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LIVE & WEAR

11.12.2018

«IM MITTELPUNKT JEDER KOLLEKTION STEHEN EIN HANDWERKLICHER ANSATZ UND DIE VERPFLICHTUNG ZU NACHHALTIGER MODE»

Frieden durch Handwerk: Das ist die Idee hinter Protsaah, mit der Gründerin Saloni Shresta Konfliktregionen in aller Welt befrieden möchte – und vor allem Kaschmir, ihre Heimat. Indem sie mit der Vermarktung traditioneller Handwerksprodukte aus Kaschmir und anderen Regionen den dortigen Handwerkern ein stabiles Einkommen verschafft, sorgt sie gleichzeitig für die Motivation, das Handwerk zu erhalten – und sich den eigenen Lebensunterhalt mit eigener Leistung zu verdienen, anstatt zu marodieren, zu plündern und die eigene Heimat noch weiter in den Abgrund zu reissen.


Protsaah, dieser Name prägt sich ein. Wofür steht er?
"Protsaah" hat seine Wurzeln in Sanskrit und bedeutet, jemanden zu ermutigen, zu motivieren und zu unterstützen. Ich habe diesen Namen für meine Firma gewählt, da die ursprüngliche Idee war, Handwerker in Konfliktzonen zu unterstützen, um schöne handgefertigte Produkte mit einer zeitgenössischen Designästhetik zu schaffen.

Der Slogan "Handcrafted Peace" steht für die Vision, Frieden in Konfliktzonen zu schaffen, indem er Handwerkskunst in Jugendgruppen und Handwerkergemeinschaften entwickelt und ihnen eine nachhaltige, ethische Möglichkeit bietet, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Das Logo stammt vom Markenzeichen "Handcrafted Peace". Die Taube ist ein Symbol des Friedens, die Hand symbolisiert den Handwerker und das wichtigste Element ist der "Tropfen", der für Blut, Schweiss und Tränen steht, die das Leben der Menschen bestimmen, die weltweit in Konfliktzonen leben.
Auf der anderen Seite ermutigt Protsaah – Handcrafted Peace auch die Menschen in den entwickelten Ländern, mutig, neugierig und bewusst in ihren Kaufentscheidungen zu sein.

Wer steht denn hinter Protsaah?
Protsaah wurde 2016 von Saloni Shrestha gegründet, nachdem sie in der derzeit am längsten bestehenden Konfliktzone der Welt – Kaschmir – den harten Realitäten einer Jugend in einem Kriegsgebiet ausgesetzt war. Das Start-up begann seine Reise mit einem kleinen Team von Spinnern, Webern, Färbern und Stickerinnen im Kaschmir.
Protsaah hat seitdem eigene Projekte in Lhasa, Tibet, sowie Kooperationsprojekte in Afghanistan, Burkina Faso und Ruanda ins Leben gerufen. Jedes Projekt wird von einem Projektleiter geleitet, der bei Protsaah angestellt ist oder unter Vertrag steht.
In Zürich wird Protsaah von Saloni und ihrem Ehemann Rajesh Shrestha geführt. Kürzlich hat auch Rendel Arner, eine überzeugte Kundin, in Teilzeitarbeit bei Protsaah angefangen, um ein Netzwerk von Markenbotschaftern und Verkaufsberatern für die Marke zu entwickeln.


Entworfen wird in Zürich, richtig?

Ja, wir gestalten einen Grossteil unserer Kollektionen in Zürich. Unsere Designs sind fast immer einfach, zeitgemäss und mit Farbe, die jeder Kollektion einen besonderen Touch verleiht. Ich habe auch einen Hang zu geometrischen Mustern und Designs.
Im Mittelpunkt jeder Kollektion stehen ein handwerklicher Ansatz und die Verpflichtung zu nachhaltiger Mode.

Hergestellt wird in Konfliktregionen. Wieso?
Kaschmir ist mittlerweile seit sechs Jahrzehnten eine der gefährlichsten und langwierigsten Konfliktzonen der Welt. Dort erzählte mir ein junger Pashmina- und Kaschmirweber in seinen Zwanzigern mit einer Tasse heissem Kahwa (gewürztem Grüntee) und unschuldig wirkend vom Leben in Kaschmir: "Als Krieger und Terrorist lebt man besser als ein Handwerker am Webstuhl".
Ich hatte das Gefühl, dass ich völlig ahnungslos gewesen war, als ich um jeden Schal gefeilscht hatte (denn Feilschen mache mir sowieso Spass!). Denn ich wusste ja, dass der Betrag keine Wochenration kaufen würde, der Schal aber mindestens sechs Wochen Aufwand erfordert hatte. Mein schlechtes Gewissen, Naivität und die sture Optimistin in mir fragten ihn: "Wie kann es sein, dass die Herstellung der feinsten Wolle der Welt – Pashmina – bei euch nicht besser angesehen ist, als sein Gewissen abzuschalten und Menschen umzubringen?“
Seine Antwort: "Naja, es gibt immer billigere, maschinell hergestellte Pashminas aus den Nachbarländern. Fast niemanden interessieren dagegen das Handwerk an sich oder die Handwerker.“
Wie Kaschmir hat jede Konfliktzone ähnliche Geschichten, nur die Charaktere sind andere. Mit den Menschen in solchen Gebieten zu arbeiten ist eine wunderbare Erfahrung, da sich so nachhaltige und traditionsbestimmte Mode herstellen lässt, die ihren Erzeugern Unabhängigkeit und Stolz ermöglicht. Die Wirkung solcher Projekte setzt in der Regel sofort ein: Gibt man jungen Menschen einen tragfähigen Weg, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, dann werden sie keinen Moment länger Terroristen und Kriminelle bleiben.


Jede Region wird ihren eigenen Charakter haben. Wie unterscheiden sich die Produkte aus diesen Zusammenarbeiten?
Jedes unserer Projekte versucht, ein Bewusstsein für das Handwerk der jeweiligen Region zu entwickeln und neues Leben in uralte traditionelle Techniken zu bringen, indem wir versuchen, überlieferte Fähigkeiten mit moderner Ästhetik zu verbinden.

Wir sensibilisieren die Handwerker mit der Modewelt im Westen. Und mit dem Konsumenten, für den sie produzieren: Seinem Lebensstil und seinen Vorlieben für Farben, Muster und Qualität. Unsere Entwürfe sind dabei fast immer nur eine Richtlinie – tatsächlich werden unsere Kollektionen vor allem durch die das individuelle Können der einzelnen Handwerker beeinflusst.
Unabhängig davon, in welcher Konfliktzone wir produzieren, sind die Produkte von Protsaah immer aus handwerklicher Herstellung: Mit dem ganzen Können des Handwerkers aufgeladen, das über Generationen weitergegeben wurde und auch die nächste Generation von Handwerksmeistern inspirieren wird.

Wie findet ihr neue Kunsthandwerker? Zufall? Empfehlung?
Das Faszinierendste an der Arbeit in Konfliktzonen ist, die menschliche Nähe und das Beziehungsgeflecht dort zu beobachten. Einen Handwerker zu finden ist einfach. Die dortigen Gemeinschaften helfen immer, jemanden aufzutreiben. Der schwierige Teil besteht dann darin, die Perspektive dieser Menschen auf ihre jahrhundertealten Traditionen zu ändern.

Gab es einen Moment wo ihr euch dachtet, jetzt oder nie?
Als ich in Kaschmir mit Gänsehaut neben dem Weber sass, war das genau der Moment, in dem ich mir sagte: Jetzt oder nie. Ich wage es und verändere die Welt auf meine Weise.

Wieso ist es so wichtig, zu handeln?
Sinnvolles Handeln sehe ich als eine Art chemischer Reaktion, die ausgelöst wird, wenn Gefühle, Absichten, Fähigkeiten und Visionen in einem Katalysator zusammenkommen. Protsaah ist ein solcher Katalysator. Die anderen Elemente sind:

Teil einer grösseren Ganzen zu sein.

  1. Die Fähigkeit, den Menschen in Konfliktzonen nicht nur mit finanzieller Wohltätigkeit zu helfen, sondern durch Beschäftigung und Kompetenzentwicklung.
  2. Die Vision einer konfliktfreien Welt.

Wie entstehen bei euch neue Ideen, welchen Prozess führt dann zum fertigen Produkt?
Ich liebe Design, Farbe und Geometrie. Ich finde Ideen in der Natur, der Architektur und bei Pinterest! Die unzähligen Stunden, in denen ich online nach handgefertigten Produkten suche, bilden die Grundlage für mein Moodboard. Von da an experimentiere ich wie in Trance mit Pantone Color Decks und gelange schliesslich zu einfachen Zeichnungen, die dann an die Handwerker oder unseren den CAD-Spezialisten weitergegeben werden.

Wo arbeitet ihr am liebsten?
In Kaschmir natürlich! Es ist wunderschön dort, die Menschen sind herzlich und offen, und ihr fantastisches Essen und ihre Kahwah sind das Tüpfelchen auf dem i.

Wem und mit welchen Worten würdet ihr am liebsten eines eurer Schmuckstücke überreichen?
Ich würde gerne Oprah oder Michelle Obama eines unserer Schmuckstücke schenken. Unsere wunderschönen, von Hand marmorierten Papierverpackungen aus recyceltem Baumwollmaterial werden mit einem motivierenden Zitat geliefert – ich würde dann eines nach dem Zufallsprinzip wählen, da sie alle so schön sind:

-Sei mutig. Sei tapfer und sei wunderschön auf deine Weise.
-Lass dir von niemandem deinen Zauber nehmen.
-Mach das Heute so toll, dass das Gestern eifersüchtig wird.
-Wenn deine Träume dich nicht erschrecken, sind sie nicht gross genug

Hörst du Musik zum Arbeiten – was denn? (Top 5-Playlist)
Nashville series 
Sufi Magic
Top 50 pop hits
Bollywood romance

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