenfalls vermieden. 
Auch in der grossen und von Schadstoffen belasteten Kosmetikindustrie ist es möglich, neue Wege zu gehen. Dies zeigen uns die Macher von Ringana Frischekosmetik. Diese produzieren ohne unnatürliche Konservierungsstoffe, was nur eine Produktion auf Bestellung möglich macht und damit Überschuss und Abfälle vermeidet. 

Den ganzen Materialkreislauf im Blick: fin verwendet ausschliesslich Leder von Tieren aus der Schweiz. 

Auf einen natürlichen (und somit rückführbaren) Rohstoff setzen die Gestalterinnen von fin projects. Sie dachten und gestalteten die gesamte Wertschöpfungskette ihrer Lederprodukte mit. Das Leder stammt aus artgerechter, Schweizer Tierhaltung, die Produktion erfolgt von Hand in kleinen Manufakturen im nahen Italien.
Ein anderes Vorgehen ist also möglich. Es existiert sogar schon. Und Stück für Stück ergeben viele kleine Kreise zusammen wieder einen grossen Kreislauf.


Mehr Spannendes zum Thema:
-Mehr zur Cradle-to-Cradle-Denkweise
-Ringana Frischekosmetik
-Kompostierbare Kleidung F-ABRIC von Freitag
-Lederprodukte von fin projects

Buchtipps:
«Cradle-to-Cradle» von Michael Braungart und William McDonough. Piper. 2014.
«Routledge Handbook of Sustainable Product Design» von Jonathan Chapman. Routledge. 2017.
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