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LIVE & WEAR

08.01.2018

«WEBEN IST EINE MEDITATIVE UND RUHIGE TÄTIGKEIT. WÜRDEN MEHR LEUTE HANDGEWOBENE TEPPICHE KAUFEN, WÄRE DIE WELT FRIEDLICHER.»

Meditation am Webstuhl

Irgendwann hat die gelernte Textilingenieurin Anna Saarinen entschieden, ihren Job an den Nagel zu hängen und sich ihrer Leidenschaft zu widmen. Seither führt sie ihre finnische Familientradition an einem Webstuhl in der Zürcher Altstadt fort. Die Entwürfe von Annas Teppichen begeistern und ihre Faszination fürs Material und den erfrischend langsamen Herstellungsprozess kann man den Einzelstücken ansehen.
Wir haben einen Blick ins Schaufenster am Neumarkt geworfen und uns mit Anna übers Weben und ihre Arbeit unterhalten.

Was ist «Anna Saarinen»?
Traditionelle, Finnische Handwerkskunst aus der Schweiz. Exklusiv, nachhaltig, authentisch. Jeder Teppich ist ein Unikat und wird entweder in der Zürcher Altstadt oder (die breiteren Modelle) in Finnland hergestellt. Das Markenzeichen von Anna Saarinen sind aber sicher die auffälligen Farben. Zudem bestehen alle Teppiche aus Recyclingmaterial – meist Baumwolle.

Was nicht?
Massenware, Standardgrössen, unklare Herkunft.

Wie Bist du aufs Weben gekommen?
Meine Mutter war Weblehrerin. Wir besassen einen Webstuhl zuhause und meine Mutter hat viel gewoben.  Ich wurde Textil Ingenieur. Farben und Textilien begleiten mich schon ein Leben lang.

Wieso hast du dich entschieden, dich selbstständig zu machen?
Ich wollte nicht mehr fremdbestimmt arbeiten, sondern selber entscheiden, was ich tun will – nämlich etwas Sinnvolles und Kreatives. Auch ein Bezug zu Finnland schien mir wichtig. Dass ich somit aufs Weben kam, ist aufgrund meines privaten und beruflichen Hintergrunds leicht nachzuvollziehen.

Mit finnischem Einschlag: Das Weben hat in Anna Saarinens Familie Tradition . 

Ab wann und warum wusstest du, dass deine Idee funktionieren könnte?
Ich merkte, dass farbige, handgemachte Baumwollteppiche nach Mass in der Schweiz ein Nischenprodukt sind. Ich stiess sofort auf positive Rückmeldungen und bin so stetig gewachsen. Natürlich führe ich immer noch ein kleines Unternehmen, aber an meiner Idee habe ich nie gezweifelt und auch nie die Freude daran verloren. Ich habe unheimlich viele nette Leute kennengelernt und bereute meine Entscheidung nie.

Verrate uns bitte, wie man auf gute Ideen kommt. 
Meine Ideen kommen von überall: Natur, Kunstausstellungen aber auch vom täglichen Leben auf der Strasse. Ich habe einmal für eine Kundin einen Teppich für die Küche gewoben wofür die Inspiration von einem grossen Bild an der Wand kam. Oder die Idee für den «Arkki Teppich» kam von einer Frau auf der Strasse, die einen gestreiften Pullover über ihrem Kleid auf den Schultern trug.

Was nimmt dir die meiste Arbeit ab?
In einem Einfrau-Betrieb, muss frau vieles selbst erledigen. Viel Zeit braucht die Kommunikation, Verkauf, Beratung. Leider komme ich nicht mehr jeden Tag zum Weben.

Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?
Zwei Webstühle, viele Teppiche und ein Computer. Es ist also ein Atelier, Shop und Büro in einem.


Gab es Rückschläge?
Ab und zu einmal – aber nichts Grosses. Ausser heute ist mein Computer bei einem System Update abgestürzt und ich habe dabei viele Daten verloren. 

Wie entwickelst du deine Entwürfe?
Ich bestelle die Materialien, webe erste Prototypen und definiere so Farben und Muster. Anregungen bekomme ich von meinen Weberinnen und Kunden. Ideen gibt es viele, aber nur zwei Hände. Aber zum Glück habe ich Weberinnen, die die Bestellungen von Kunden weben.

Wieso braucht die Welt handgefertigte Teppiche?
Weil die schöner sind. Sie sind etwas lebendiger, nicht so geradlinig wie die maschinell hergestellten Teppiche. Man sagt, dass eine Weberin ihre Seele hineinwebt. Ich finde, dass man dies den handgewobenen Teppichen sofort ansieht. Weben ist meditativ und friedlich. Wenn mehr Leute handgewobene Teppiche kaufen würden, wäre die Welt friedlicher…

Was macht ein guter Teppich aus?
Ein Teppich muss in den Raum passen. Grösse, Farbe und Muster bestimmt die Umgebung, wo der Teppich platziert wird. Ein Teppich kann mit dem Raum verschmelzen oder zum Beispiel die Funktion einer Insel haben – Tische und Stühle zusammenbringen. In der Küche kann er auch Parkett vor Wasser schützen. Auf jeden Fall setzt ein Teppich immer einen Akzent.

Definieren den Raum: Teppiche schaffen gemütliche Inseln.

Was muss man bei dir im Kreis 1 unbedingt erleben?
Die Altstadtgassen rund um den Neumarkt mit den vielen kleinen Geschäften und Kaffees. Im Sommer ist die Gartenwirtschaft Neumarkt ein guter Tipp – nach dem Essen sieht man durch das Fenster wie ich in meinem Laden am Weben bin. Viele sind überrascht, dass es noch einen Webstuhl in der Altstadt gibt. Einen Schluck Brunnenwasser bei einem der vielen Brunnen im Niederdorf empfehle ich auch allen. Das Quellwasser schmeckt so gut!

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