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24.07.2018

«DU HAST GANZ INDIEN IN EINEM GLAS»

Für die Süsse und die Würze im Leben

Premsoul ist Masala Chai aus Zürich. Dahinter stehen Alexandra und Brendon, die sich in Indien kennengelernt haben und heute in Zürich leben. Dort fehlte ihnen anfangs, was sie in Indien so schätzten: Guter Chai. Also beschlossen sie, ihn selbst herzustellen. Sie experimentierten mit Mischungen, die Nachfrage wuchs, und mittlerweile ist aus ihrer persönlichen Vorliebe ein kleines Unternehmen geworden. Selbstverständlich stammen Tee und Gewürze aus fairem und nachhaltigem Anbau. Und um nicht maschinell produzieren zu müssen, betreiben die beiden zum Mahlen und Mörsern ihrer Gewürze eine Velomühle.


Was ist Premsoul? Und was genau nicht? In ein, zwei Sätzen? 
Eine Herzensidee. Ein mit viel Leidenschaft und Idealismus geführtes Business. A way for us to express creatively our vision for change. Ein junges Familienunternehmen mit Fokus auf Nachhaltigkeit, bio, fair trade und gesunden exotische Gewürzgetränke. Premsoul ist nicht aus einem Businessplan entstanden.

Wer hatte die Idee dazu und wie ist er/sie darauf gekommen? Und wie habt Ihr überhaupt zusammengefunden?
Wir beide, zusammen. Inspiriert und elektrisiert durch unsere Reisen in Indien. Dort, am Bahnhof von Mumbai sind wir uns begegnet. Ich hatte bei meiner Online-Sitzplatzreservation dummerweise die Wagennummer nicht notiert und stand nun vor einem sehr langen Zug mit mindestens 30 Waggons. Zwar hing an jedem Wagen ein langer Zettel mit kleingedruckten Sitzplatznummern und Namen, meinen jedoch zu finden hätte Stunden gedauert. Es standen schon einige hilfsbereite Inder um mich, als Brendon dazukam. 'Can I help you?' 'No thank you, I'll figure it out myself' war meine freundliche, klare Antwort. Immer schon gerne alleine unterwegs, wollte ich nicht schon meinen zweiten Tag in Indien mit einem Westler verbringen. Obwohl er doch sehr sympatisch wirkte! Schlussendlich verbrachten wir die Zugreise dann doch zusammen... Bevor wir aber wirklich zusammenfanden, ist noch viel passiert. Dies würde den Rahmen hier aber sprengen :)


Wieso ausgerechnet indischer Gewürztee? Was ist am Chai so besonders? Was unterscheidet ihn vom normalen Tee? Und was gar vom Kaffee?
Zurück aus Indien mischten und kochten wir oft unseren eigenen Chai, weil wir keine Gewürzmischung fanden, die uns passte. Und dann fanden ihn auch Freunde fein und wir dachten: hey, lass uns doch mal ein Kilo mischen und in Säckchen abfüllen.
Das Besondere am Masala Chai: Du hast ganz Indien in einem Glas – das Mörsern der Gewürze, das Aufkochen der Milch, das Beigeben des Schwarztees und dann dieser Duft! Es lässt uns – zumindest für eine Tasse – nach Indien reisen.
'It is the exotic nature of the spices, the frangrent citrus tastes of cardamon, the sweet earthy cinnamon and the flowery essence of clove that is reminiscent of a foreign world, a place of mystery and discovery.' Chai ist wie die Schwester oder der Bruder vom Kaffee, denn in einigen Teilen der Welt wachsen die beiden Seite an Seite im Schatten der gleichen Bäume. Es sind die Gewürze, die den Chai ausmachen – der Schwarztee im Chai ist das mildere Gegenstück zum Kaffee. Ein wenig sanfter, auf eine feinere Art intensiv.

Wie sah der erste Schritt zur Verwirklichung Eurer Idee aus? Was war die grösste Hürde, die Ihr zu überwinden hattet? Und was hat Euch am meisten geholfen?
Unter dem grossen Baum in der Bäckeranlage in Zürich haben wir uns entschieden, unsere Chai-Mischung in Säckchen abzufüllen und auf dem Rosenhofmarkt in Zürich zu verkaufen. Die Säckchen haben wir da noch selbst gebastelt!
Den ganzen Start-Up-Aufbau mit sehr wenigen finanziellen Mitteln zu meistern und gleichzeitig unseren kleinen Sohn aufzuziehen, war schwierig. 'That was like having two babys at once.' Das hat uns sicher ein paar graue Haare gekostet. Inzwischen haben wir drei 'Babys' und es geht gut. ;) Am meisten geholfen hat uns, genau das zu tun, was uns Freude macht und worin wir unsere Kreativität und Leidenschaft leben können. Ich glaube, wenn du von etwas überzeugt und mit Herzblut dabei bist, dann kommt es gut. Dann unsere Familie und Freunde, die uns immer unterstützt haben und es immer noch tun.

Macht Ihr neben dem Chai auch noch was anderes?
Jobmässig meinst du? Ja, Alexandra unterrichtet Yoga.

Wie entwickelt Ihr neue Sorten?
Step by step. Zuerst: Intuition, aus dem Bauch heraus und sich mit offenen Augen, Ohren und Herzen in der Welt bewegen. (Alexandra). Inspirationen entstehen durch Reisen und Meditation (Brendon). Dann werden die Samen gesäht und ein Plan erstellt. Next: Der Plan wird in Aufgaben aufgeteilt und zwischen uns delegiert. Nun die Ausführung sowohl in kleinen als auch in größeren Schritten. Und dann:
Release! Danach passen wir uns entsprechend dem Kundenfeedback und der Erfahrung an.

Wieso braucht die Welt Euren Chai? Oder zumindest Zürich?
Ja, was 'braucht' man wirklich im Leben? Wahrscheinlich ginge es auch ohne Chai. Nur fehlte dann etwas die Würze und die Süsse im Leben. Unser Chai bietet den Leuten eine Chance, an etwas Grösserem teilzuhaben. Damit in Indien Kleinbauern faire Preise für ihre Arbeit bekommen, die Menschen und der Boden durch
Bioanbau gesund bleiben. Eine Lebenshaltung zu wählen, die für die Natur, für das friedliche Miteinander steht. Und weil unser Chai einfach 'a simple joy of life' ist!


Was nimmt euch die meiste Arbeit ab? Und wieso nutzt Ihr eine Velomühle?
Einerseits unsere fleissigen Mitarbeiter. Bis vor kurzem haben wir – ausser in der Weihnachtszeit – alles zu zweit gemanagt. Seit letztem Jahr haben wir Hilfe in der Produktion und eine Freundin ist nun fix 1 Tag pro Woche mit an Bord. Andererseits eine Software, in welcher Lager, Produktion und Buchhaltung miteinander verknüpft sind, und die so viele Prozesse vereinfacht und automatisiert.
Die Velomühle ist auch ein Tool, das wir nicht mehr missen möchten. Am Anfang gab es nur unsere Hände, Mörser und Stössel und die Gewürze. Dann kauften wir eine Handmühle, mit der es etwas einfacher ging. Um die stetig wachsende Nachfrage an Chaimischungen bewerkstelligen zu können, brauchten wir aber bald eine andere Lösung. Wir standen vor der Entscheidung: Entweder wir fangen an, maschinell herzustellen, was uns aber nicht passte. Oder wir finden eine andere Lösung. Da kam Oskar von 'Suppe und Pedale' und erzählte uns von seiner Art, Rhabarbersaft zu pressen. Die Velomühle von 'Radsaft' war perfekt für unsere Bedürfnisse und wir durften sie jeweils ausleihen. Inzwischen haben wir unsere eigene gebaut, so dass wir, immer noch mit Muskelkraft, maximales Volumen an Mischungen schaffen.

Wie kommt ihr auf neue Ideen? Gibts da ein Ritual oder geschieht das von selbst? Und was macht Ihr, wenn Euch nichts mehr einfällt? Gibt es da eine Best Practice? Oder etwas, das immer funktioniert?
Das gibt es eigentlich nicht. Wir sprudeln meistens beide vor Ideen. Es sind manchmal eher zu viele, und dann kann es passieren, dass wir den Fokus ein wenig verlieren. Mit den Jahren und der Erfahrung klappt es jedoch inzwischen ganz gut. Und falls wir mal doch nicht mehr weiterwissen, hilft sicher der gegenseitige Austausch und als Gegenpol das Praktizieren von Meditation,Yoga und Spaziergänge in der Natur.


Was sind eure nächsten Projekte?
Das Redesign unserer Verpackung und Website. Unsere Sommergetränke, die 'Spice Drinks', bekannter zu machen und bald auch schweizweit zu vertreiben. Und diverse interne Prozesse einfacher und professioneller gestalten.

Habt ihr nebenbei noch andere Jobs?
Ja, vor allem Eltern sein! Wir haben einen knapp 7jährigen Bub und ein knapp 3jähriges Mädchen, die halten uns auf Trab. Dazu unterrichtet Alexandra Yoga an zwei Abenden die Woche.

Welche 3 Sachen empfiehlt ihr Freunden bei euch in der Region zu tun/essen/erleben/kaufen?
Ein Spaziergang im Uetliberger Wald und einkehren im Jurablick.
Einen Flat white im Vi-Cafe am Goldbrunnenplatz trinken.
Aethiopisch essen im Restaurant Mesob, ebenfalls Goldbrunnenplatz.
Marta's Flohmarktladen im Kreis 4. Das Hürlimann Bad.
Schwimmen im See im GZ Wollishofen und essen in der Roten Fabrik.
Das Café des Amis an der Nordstrasse.
Der Kanzleiflohmi am Samstag...

Hört ihr Musik beim Arbeiten? Was denn (Top 5 Playlist)?

  1. Anything from Ninja Tunes (Brendon)
  2. Classic music like Beethoven usw.
  3. noisly.com
  4. classical Indian music like Hari Prasad Chaurasia
  5. Zaz (Alexandra)
LIVE & WEAR
Fashion Revolution International: Für fairere und nachhaltigere Mode

Seit drei Jahren gibt es den Schweizer Ableger von Fashion Revolution International – insgesamt hat die globale Bewegung bereits mehr als 2,5 Millionen Mitgliedern in über 100 Ländern. Alle eint ein gemeinsames Ziel: Zu erfahren und öffentlich zu machen, unter welchen Umständen die Modeindustrie unsere Kleidung produziert. Und über das dadurch aufgebaute Bewusststein einen Anstoss für eine Verbesserung der Verhältnisse zu geben – vor allem bei den Rohstoffproduzenten und den Arbeitern in den grossen Textilfabriken Asiens. Mitmachen kann jeder – sogar ganz einfach.

LIVE & WEAR
Aus Nachfrage wird Angebot

2012 gründeten Baba Steiner und Mary Steiner ihr Label We love you love. Und zwar aus der schlichten Motivation heraus, dass die Dinge, die sich als werdende Mütter damals wünschten, in der Schweiz schlichtweg nicht oder nur mit Zollaufschlag zu haben waren. Der Eigenimport war die logische Konsequenz. Und so grosser Anklang ihres mit viel Liebe kuratierten Sortiments die Folge, dass heute ein kleines Unternehmen daraus geworden ist.

LIVE & WEAR
Schwerter zu Webstühlen

Frieden durch Handwerk: Das ist die Idee hinter Protsaah, mit der Gründerin Saloni Shrestha Konfliktregionen in aller Welt befrieden möchte – und vor allem Kaschmir, der Region, in der sie während ihrer Kindheit ein paar wundervolle Jahre verbrachte. Indem sie mit der Vermarktung traditioneller Handwerksprodukte aus Kaschmir und anderen Regionen den dortigen Handwerkern ein stabiles Einkommen verschafft, sorgt sie gleichzeitig für die Motivation, das Handwerk zu erhalten – und sich den eigenen Lebensunterhalt mit eigener Leistung zu verdienen, anstatt zu marodieren, zu plündern und die eigene Heimat noch weiter in den Abgrund zu reissen.