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WEAR & CARE

27.03.2019

«Nachhaltigkeit und Upcyling sind definitiv eine Alternative zu den derzeitigen Produktions-systemen in der Mode.»

Von Secondhand zu High Fashion

Der Schweizer Jungdesigner Rafael Kouto verfolgt seinen ganz eigenen Ansatz in der Mode: Er entwirft aus auserlesenen, alten Textilien und Kleidungsstücken neue Kreationen, entwickelt sie zu Couture sowie kommerziellen Kollektionen. Nachdem Rafael in Basel den Bachelor und am Sandberg Institute in Amsterdam den Master in Modedesign absolvierte, arbeitete er für Alexander McQueen und Maison Margiela. Durch die Erfahrungen in der Modeindustrie wurde er kritischer gegenüber kreativen Prozessen und Produktionssystemen.

Was ist «Rafael Kouto»?
Eine Marke, die einen einzigartigen, nachhaltigen Ansatz für Modedesign und Produkte verfolgt. Im Mittelpunkt steht die Anpassung und das Upcycling einer individuell kuratierten Auswahl an Alttextilien und Bekleidung von Texaid für die Realisierung von Couture- und kommerziellen Kollektionen. 100% neu in der Schweiz hergestellt. Unter dem Blickpunkt von nachhaltigem Design und lokaler Produktion, bekommen entsorgte Material einen ganz neuen Wert. Das Geschäftsmodell basiert auf meiner eigenen kulturellen Herkunft, gemischt mit der in Afrika weit verbreiteten Praxis des Upcyclings. Dieses Konzept und die hybride Ästhetik zwischen Afrika und dem Westen sind meine unverwechselbaren Merkmale. Ziel ist es, kreative Upcycling-Techniken unter Verwendung von Alttextilien und anderen Reststoffen weiter zu entwickeln und die Produktion in grösserem Umfang aufzunehmen. Meine Marke gibt alten Kleidungsstücken neuen Wert und setzt sich gleichzeitig für ein nachhaltigeres Produktionssystem für Textilien ein.

Wie bist du auf die Idee gekommen?
Während und nach meinem Studium habe ich Praktika in der Couture bei Alexander McQueen, Maison Margiela, Ethical Fashion Initiative und bei Carven absolviert. Durch diese Erfahrungen wurde ich kritischer gegenüber den kreativen Prozessen in der Mode und den Produktionssystemen.


Mode ist... 
…keine Kunst, die für sich steht. Stattdessen stellt sie einen der einflussreichsten Aspekte unserer Kultur als universelle Sprache dar, zu der auch der Umgang mit ökologischen, politischen und wirtschaftlichen Fragen gehört. Nachhaltigkeit und Upcyling sind definitiv eine Alternative zu den derzeitigen Produktionssystemen in der Mode.

Was war der erste Schritt zur Entwicklung eurer Idee?
Es war während meines Masterstudiums. Ich hatte Zeit, über meine bisherigen Arbeitserfahrungen nachzudenken, insbesondere die Arbeit bei Margiela, wo ich den Wandel von einer innovativen und konzeptionellen Marke zu einem Luxushaus erlebte. Ich beobachtete, wie Designer mit Second-Hand-Kleidung als Inspiration arbeiten und dann einfach daraus brandneue Artikel kreieren. Ich fragte mich, ob sie auch in ein Endprodukt verwandelt werden können. Die Skepsis, Enttäuschung und Kritik veranlassen mich, mir eine Alternative zu den derzeitigen kreativen Prozessen und Produktionssystemen auszudenken.


Wer gehört heute zum Kernteam?
Mein unglaublicher Designassistent, ein Praktikant und ich. In weiteren Phasen der Kollektion vergrössert sich das Team dann immer wieder mit wertvollen Mitarbeitenden und Beratenden. Dann gibts immer wieder Kooperationen wie z.B. mit der Marke Qwstion oder Partnerschaften mit Texaid, Atelier Sabine Portenier, Atelier Idril Dallel, TDS Textildruckerei oder die Unterstützung von Pro Helvetia. Weiter habe ich auch mit einem Fotografen, Grafikdesigner, Art Director, Make-up Artist, Bühnenbildner, Industriedesigner, Schriftsteller, Schmuckdesigner, Strick- und Häkeldesigner und einem Stickdesigner zusammengearbeitet.

Warum braucht die Welt eure Produkte und Lösungen?
Ich glaube, dass meine Produkte und die Vision der Marke neue Werte und Bedeutungen eines nachhaltigeren Produktionssystems darstellen. Diese können nicht nur auf die Mode, sondern auf verschiedene Aspekte der Gesellschaft angewendet werden.

Wie kommt ihr auf neue Ideen?
Neue und gute Ideen entstehen durch Experimentieren, Nähen, Sammeln von Materialien, Recherchieren, Lesen, Ausstellungen, Textilarchive.... Und das alles mit dem Gedanken, dass ich die verschiedenen Quellen irgendwie zu einer neuen Kollektion verbinden muss.

Wie sieht euer Arbeitsplatz aus?
Er besteht aus ein paar Tischen, einem grossen Moodboard, Laptop, Nähmaschinen, Bügeleisen, Vintage-Kleidung, Kleidungsstücken aus den vorherigen Kollektionen und den gesammelten Gegenständen von Texaid.

Was sind deine nächsten Projekte?
Im Juni werde ich die kommerzielle Kollektion der Couture-Kollektion SUSPENDED BODIES THAT WILL NEVER FALL präsentieren, die im Februar 2019 bei Mode Suisse gezeigt wurde. Im Textilwerk Winterthur wird es auch einen Upcycling-Workshop geben. Ausserdem wird es verschiedene Showcases geben.

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