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FIT & WELL

07.08.2018

«DIE MAGIE BESTEHT IN DER HANDARBEIT»

Naturkosmetik nach überlieferten Rezepten

Aus den Geheimnissen einheimischer Kräuter zaubert Martina Rocco Salben und Cremes – alles in Handarbeit. Und alles nach überlieferten Rezepten, mit denen schon ihre Grossmutter natürliche Heilmittel angerührt hatte, als Martina noch ein Kind war. Doch während Heilzwecke in früheren Zeiten der Kräuterkunde im Vordergrund standen, ist es bei Kräuterzauber heute die sanfte Naturkosmetik.

Wen verzauberst du momentan?
Ich verzaubere vor allem Menschen, die weg von der Chemie und hin zur Natur wollen. Meine Produkte sind alle rein natürlich, viele davon vegan und basisch.
Neben den Kunden, die in meinen kleinen Atelierladen kommen, kaufen die Leute Kräuterzauber-Produkte an den Märkten, der Authentica, am Ökomarkt St. Gallen, online oder via Marktschwärmereien (www.marktschwaermer.ch) oder auch lokal über die Guardians (www.guardianstrogen.ch).

Du zauberst alleine, richtig? Kannst du dich kurz vorstellen und uns ein Bild von dir senden?
Ja, ich zaubere alleine und alles von Hand. Ich nutze keine grossen Maschinen oder so. Ich bin 46 Jahre alt und komme ursprünglich aus Österreich. Meine Grossmutter hat schon immer natürliche Hausmittel verwendet, wenn wir krank waren. Als ich 1991 in die Schweiz kam, hatte ich einen kleinen Garten, jedoch mehr für Gemüse, also Selbstversorgung. 2005 verschlug es mich ins wunderschöne Appenzellerland. Die beiden Halbkantone strotzen nur so vor Fruchtbarkeit, und die Leute hier legen viel Wert auf Naturheilkunde. Man bezahlt die tiefsten Krankenkassenprämien, weil man sich die Heilkräfte der Natur zunutze macht.
So besuchte ich schon bald den Schaugarten von A.Vogel, der nur einen Steinwurf von meinem neuen Zuhause war, und machte dort den ersten Kräuterkurs, wo man auch Tinkturen herstellte. Ich war fasziniert. Schon bald besuchte ich einen Salbengrundkurs in Pfyn und produzierte danach 3-4 Produkte für meine Arbeitskolleginnen. Als dann plötzlich die Nachfrage nach diesen fein duftenden Wellness-Produkten kam, begann ich mal mit 10 Produkten wie Duschgel, Badeöl, Gesichtscreme, Lippenpomaden und Handcreme. Ich besuchte die ersten Koffermärkte, die damals sehr gefragt waren und war erstaunt, wie die Besucher an meinen frischen Produkten Gefallen fanden. Es duftete überall nach feinen Kräutern, die Leute wurden praktisch magisch angezogen. Das war der Startschuss für meine neue Kräuterzauber-Karriere.
Die Produktpalette wuchs und die Anzahl der Märkte auch. 2014/2015 besuchte ich dann die Kräuterakademie in Salez und schloss meine Diplomarbeit mit der Hausapotheke aus der Natur ab. Seit Juli 2015 bin ich also offizielle Kräuterhexe.


Dein Label Kräuterzauber verspricht Magie. Wo lässt sich diese in deinen Produkten finden?
Die Magie besteht in der Handarbeit. Wer stellt heute schon über 100 verschiedene Produkte in Handarbeit her. Wir machen vom Anbau der Demeter Pflanzen bis hin zu den Öl- und Tinktur-Auszügen alles selbst und von Hand. Wir halten uns dabei auch an die Permakultur-Regeln. Es gibt nur so viel, wie der Boden her gibt. Ohne grosses Düngen, ohne Vollgas-Bewirtschaftung. Die Produkte werden dann aus den Auszügen, die wir herstellen, zusammen mit einigen Rohstoffen aus der Drogerie zu feinen Naturkosmetik-Produkten verwandelt.

Und rein wissenschaftlich gesehen, wie unterscheiden sich deine von herkömmlichen Produkten?
Der grösste Unterschied liegt in der Handarbeit, dem Eigenanbau und in der Einfachheit der Rezepte. Ich versuche, so wenige Komponenten wie möglich und so viele wie nötig in ein Rezept zu nehmen. Konserviert wird mit natürlichen Mitteln wie Vitamin E, ätherischen Ölen oder je nachdem mit Alkohol oder pflanzlichem Glycerin.

Du bietest auch individuelle Produkte an. Wie funktioniert das?
Ja, das mache ich, und es wird auch sehr viel genutzt. Manche Leute kommen an die Märkte oder Messen und erklären oder zeigen mir ihre Hautprobleme. Anhand meiner Kräuter im Garten produziere ich dann ein Produkt, welches auf die Symptome der jeweiligen Person zugeschnitten ist. Zum Teil klappt dies auch nur mit Fotos und einem kurzen Telefonat. Erstaunlicherweise höre ich immer wieder, dass gewisse Personen sogar beim Hautarzt nicht mehr weiter kommen, aber die pflanzlichen Hilfsmittel funktionieren. Vermutlich liegt es an der Einfachheit, dass man das Urprodukt wieder nutzt.


Wie hat das mit Kräuterzauber begonnen?
Begonnen habe ich schon vor über 10 Jahren. Zuerst mehr hobbymässig. Seit 3 Jahren ist es nun aber mehr geworden. Wir sind richtig gewachsen. Von den Koffermärkten zu den grossen Märkten wie Ökomarkt und seit 3 Jahren auch als Mitglied der Authentica-Bewegung. Ich werde viel weiter empfohlen, was dann automatisch wieder Neukunden generiert. 

Wieso hast du dich selbstständig gemacht?
Damit ich das machen kann, was mir am Herzen liegt. Ich kann meine eigenen Ideen verwirklichen und habe Zeit, langsam aber nachhaltig zu wachsen. Ich habe bis letztes Jahr noch Teilzeit auswärts gearbeitet. Dies zehrt jedoch an der Substanz und man hat keine bis wenig Energie für das eigene Geschäft. Daher habe ich mich entschlossen, zu 100% selbstständig zu sein. Ohne Bank und ohne Investoren im Hintergrund, die einen pushen. Lieber weniger im Portemonnaie aber gesund und zufrieden.

«Lokal und ökologisch» – ein Trend oder ein Paradigmenwechsel?
Ich glaube ein Paradigmenwechsel. Den Menschen wird langsam klar, dass es nicht mehr wie bisher weitergehen kann. Bei uns auf dem Land ist es schon klar spürbar. Die Kunden wollen das Gesicht zum Produkt sehen. Viele kommen auch vorbei und laufen im Sommer durch den blühenden Garten. Es ist ihnen wichtig, zu sehen, woher die Rohstoffe kommen. Ich selber kaufe meine Rohstoffe nur in der Schweiz ein. Ich will ja schliesslich auch hier verkaufen. Unter Bekannten sind wir schon so weit, dass wir tauschen statt verkaufen – finde ich sehr spannend und immer bereichernd.

Kannst du uns ein Bild und ein paar Worte zu deinem Arbeitsplatz senden?
Ich sende euch Fotos vom Garten, der Ernte und dem Trocknen der Kräuter sowie mein Atelier mit Laden. Wie haben einen 150m2 Heilpflanzengarten. Hier bauen wir fast alles an, was wir brauchen. Einige Pflanzen holen wir auf der Alp, dort sind die Wirkstoffe noch konzentrierter. Wir haben ein schmuckes Appenzeller Bauernhaus mit Umschwung. In der kleinen Wohnung im oberen Stock ist das Atelier, die Salbenküche und das Verkaufslädeli.

Wie entstehen deine Mixturen? Gibt es ein Ritual?
Ich arbeite mit einfachen und auch alten Rezepten, die ich leicht verbessert oder auf die heutigen Lebensumstände angepasst habe. Ich produziere in kleinen Mengen, da ich alles von Hand mache. Wenn also jemand 10 Stück von der gleichem Creme bestellt, sind dies bei mir 3 Produktionen. Ganz wichtig ist, dass ich mir alle Zutaten wie beim Backen aufstelle: der Reihe nach, wie sie in die Mixtur kommen.
Das wichtigste bei der manuellen Produktion ist jedoch die Verfassung der Herstellerin, also mir. Geht es mir nicht gut oder bin ich gestresst, muss ich es sein lassen. Das war vor einigen Jahren eine seltsame Erfahrung für mich. Musste man doch im Angestelltenverhältnis arbeiten, bis alles erledigt war, egal ob man fit war oder nicht.
Ich wollte nach einem 10stündigen Markt noch schnell Cremes herstellen, welche eine Dame für den nächsten Tag bestellt hatte. Ich wollte also um 11 Uhr abends diese noch schnell mixen. So holte ich mein Rezept raus, wog alle Zutaten und begann mit der Produktion. Doch beim Zusammenführen der Fette und Flüssigkeiten wollte die Creme einfach nicht emulgieren. Ich nahm einen zweiten Anlauf – und wieder das gleiche Desaster. Also ging ich schlafen und probierte es am nächsten Morgen um 6 Uhr früh erneut.................dasselbe Desaster.
So teilte ich der Dame am Stand mit, dass es leider nicht klappte und liess den Markt vorübergehen. 1 Tag Erholungspause und ein erneuter Versuch und siehe da.............alles perfekt.


Was kommen denn so für Pflanzen in deine Kosmetika?
Ich nutze sehr viel Lavendel und Ringelblumen, Melisse, Malven, Lindenblüten, Rosen, Ecchinacea, Königskerzen, Spitzwegerich, Rotklee, Thymian, Kornblumen,
Die Liste ist lang.

Gibt es auch etwas für Männer?
Für Männer brauche ich vor allem den Rasierseifenschaum, die Karotten-Hand/Fusscreme, die Ringelblumencreme, die Zahnpasta und ganz selten eine Gesichtscreme.

Welche fünf Kräuter sollte man immer in der Hausapotheke haben? Und wieso?
Arnika – als Entzündungshemmer, bei Prellungen und muskulären Problemen
Ringelblume – für Schürfungen, blaue Flecken, Risse und Sprünge in der Haut
Johanniskraut – als Hautpflegemittel, Schmerzlinderung, Entzündungshemmer
Löwenzahn – für Stoffwechsel und Magenprobeleme, Leber-, Galle-, Nierenmittel
Kamille – antiseptisch, schmerzlindern und beruhigend, auch für den Magen

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