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23.03.2018

«MIT UNSEREN SORTEN IST ES MÖGLICH, EIGENES SAATGUT ZU PRODUZIEREN. »

ProSpecieRara sichert kulturhistorisches Erbe

Rote Gartenmelde, Black Cherry, Berner Rosen und schwarzer Prinz: Das sind alte Gemüsesorten, die viele wohl gar nicht mehr kennen. Und sie sind vom Aussterben bedroht. Hans-Peter Grünenfelder wollte diese Errungenschaften unserer Vorfahren bewahren. Dafür gründete er 1982 die Stiftung ProSpecieRara, die seither Felder, Höfe und Gärten mit vom Aussterben bedrohten Kulturpflanzen und Nutztieren belebt. Die nicht gewinnorientierte Stiftung wird dabei von einem Netzwerk aus freiwilligen Helferinnen und Helfern unterstützt.

Was ist ProSpecieRara?
ProSpecieRara ist eine Schweizer Stiftung, die sich für das Überleben seltener Kulturpflanzensorten und Nutztierrassen einsetzt. Wir sichern das kulturhistorische Erbe unserer Vorfahren und bringen Vielfalt zurück in den Garten und auf den Teller. Die grosse genetische Vielfalt, die wir so erhalten, kann die Grundlage für künftige Züchtungen bilden.

Was nicht?
ProSpecieRara ist nicht gleich Pro Natura, aber die beiden Organisationen ergänzen sich gegenseitig in ihrem Engagement für die Biodiversität: Wir kümmern uns um Pflanzen und Tiere, die vom Menschen angebaut bzw. gehalten und genutzt werden (z.B. seltene Tomaten-, Birnen- und Himbeersorten, bzw. alte Schaf-, Hühner- und Rinderrassen), während Pro Natura die wilde Flora und Fauna schützt.

Was ist euer Ziel? 
Eine möglichst grosse genetische Vielfalt zu erhalten. Wir wollen seltenen Tierrassen wie dem Engadinerschaf oder dem Appenzeller Spitzhaubenhuhn das Überleben sichern. Und Lebensmittel wie die Goldparmäne (Apfel), das Küttiger Rüebli oder den Weissen Lötschentaler (Kartoffel) auch für künftige Generationen verfügbar machen.

Wer steckt alles hinter ProSpecieRara?
Ein Team von 24 Festangestellten in Basel, Genf und San Pietro. Plus ein 10-köpfiger Stiftungsrat und ein Netzwerk aus über 4000 privaten Tierhaltern und Pflanzenanbauern.


Wie ist die Geschichte hinter ProSpecieRara?
Anfang der 1980er Jahren stellte Hans-Peter Grünenfelder fest, dass nicht nur Wildtiere verschwinden, sondern auch traditionelle Nutztierrassen. Damals war er beim WWF tätig, der sich um Wildtiere kümmerte, aber nicht um domestizierte Tiere.

Und dann?
Hans-Peter Grünenfelder gründete 1982 die Stiftung ProSpecieRara. Aktuell kümmern wir uns um 600 Beerensorten, 570 Zierpflanzensorten, 1900 Obstsorten, 1430 Garten- und Ackerpflanzensorten, 116 Rebensorten und 32 Nutztierrassen.

Wieso sollen alte Sorten/Rassen erhalten bleiben? 
Eine möglichst breite genetische Basis ist wichtig, um beispielsweise auf neu auftretende Pflanzen-Krankheiten reagieren zu können. Daneben macht die Vielfalt aber einfach auch Spass. Wer schon einmal selber alte Tomatensorten angebaut hat, der mag nicht mehr darauf verzichten. Wenn diese Köstlichkeiten dann auch noch klein und violett, birnenförmig und gelb, oder gross und gezahnt sind, dann wird der Tomatensalat auch optisch zum Highlight.


Warum gibt es immer weniger Vielfalt?
Heute produzieren ganz wenige Firmen das Saatgut für den weltweiten Markt und bestimmen so, welche Sorten angebaut, gehandelt und letztlich von uns gegessen werden. Bei den Tieren sieht es ganz ähnlich aus. Wo früher jede Region eigene Rassen und Sorten hatte, wird heute für die ganze Welt mehr oder weniger das Gleiche produziert, die Vielfalt bleibt auf der Strecke.

Wie entwickelt ihr Ideen weiter?
Wir sind ein sehr engagiertes Team, in das sich jede und jeder einbringen kann. Die viele Energie und die zahlreichen Meinungen zu kanalisieren, ist nicht immer einfach, aber der Prozess macht Spass und das Resultat ist meistens toll.

Was ist euer aktuellstes Projekt?
Mit dem Projekt «Stadt-Tomaten» motivieren wir die Menschen, bei sich auf dem Balkon oder im Garten seltene Tomaten-, Peperoni-, Salat-, Schlafmohn- oder Stangenbohnensorten zu pflanzen. Wer noch nicht viel Gärtnererfahrung hat, der wird mit unseren praktischen Schritt-für-Schritt-Anleitungen durch den ganzen Zyklus der Pflanzen geführt: Vom Samenkorn zum Setzling, zur Frucht und wieder zum Samenkorn. Mit den modernen Hybrid-Sorten von heute ist es leider nicht mehr möglich, eigenes Saatgut zu produzieren. Wohl aber mit den ProSpecieRara-Sorten, welche wir an unserem Stand am Criterion Festival und auf www.stadt-tomaten.ch anbieten werden.


Verratet uns bitte, wie man auf gute Ideen kommt.
Mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen.

Wer nimmt euch die meiste Arbeit ab?
Das grosse Netzwerk von engagierten Menschen, welche entweder bei sich zuhause im eigenen Garten ehrenamtlich Sorten anpflanzen, betreuen, das Saatgut ernten und an uns zurückschicken, wo es in der Samenbibliothek gelagert wird oder aber auf ihren Höfen Tiere von seltenen Rassen halten, sorgsam betreuen und mit ihnen züchten, sind das Fundament unserer Stiftung. Diese Menschen verkörpern die Vorstellung der Sorten- und Rassenvielfalt als etwas Wertvollem in Reinkultur und tragen diesen Spirit weiter.

Was sind die grössten Herausforderungen in eurem Arbeitsalltag?
Den vielen Menschen, die sich für die Vielfalt engagieren möchten, gerecht zu werden, sie genügend und rechtzeitig zu informieren und entsprechend einzubinden, ist nicht immer ganz einfach.

Wie sieht euer Arbeitsplatz aus?
ProSpecieRara ist an sehr vielen Orten tätig, es gibt also nicht den einen Arbeitsplatz. Auf dem Bild ist der Eingang zu unserem Hauptsitz in Basel zu sehen. Dort ist auch unser Herzstück, die Samenbibliothek, untergerbacht.


Wie kann man euch unterstützen?
Wir sind immer auf der Suche nach neuen Sortenbetreuern. Leuten also, die bei uns einen Samenbaukurs besuchen und anschliessend die Verantwortung für eine oder mehrere Gemüsesorten übernehmen. Das regelmässig im eigenen Garten vermehrte Saatgut schicken sie dann an unsere Samenbibliothek zurück. So können wir 2000 Gemüse- und Zierpflanzensorten lebendig erhalten.
Natürlich kann man uns auch finanziell als Gönner unterstützen. Rund einen Drittel unserer Kosten decken wir aus Gönner- und Spendengeldern. ProSpecieRara-Gönner (Jahresbeitrag CHF 70.-) können über unser Netzwerk kostenlos Saatgut beziehen und vergünstigt Kurse bei uns besuchen.

LIVE & WEAR
Fashion Revolution International: Für fairere und nachhaltigere Mode

Seit drei Jahren gibt es den Schweizer Ableger von Fashion Revolution International – insgesamt hat die globale Bewegung bereits mehr als 2,5 Millionen Mitgliedern in über 100 Ländern. Alle eint ein gemeinsames Ziel: Zu erfahren und öffentlich zu machen, unter welchen Umständen die Modeindustrie unsere Kleidung produziert. Und über das dadurch aufgebaute Bewusststein einen Anstoss für eine Verbesserung der Verhältnisse zu geben – vor allem bei den Rohstoffproduzenten und den Arbeitern in den grossen Textilfabriken Asiens. Mitmachen kann jeder – sogar ganz einfach.

PLAY & CREATE
Nachhaltig produzierte Kinderkleidung

Also nehmen sie die Sache kurzerhand selbst in die Hand und gründen Little Vikings. Und importieren fröhliche, bunte und nachhaltig produzierte Kinderkleidung aus Skandinavien. Angefangen haben Annika und Nicole mit einem Lager in den eigenen vier Wänden – mittlerweile ist Little Viking zu ihrer Hauptbeschäftigung geworden.

Urban Agriculture
Rare Pflanzenerzeugnisse

Patrick Biedermann ist der Betreiber der Homatt Kulturgärtnerei: Hier hegt und pflegt er die seltenen alten Pflanzensorten, die von ProSpecieRara als schützenswert ausgewiesen wurden - und bietet sie gerne allen an, die ebenfalls an den Nutzpflanzen früherer Generationen interessiert sind. Die alten Pflanzen bergen sowohl geschmacklich als auch in Bezug auf die genetische Vielfalt ein enormes Potenzial in sich.