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LIVE & WEAR

14.08.2018

«AN DER VERARBEITUNG DER DETAILS SIEHT MAN DEN UNTERSCHIED SOFORT»

Echte Feintäschnerei aus Italien

100 % Made in Italy ist bei Taschen heute seltener, als man glauben möchte. Bei Laura von Hagens Label Lahara stimmt diese Angabe jedoch durch und durch: Das für ihre Taschen verwendete, pflanzlich gegerbte Leder stammt aus Italien, und auch die gesamte Produktion findet in einem spezialisierten Handwerksbetrieb in Italien statt. Modernes, zeitloses Design mit funktionalem Charakter steht bei Lahara im Vordergrund – damit aus allen Taschen echte Lieblingsstücke werden, die man nicht schon nach einer Saison wieder aussortiert.

Leert mal eure Taschen auf den Tisch. Was sehen wir da alles so?
Alles, was man zum Überleben braucht. Von den Essentials wie Schlüssel, Geldbeutel und Telefon mal abgesehen, trage ich immer ein Notizheft, Zeichenstifte, ein Taschenbuch oder eine Zeitschrift, Kosmetik und Medizin für den Notfall mit mir herum. Auch ist der Laptop gerne im Alltag mit dabei. Sonnenbrille und eine Flasche Wasser dürfen im Sommer auch nicht fehlen.

Was kommt bei euch niemals in die Tasche?
Minimalismus.

Und was darf auf keinen Fall fehlen?
Ganz klar mein Notizheft und das Telefon, da hinein kommen Inspirationen, Skizzen, Ideen und Infos.

Natürlich ist es eine Lahara Tasche, oder? Woher kommt denn der Name?
Na klar, am meisten trage ich die Sorrento-Tote, den Shopper, in den alles hineinpasst, selbst der Computer hat sein eigenes Fach. Der Name ist eine Wortschöpfung meiner Familiennamen. Er ist persönlich und doch ein wenig geheimnisvoll. Das gefällt mir.


Und wofür steht Lahara? Könnt ihr uns in ein zwei Sätzen erklären um was es bei euch geht?
LAHARA steht für höchste Qualität basierend auf transparenten Fabrikationsprozessen und traditioneller italienischer Handwerkskunst, die wir neu aufleben lassen. Dank modernem, zeitlosen Design – wobei wir die Funktion und Tragbarkeit in den Vordergrund stellen – kreieren wir lebenslange Begleiter, die im Winter wie im Sommer mit ihren lebendigen Farben Freude bereiten.



Wer hatte die Idee dazu?
Die Idee, ein transparentes und hochwertiges Taschenlabel zu entwickeln, kam mir während langer und erfolgloser Suche nach eleganten Taschen im Premium-und Luxussegment, die mich in der Verarbeitung, Preis und Transparenz überzeugten.

Wer gehört zum Kernteam?
Momentan ist LAHARA eine One-Woman-Show. Ich arbeite allerdings eng zusammen mit meinem “Partner in Crime and in Life”, der mir als Fotograf, Videomaker, Webmaster, Grafiker und Set Designer zur Seite steht. Die Feintäschner gehören ganz klar ebenso zum Kernteam, denn ohne sie gäbe es LAHARA nicht. Auch sind Familie und Freunde als Berater und Helfer wichtiger Teil von LAHARA.


Außerdemarbeiten drei wunderbare Experten bei euch, richtig?
Ja genau, in Mailand hat alles mit Massimo, Pino und Valter begonnen. Wir haben Wochen und Monate an den Prototypen verbracht, ich habe in dieser Zeit unglaublich viel gelernt. Seit diesem Frühjahr arbeite ich nun auch mit einem kleinen Familienbetrieb in der Toskana, den die Geschwister Matteo und Caterina mit einem Team von 6 Leuten führen. Mir ist es sehr wichtig, die Arbeit und Spezialisierung jedes einzelnen zu kennen und wertschätzen zu können. So ist zum Beispiel Massimo ein Meister des Sattlerstiches.

Ihr legt offensichtlich Wert auf Tradition und Qualität. Wie erkenne ich diese dann als Laie?
An der Verarbeitung der Details sieht man den Unterschied sofort. Alle unsere Taschen werden mit Handstichen verstärkt, das sieht nicht nur schön aus, sondern gibt der Tasche zusätzlichen Halt. Alle Kanten sind von Hand bemalt und die Verarbeitung der Inneneinteilung ist bis ins letzte Detail aufwendig gestaltet. Die Qualität des pflanzlich gegerbten Leders erkennt man sofort beim Anfassen und außerdem riecht es wunderbar. Hier sind es gerade die kleinen Unvollkommenheiten, die seine Qualität und Natürlichkeit zum Ausdruck bringen. Meist sind nämlich die perfekt aussehenden, uniform glänzenden Lederhäute entsprechend beschichtet und von mittlerer Qualität. Wir schneiden die Lederhäute per Hand und nicht etwa per Laser, um die besten Stücke aus einer Haut zu erhalten und den Abfall zu reduzieren. Das braucht Zeit und gute Lederkenntnisse.


Wieso ist es euch wichtig nach diesen Prinzipen zu arbeiten?Eine Tasche soll Freude bereiten, beim ersten Anfassen und noch nach vielen Jahren. Eine langsame, liebevolle Verarbeitung ist die beste Garantie dafür. Ich bin gegen die Entwicklung der schnelllebigen Mode, die alles darauf auslegt möglichst viel Konsum zu erzielen mit ständig wechselnden Trends: günstig, schlecht verarbeitet, aussortiert nach kürzester Zeit. Wir verlieren aufgrund dieser Entwicklung das Know-how / Savoir-faire des fantastischen Handwerks im Leder- und Textilbereich. Ich möchte Qualität wieder in den Mittelpunkt des Produkts rücken, kleine Handwerksbetriebe unterstützen und lokal produzieren. Alle Materialien kommen übrigens auch aus Italien.

Wann habt ihr euch gesagt, dass ihr eure Idee umsetzen wollt? Gab es einen entscheidenden Impuls?
Einen konkreten Auslöser gab es nicht, es handelt sich eher um eine Ansammlung von Desastern und Realitäten, die mir zu denken gaben: Das Rana Plaza Desaster 2013, Filme wie The True Cost, Tomorrow/Demain und als letzter Impuls die Dokumentationsserie Falò auf RSI, die italienische Luxusmarken mit Tessiner Sitz unter die Lupe nimmt.

Was ist schwierig, wenn es darum geht, lokal und nachhaltig zu produzieren?
Es brauchte viel Zeit, die richtigen Partner zu finden, die mich überzeugten. Wenn man in Europa produziert, muss man mit hohen Kosten rechnen, die sich dementsprechend auf den Preis auswirken. Zum Glück ist allerdings auch der Qualitätsstandard in Europa sehr hoch und Italien noch immer einer der besten Standorte für feinste Lederverarbeitung. Leider hat sich durch die Globalisierung ein allgemeines Phänomen breitgemacht, immer günstiger und schneller zu produzieren, und den Schein zu wahren, man kaufe Qualität. So haben in den letzten 20 Jahren immer mehr chinesische und außereuropäische Textil- und Lederverarbeitungsfirmen in Italien eröffnet, die günstig, schnell und unter fragwürdigen Arbeitsbedingungen produzieren und den Wirtschaftswettbewerb für italienische Betriebe fast unmöglich machen. Somit ist heute fast die ganze Produktion in ausländischer Hand, einzig die Entwicklung der Prototypen wird noch von Italienischen Betrieben unternommen, die dann die Verarbeitung an Drittfirmen abgeben. Bei LAHARA wird alles intern gehandhabt, von der Entwicklung bis zur letzten Verarbeitung ist die Produktionskette 100% Made in Italy.


Und hat es sich für euch gelohnt? An welchem Punkt steht ihr jetzt
Von Anfang an haben wir viel positive Resonanz erhalten. Die aufwändige Verarbeitung und die unüblichen Details im Design fallen vor allem anderen ins Auge. Ich bin sehr froh über den positiven Start. Dieses Jahr arbeite ich am Ausbau der Marke im Einzelhandel, sodass die Kunden unsere Taschen testen und anprobieren können. Auch entwickle ich den Personalisierungs-Service, den ich vermehrt anbieten möchte. Schon heute kann auf Anfrage eine Tasche individuell verarbeitet werden, mit z.B. der Prägung der Initialen oder einer speziellen Farbkombination.

Wie sieht denn euer Arbeitsplatz aus?Könnt ihr uns ein Bild davon senden und vielleicht erzählen an was ihr grad dran seid?
Der Arbeitsplatz ist heute Café, morgen mein Atelier, übermorgen das Ufer des Genfer Sees oder des Mittelmeers in Ligurien, Toskana oder Südfrankreich. Ich bin viel unterwegs und trage meinen Schreibtisch, wenn ich nicht gerade an der neuen Kollektion zeichne, in meiner Handtasche durch Europa. Momentan ist das Atelier noch im Aufbau und gerne hätte ich eines Tages einen Showroom und Atelier in einem.

Kann man Taschen überhaupt noch gross neu erfinden? 
Im Gegensatz zu Schuhen sind Taschen ein wunderbares Accessoire, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen, da sie nicht an feste Regeln wie z.B. den menschlichen Fuss gebunden sind. Es gibt sehr viele Taschen auf dem Markt, darunter aber auch sehr viele unpraktische Taschen. Mir macht genau diese Herausforderung, Funktion und Design zu vereinen, ohne dass es morgen wieder aus der Mode (out of fashion) ist, so viel Spass.

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Also beschlossen sie, ihn selbst herzustellen. Sie experimentierten mit Mischungen, die Nachfrage wuchs, und mittlerweile ist aus ihrer persönlichen Vorliebe ein kleines Unternehmen geworden. Selbstverständlich stammen Tee und Gewürze aus fairem und nachhaltigem Anbau. Und um nicht maschinell produzieren zu müssen, betreiben die beiden zum Mahlen und Mörsern ihrer Gewürze eine Velomühle.

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Ermöglicht wird die Flexibilität durch ein eigentlich ganz simples, aber doch geniales Verbindungssystem: verchromte Stahlkugeln und Spannseile. Produziert wird Xilobis vollständig in der Schweiz.

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Weil man ohne Taschen letztlich nicht auskommen kann

Atelier S&R ist eine Designplattform, auf der sie weiterhin Taschen nach eigenem Design entwerfen, ihren Kundinnen aber auch eine ausgesuchte Kollektion anderer Labels bieten, die zu ihren eigenen Entwürfen passen. Dass beide eigentlich aus ganz anderen professionellen Kontexten stammen, erweist sich dabei keineswegs als Hindernis – ganz im Gegenteil.