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PLAY & CREATE

10.01.2018

«FÜR DIE FREUDE AN DER ARBEIT VERZICHTE ICH LIEBER AUF MEHR UMSATZ.»

Trendy Messer aus Grossmutters Zeiten

Seit über 170 Jahren und fünf Generationen werden in der Messerschmiede Klötzli in Burgdorf qualitative Messer entwickelt, hergestellt und verkauft. Wer etwas von Schweizer Traditionshandwerk versteht, kennt Klötzli. Und wer seinem Grosi beim Apfelschneiden zuschauen konnte. Im Zuge der Rückbesinnung vieler Konsumenten auf lokale Produktion und Qualitätswaren haben die Messer aus dem Emmental auch Einzug in die Auslage von hippen Concept Stores gefunden. Dass solidem Handwerk eine grosse Zukunft bevorsteht, findet nämlich auch die sechste Generation Klötzli. Im Gespräch erzählen uns Nina und Samuel Klötzli von ihrem Einstieg ins Familiengeschäft und was sie tun, wenn sie der Mut verlässt.

Was macht Klötzli genau?
Samuel Klötzli: Herstellung und Handel mit Stahlwaren, Messer und Scheren aller Art, sowie Reparaturen und Schleifarbeiten.

Was macht Klötzli genau nicht?
S: Billige Massenware herstellen oder verkaufen.

Wieso braucht die Welt Klötzli?
S: Wir versuchen unserer Kundschaft möglichst nützliche Werkzeuge zu bieten, welche die Arbeit im Alltag erleichtern.
Nina Klötzli: Weil wir dank unserem Fachwissen und unserer Erfahrung den Kunden jene Beratung bieten können, damit sie das richtige Werkzeug für sich finden können. Dafür steht der Name Klötzli – darauf vertrauen unsere Kunden.

Die 6. Generation: Nina und Samuel Klötzli.

Was macht Klötzli, was fast niemand macht?
S: Fachmännische Reparaturarbeiten und Schleifarbeiten an jeglichen Messern und Scheren. Wir machen ebenfalls Spezialanfertigungen für die Industrie. z.B. Käsebohrer oder Butterbohrer.
N: Wir bieten ein sehr tiefes Sortiment und beraten unsere Kunden fachmännisch.

Ihr habt sicher viele aussergewöhnliche Maschinen mit speziellen Funktionen?
N: Ja sicher. In der Werkstatt haben wir zum Beispiel verschiedene Bandschleifer, einen Schleifstein, Polierscheiben, Bohr- und Sägemachinen, eine CNC-Fräsmaschine und die Drehbank. Vielseitige Arbeiten erfordern vielseitige Maschinen.

Wieviele Leute arbeiten bei Klötzli?
S: 20 Personen in Werkstatt, Verkauf und Administration.
N: Davon sind drei in der Ausbildung.

Wie sieht euer Arbeitsplatz aus?
S,N: Wir springen zwischen Büro, Läden, Homeoffice und Werkstatt hin und her – immer auf Achse!

Was habt ihr vor Klötzli gemacht?
S: Ich bin gelernter Dekorationsgestalter. Habe in den Bereichen Schaufenstergestaltung, Messebau, Objektbau gearbeitet.
N: Eine Servicelehre, danach Handelsschule und Hotelfachschule.

Wie stehts so um den Messermarkt in der Schweiz?
S: Der grosse Hersteller Victorinox dominiert mit seiner hohen Qualität und den extrem guten Preisen den Markt – fast ein Monopol. Daneben gibt es nur noch einen Hersteller von Klappmessern. Klötzli steht in dieser Konstellation für die «High End-Produkte».

Ging in eurem Handwerk Wissen verloren?
S: Glücklicherweise ist der Verband der Schweizer Messerschmiede Meister sehr bemüht um den Erhalt dieses Wissens. Unser Vater war 18 Jahre lang Präsident und sein Hauptziel war es, die Lehre, das Berufsbild und die Fachkunde aufzuarbeiten und auf den neusten Stand zu bringen.

Blick zurück: Der Verkaufsladen in Burgdorf in den 1920er-Jahren.

Wie einfach ist es, neue Mitarbeiter für die Werkstatt zu finden?
S: Bei uns arbeiten praktisch nur Leute, die wir selber ausgebildet haben. Meist sind es Quereinsteiger, die Freude an der Materie haben und sich umschulen lassen wollen.
N: Wir haben auch einen Messerschmiedelehrling.

Wer oder was hilft euch in Krisen durchzuhalten?
S: Wir haben verschiedene Standbeine: Detailhandel, Grosshandel, Produktion. Läuft es irgendwo gerade nicht so gut, kann das die andere Abteilung ausgleichen. Während den letzten 40 Jahren, als unsere Eltern das Geschäft führten, war jede Abteilung schon mal in der Krise aber auch schon Stütze.
N: Was sicher auch hilft, ist ein solider Arbeitgeber für unsere Mitarbeiter zu sein und zu bleiben.

Was fehlt euch?
S: Zeit, um alle unsere Ideen umsetzen zu können.
N: Mir fehlen manchmal die Rahmenbedingungen in der Gestaltung – wir sind als Selbstständige schon sehr frei.

Was nimmt euch die meiste Arbeit ab?
S/N: Unsere langjährigen, gut eingearbeiteten Mitarbeiter!

Was haltet ihr eigentlich von Ikea-Messern?
S: Hmm… echt jetzt?

Was tut ihr, wenn euch der Mut verlässt?
N: Ich denke dann an Mitarbeiter von Grosskonzernen. So bin ich schnell dankbar dafür, was ich habe. Und natürlich ein Apéro mit Freunden hilft auch immer.

Habt ihr sowas wie eine Firmenphilosophie?
S: Nützliche, hochwertige Produkte verkaufen, die die Arbeit erleichtern.

Welche Lektion habt ihr in letzter Zeit gelernt?
S: Wow – einige! Die Freude an der Arbeit ist das Wichtigste. Für deren Erhalt verzichtet man unter Umständen lieber mal auf Umsatz.
N: Es werden auch noch einige Lektionen auf uns zukommen. Allgemein: Kommunikation darf nie unterschätzt werden. Wo Menschen aufeinandertreffen, «mönschelet» es. Wenn es postitiv «mönschelet», ist die das Grösste. Wenn es aber negativ «mönschelet», kann es aber auch das Übelste sein.

Altes Handwerk, zeitlose Produkte.

Was sollte der achtsame Konsument von heute unbedingt kaufen?
S: Was er will – hauptsache es ist ein informierter Kauf.
N: So ein Stoffsack, der einfach in der Handtasche mitzunehmen ist und bei jedem Einkauf die Plastiktüte ersetzt. Und im Idealfall ist in diesem Stoffsack noch ein weiteres Säckli, verwendbar für Früchte und Gemüse.

Was nicht?
S: So wenig Wegwerfprodukte wie möglich.

Was empfiehlt ihr Freunden bei euch in Burgdorf/Bern zu erleben?
S: Burgdorf: Besuch im Schloss, Franz Gertsch Museum, die Speziallädeli in der Altstadt und das Emmental mit seinen wunderschönen Hügeln erkunden und Burgdorfer Bier trinken.
N: Bern: Im Sommer ein Schwumm in der Aare. Auch immer schön: ein Spaziergang im Rosengarten mit Aussicht. Und Berns Gastroszene biete auch viel.

Was wollt ihr als nächstes erreichen?
S: Viele kleine, unspektakuläre Dinge: Schaufenster streichen, neue Bilder aufhängen, diverse Broschüren fertigstellen, die neue Website aufschalten.
N: Persönliche Entwicklung in Richtung einer selbstsicheren Geschäftsübernahme. Und ich würde gern noch diese Kissen fertig stricken, die ich schon ewig angefangen habe.

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Schwerter zu Webstühlen

Frieden durch Handwerk: Das ist die Idee hinter Protsaah, mit der Gründerin Saloni Shrestha Konfliktregionen in aller Welt befrieden möchte – und vor allem Kaschmir, der Region, in der sie während ihrer Kindheit ein paar wundervolle Jahre verbrachte. Indem sie mit der Vermarktung traditioneller Handwerksprodukte aus Kaschmir und anderen Regionen den dortigen Handwerkern ein stabiles Einkommen verschafft, sorgt sie gleichzeitig für die Motivation, das Handwerk zu erhalten – und sich den eigenen Lebensunterhalt mit eigener Leistung zu verdienen, anstatt zu marodieren, zu plündern und die eigene Heimat noch weiter in den Abgrund zu reissen.

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Urban Agriculture
Rare Pflanzenerzeugnisse

Patrick Biedermann ist der Betreiber der Homatt Kulturgärtnerei: Hier hegt und pflegt er die seltenen alten Pflanzensorten, die von ProSpecieRara als schützenswert ausgewiesen wurden - und bietet sie gerne allen an, die ebenfalls an den Nutzpflanzen früherer Generationen interessiert sind. Die alten Pflanzen bergen sowohl geschmacklich als auch in Bezug auf die genetische Vielfalt ein enormes Potenzial in sich.