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COOK & SHARE

26.03.2019

«Nach einem Jahr hatten wir dann den veganen Biber entwickelt, der weniger süss und etwas zitroniger ist.»

Lebküchler und Modelschnitzer

Als Claudio Leibacher im Appenzell – der Heimat seiner Vorfahren– auf alte Biber Modele stiess, ahnte er noch nicht was folgen sollte. Denn dieses Werkzeug und Zeugnis alter Handwerkskunst liess ihn nicht mehr los. Mit seiner Begeisterung konnte der Geschichtsstudent seinen Bruder Silvan, der damals noch Wirtschaft studierte, überzeugen ins Bibergeschäft einzusteigen. Et voilà. Als hätte es sie schon immer gegeben: die Leibacher Biber-Manufaktur.

Was ist die Leibacher Biber-Manufaktur?
In der Leibacher Biber-Manufaktur lassen wir durch unsere sorgfältig hergestellten Biber- & Läckerli-Spezialitäten zwei uralte und beinahe ausgestorbene Schweizer Handwerke wiederaufleben: Jenes des Modelschnitzers und das des Lebküchlers. Als einziger Betrieb schnitzen wir die Holzmodele für unsere Sujets selbst und von Hand. Unsere Rohstoffe suchen wir sehr sorgfältig aus und verzichten auf jegliche Art von künstlichen Konservierungs- und Zusatzstoffen.

Wie seid ihr zu Biber gekommen, wer hatte die Idee dazu?
Bereits von Kindesbeinen an schaute Claudio unserer Mutter interessiert beim Backen zu und legte später selbst Hand an, wenn der Sonntagszopf gebacken wurde. Auch zum Appenzellerland – der Ursprungsstätte der Biber – pflegten wir immer eine intensive Beziehung, war doch unser Gaiser Grossonkel bereits Bäcker-Konditor. Während dem Geschichtsstudium an der Universität Zürich entdeckte Claudio die dekorativen antiken Bibermodele und etwas später auch seine Passion fürs Backen wieder. So entstand die Faszination für den Biber, das würzige Honiggebäck mit feiner Mandelfüllung und schönem Modelbild.

Woher kommt der Name Leibacher?
Leibacher stammt vom Flurnamen Lehmbach oder im Dialekt Leibach. Mit «Backen» hat der Name also nichts zu tun.


Wie sah der erste Schritt zur Verwirklichung der Idee aus?
Claudio wollte zuerst kein Geschäft gründen, sondern einfach als Hobby gute Biber machen. Nachdem klar wurde, dass man für einen optimalen Teig eine Steinwalze braucht, welche einige tausend Franken kostet, war noch klarer, dass man fürs Amortisieren dieser Maschine dann doch einige Biber verkaufen sollte. Ich, dazumal mitten im Wirtschaftsstudium, nahm mich mit frischen Ideen und viel Charme der Herausforderung an, wie das Produkt zu möglichen Biber-Liebhabern gelangen sollte. Es folgte unsere moderne Geschenkschachtel, eine Webseite und ein Vertriebskonzept mit ersten Verkaufspartnern. Dass die Biber aber so gut ankommen würden, hatten wir selbst nicht erwartet. Da wir sehr unterschiedliche Fähigkeiten und Interessen haben, merkten wir bald, dass wir uns gut ergänzen. Die Idee mit dem Schnitzen entstand dann daraus, dass wir auf unsere Region angepasste Motive brauchten. Da wir in unserer Sammlung vor allem St. Galler oder Appenzeller-Motive hatten, wollte Claudio bei Guido Neff, einem Appenzeller Holzbildhauer, die Grundlagen des Modelschnitzens lernen und schnitzte Zürcher Motive wie den Zürileu oder das Grossmünster.

Wer gehört heute zum Kernteam?
Das sind Claudio und Silvan sowie unsere Bäcker in der Produktion, unser Verpackungsteam sowie Verkauf und Administration im Büro. Vor allem vor Ostern und vor Weihnachten haben wir aber zusätzliche Hilfe, ohne die die Bestellungen für Firmengeschenke gar nicht zu bewältigen wäre.

Wieso braucht die Welt eure Produkte?
Durch das Pflegen der Handwerkskunst und eine sorgfältige Auswahl von hochwertigen Rohstoffen möchten wir einen Beitrag zu guten und nachhaltigen Lebensmitteln leisten. So verwenden wir regionales Bio-Dinkelmehl und edlen Oberländer Waldhonig. Wir verwenden keine künstlichen Konservierungsmittel oder Zusatzstoffe und schälen unsere Mandeln direkt für die Zubereitung der Füllung.

Claudo Leibacher beim Schnitzen eines Models.

Silvan und Claudio Leibacher

Wie wählt ihr die Sujets und Formen aus?
Für das Sortiment bei unseren Verkaufspartnern wie Globus, Schwarzenbach oder den Bio-Fachgeschäften fokussieren uns auf saisonale Motive oder Sujets mit einem Bezug zur Region, welche Claudio selbst schnitzt. Claudio hat letztes Jahr rund 100 Motive geschnitzt. Die meisten davon sind individuelle Aufträge, z.B. für Hochzeiten, Jubiläen, Geburtstage oder auch Firmenlogos für Mitarbeiter- oder Kundengeschenke. Gerade Firmen schätzen, dass sie mit einem qualitativ hochwertigen, nachhaltigen Geschenk bei Kunden punkten können. Und zum Glück ist die Zeit der Wegwerf-Gadgets definitiv vorbei.

Welche Tools, Arbeitsweise nimmt euch die meiste Arbeit ab?
Ein regelmässiger Austausch zwischen uns in wöchentlichen Sitzungen und die Wochenplanung im Team, wo die kommende Woche sowie neue Ideen oder Probleme diskutiert werden, hilft der Koordination sehr. Dazu machen wir jedes Quartal einen einseitigen Geschäftsplan damit wir ein gemeinsames Verständnis haben, wo die Prioritäten liegen sollen.

Wie kommt ihr auf neue Ideen, gibts da ein Ritual oder geschieht das von selbst?
Unsere Ideen entstehen meistens aus Anfragen von Kunden, Freunden oder Familie. So begannen z.B. vor sechs Jahren Kollegen von mir sich vegan zu ernähren. Ohne Biberli hätte ihnen jedoch etwas gefehlt. Da es keine Alternativen gab, entschieden wir uns mit einigen Tests zu starten. Nach einem Jahr hatten wir dann den veganen Biber entwickelt, der weniger süss und etwas zitroniger ist. Sein toller Geschmack begeistert bis heute auch Non-Veganer.

Wie sieht euer Arbeitsplatz aus?
Am Anfang haben wir im Keller unseres Elternhauses produziert. Vor zwei Jahren haben wir eine alte Poststelle übernommen und in eine Produktion umgewandelt. Wir bewegen uns aktuell also immer vor oder hinter dem alten Postschalter, der unsere Produktion vom Büro trennt.

Habt ihr nebenbei noch andere Jobs?
Claudio arbeitet Vollzeit in der Biber-Manufaktur und macht ab und zu Projekte im geschichtlichen Bereich. Ich berate daneben auf Auftragsbasis Firmen im Bereich digitale Transformation und Strategie.

Was sind eure nächsten Projekte?
Nachdem unser neues veganes, glutenfreies Bio-Baumnuss-Läckerli so gut angekommen ist, arbeiten wir an einer neuen Sorte Läckerli mit Schokolade. Zusätzlich haben wir ab April die Möglichkeit, unsere Produkte für zwei Wochen im Rahmen des Pop-up-Projekts Smart Emma der SBB im Zürcher Hauptbahnhof zu präsentieren. Auch den Adventskalender, welchen wir im letzten Jahr zusammen mit La Flor realisiert haben, möchten wir nach den vielen positiven Rückmeldungen wieder umsetzen. Zusätzlich werden wir auch vermehrt Biber-Backkurse anbieten, da wir immer wieder Anfragen dazu bekommen.

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