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LIVE & WEAR

04.04.2018

«ES GIBT SCHON SO VIELE MATERIALIEN UND TEXTILIEN AUF DER WELT»

Otter Zurich

Eine Zürcherin und eine Berlinerin haben sich zusammen getan und wollen Gegenstände aus bereits vorhandenem Material kreieren. „Weniger ist mehr", lautet ihr Motto. So entstehen in ihrem kleinen Atelier im Kreis 3 zum Beispiel Taschen aus Segelverschnitt oder Decken aus von der Textilindustrie aussortierter Baumwolle. Die Textilien werde alle neu sortiert, zerschnitten und wieder zusammengenäht und die Baumwolle mit reinen Pflanzenfarben handgefärbt. Alle Produkte werden lokal in der Schweiz hergestellt und die Punkte Nachhaltigkeit und Fair Trade sind für Otter Zurich eine Selbstverständlichkeit. Fünf Prozent des Jahresumsatzes spenden sie für den Schutz der Meere.

Was ist Otter und wofür steht es?
Otter ist ein Zürcher Startup, das aus aussortierten Textilresten neue Gegenstände wie Taschen und Decken fertigt. Wir arbeiten fair, nachhaltig und lokal und färben z.B. mit reinen Pflanzenfarben. Dabei stehen wir für einen bewussten, vorsichtigen Umgang mit unserer Natur und für den Meeresschutz. 5% unseres Einkommen spenden wir daher an OceanCare. Der Seeotter ist unser Maskottchen, unser Namensträger. Er steht symbolisch für das Meer, sein Lebensraum. Und gewissermassen auch für  unseren Lebensraum, denn ohne das Meer gäbe es uns ja auch nicht. Seeotter sind vom Aussterben bedroht. Durch die Erwärmung der Meere verderben die Muscheln, ihre Nahrung, so dass sie sich vergiften und einen qualvollen Tod sterben. Man kann sich als Mensch nur schämen, etwas damit zu tun zu haben. 

Wer hatte die Idee dazu und wie ist er/sie darauf gekommen? 
Ich habe 2015 mit einer Freundin ein Textildesign-Studio gegründet. Dort haben wir sehr viel mit Textilien und Drucktechniken experimentiert. Am Ende haben uns oft die gebrauchten Stoffe (die manchmal nur zu Probezwecken gedacht waren) am meisten gefallen, und sie waren gerade deshalb so toll, weil sie gebraucht und schon 100 mal gewaschen worden waren. Ich wollte die Arbeit mit gebrauchten Textilien gerne vertiefen und habe dafür das Startup Otter Zurich gegründet. Zufällig ist mir Julia über den Weg gelaufen, die sofort angesteckt war von der Idee. Sie näht alle Otter Prototypen, die wir zusammen entwickeln.


Wieso braucht die Welt ein Label wie eures?
Ich denke, in Zukunft wird es immer wichtiger werden, noch mehr zu recyclen bzw. zu upcyclen. Es gibt schon so viele Materialien und Textilien auf der Welt, und viel davon landet auf riesigen Müllbergen, während  anderswo schon wieder neue Textilien hergestellt werden. Die Textilien zu nutzen die bereits vorhanden sind, ist zumindest mal ein Anfang. Jeder, der bei uns ein Produkt kauft, hat ein kleines Stück Textil, das potentiell im Abfall gelandet wäre, wiederverwendet – anstatt irgendwo ein neues zu kaufen. 

Was sind die Hochs und Tiefs in eurem Alltag? 
Die Hochs sind eindeutig die Momente, wenn wir ein neues fertiges Produkt von uns in den Händen halten, wenn nach langer Produktentwicklung  alles stimmt: bis hin zur letzten kleinen Naht. Zu den Tiefs gehört, dass es manchmal schwer zu begreifen ist, dass es teurer ist, Produktreste und sogenannten Abfall zu kaufen, als neues Material. Wenn wir unser Material einfach neu ab Rolle bestellen würden, kämen wir wesentlich günstiger dabei weg. Das kann manchmal ziemlich frustrierend sein. Mittlerweile haben wir aber Hersteller gefunden, die uns ihr überschüssiges Material zu einem fairen Preis verkaufen. 

Habt ihr noch andere Jobs nebenbei? Wir haben beide “normale” Jobs nebenher. Julia arbeitet als Erzieherin und ich als Freelance-Grafikerin.

Was nimmt euch die meiste Arbeit ab?
Unsere wundervolle Näherei.  

Was ist wichtig beim Gestalten von Taschen? Worauf wird oft nicht geachtet?
Wir versuchen, genau die Taschen zu machen, die wir im Alltag brauchen. Und zwar Taschen, die man vielseitig nutzen kann.  

Wo holt ihr euch eure Inspiration?
In der Natur und auf Reisen. Unsere Taschen und Decken sollen praktisch, schlicht und schön sein. 

Wie sieht euer Arbeitsplatz aus?


Was sind eure nächsten Projekte/Ziele?
Nach Baumwolle und Segeltuch haben wir bereits unser nächstes Material im Visier und entwickeln momentan die Produkte, die wir daraus fertigen wollen.  

Welche 3 Sachen empfehlt ihr Freunden bei euch in der Region zu tun/essen/erleben/kaufen?
Alles in unmittelbarer Nähe zu unserem Atelier: den Shop Kari Kari, die Pension Zum Guten Glück, das Restaurant Miki Ramen und natürlich anschliessend noch ein Glacé in der Gelateria di Berna am schönen Brupbacher Platz. Und vielleicht noch ein Drink in der Bar Sacchi. 

Was trägst du immer in deiner Tasche rum?
Eine wiederverwendbare Einkaufstasche und unseren Small Otter Bag.  

Wie habt ihr euch am Anfang finanziert?
Wir stehen immer noch ganz am Anfang und finanzieren uns durch unsere zweiten Jobs. Ausserdem tätigen wir keine grossen Investitionen, haben z.B. keinen eigenen Laden. Bald werden wir für den nächsten Schritt allerdings ein Crowdfunding brauchen und weitere Unterstützer suchen.

Was fehlt euch?
Manchmal fehlt es uns ganz klar an Zeit! 

Was tut ihr, wenn euch der Mut verlässt?
Tief durchatmen und weitermachen.          

Welche Lektion habt ihr in letzter Zeit gelernt?
Es gibt immer einen Weg! Wenn auch manchmal mit (teilweise sehr grossem) Umweg. Es ist doch immer erstaunlich und schön, was man erreichen kann, wenn man sich traut, Leute anzusprechen. Die finden die Idee vielleicht erst komisch und wundern sich, wenn zwei Mädels bei ihnen anklopfen und ihren Abfall kaufen wollen, aber freuen sich später uns mit, wenn sie sehen, was sich daraus entwickelt.

PLAY & CREATE
Bastelideen und mehr von Kindern für Kinder

Besonders daran ist, dass die Inhalte von Kindern entwickelt oder zumindest von Kindern vorselektiert werden – und dadurch auch besonders gut auf die Bedürfnisse von Kindern zugeschnitten sind.

LIVE & WEAR
Sportswear – nachhaltig und designorientiert

Bei den Materialien geht sie gerne unkonventionelle Wege und wagt sich auch an Experimente – wie an ihre Idee, Schuhsohlen ressourcenschonend aus Pilzmyzel wachsen zu lassen. Auch beim Design lotet House of Aim gerne vordergründige Grenzen aus.

FIT & WELL
Stille, Erholung und Kosmetik aus Nutzhanf

Werner Schönthaler ist ein echter Hanfpionier. Auf der Basis des Wissens um den Nutzhanf, das er von einer alten Kräuterfrau kennt, hat er eine eigene Kosmetiklinie entwickelt, die auf der Verwendung von Hanföl basiert: Castelatsch. Benannt sind seine Produkte nach dem Hof, den er in Südtirol bewohnt – und der seinerseits zu einem Teil aus Nutzhanf erbaut ist.