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05.10.2018

«SIE DÄMMEN WÄRME UND SCHALL, BRENNEN NICHT, UNTERBINDEN SCHIMMEL UND SIND INSEKTEN- UND NAGETIER- RESISTENT»

Bauen mit Hanfsteinen: Natürlich und nachhaltig

Werner Schönthalers ganze Familie beschäftigt sich mit Baustoffen – er selbst jedoch mit ganz Speziellen: Nach aufwändigem Experimentieren ist es ihm gelungen, einen Stein aus Hanfschäben, Naturkalk und Mineralien zu entwickeln, mit dem nicht nur einfach gebaut werden kann. Der Hanfstein verfügt dazu auch noch über hervorragende Dämmeigenschaften und ist bei Bedarf vollständig kompostier- oder wiederverwertbar – ganz im Gegensatz zu herkömmlichem Dämmmaterial. Nachhaltiges und emissionsarmes Bauen wird so auf ganz neuem Niveau möglich. In der Schweiz ist der Hanfstein bereits im Baustoffhandel erhältlich.


Hanfsteine sind in der Schweiz noch nicht sehr bekannt. Könnt ihr uns kurz erklären was ein Hanfstein ist? Der Name ist Programm, oder?
Hanfsteine werden aus dem holzigen Teil der Nutzhanfpflanze hergestellt. Wir mischen es mit Naturkalk und Mineralien. In einer großen Ziegelmaschine wird es in Eisenformen gepresst und luftgetrocknet.

Hinter dem Produkt steht die Firma Schönthaler. Wer hatte die Idee dazu und wieso?
Die Idee hatte ich bzw. sie wurde mir von meinem Partner bei der Firma Ecopassion, Christoph Kirchler, gegeben. In unserem Familienbetrieb hatten wir bereits eine Ziegelmaschine, die wir dann umfunktioniert und erweitert haben.

Wer ist denn das Kernteam? Wer steht dahinter?
Unsere Geschichte ist ein wenig komplex. Im Familienbetrieb sind das Kernteam mein Bruder, die Schwester und ich. Am meisten gelernt hab ich durch einen schweren Bergunfall, durch den ich dann eine 70jährige Kräuterfrau kennengelernt habe, mit der ich dann die erste Firma gegründet habe (damals Veredelung von Schafwolle). Sie war und ist meine größte Lehrerin. Weiter die Firma Ecopassion, wo ich Gesellschafter bin und die Genossenschaft Glärnisch Textil.

Was spricht dafür Hanfstein statt einem normalen Backstein zu verwenden?
Mit Hanfsteinen kann ich ohne zusätzliche Dämmung Häuser mit nur 35-40 cm Wandstärke bauen. Mit Backsteinen wird die Außenhülle dicker oder braucht zusätzlich eine Dämmung. Hanfsteine haben eine negative CO² Bilanz (Minus 60 %). Heutzutage ist die mittlere Lebensdauer eines Hauses in Europa 30 Jahre. Die Energie, welche bei Produktion und Entsorgung verbraucht wird, verursacht weit mehr CO²-Abgabe, als man in der Lebensdauer spart. Danach ist es Sondermüll. In den letzten 20 Jahren haben wir Bauschutt und Sondermüll produziert, die zusammengetragen höher wären als die Schweizer Berge. Hanfsteine können komplett kompostiert oder als Baumaterial wiederverwertet werden(cradle to cradle). Es entsteht kein Abfall. Zusätzlich reinigen sie die Raumluft, regulieren die Luftfeuchtigkeit und neutralisieren Gerüche. Sie dämmen Wärme und Schall, brennen nicht, unterbinden Schimmel und sind Insekten- und Nagetierresistent.


Gibt es einen Grund, wieso nicht schon viel mehr mit Hanfstein gebaut wird?
In Frankreich wird seit ca. 20 Jahren mit Hanf gebaut, in Belgien seit 15, in Zentralitalien seit ca. 10. In Südeuropa wird sehr viel mit Hanf gebaut. Neue Materialien brauchen immer Zeit, bis sie von der Allgemeinheit angenommen werden. Im Baugewerbe geht man immer von 10 Jahren aus, bis etwas neues angenommen wird. Nach meiner Erfahrung dauert es im Berggebiet und in engen Tälern ein wenig länger…

Ihr habt sicher die verschiedensten Arbeitsplätze. Wo arbeitet ihr am liebsten und wieso?
Am Bauernhof ohne Telefon. Weil’s dort ruhig ist und der Wald Kraft gibt..

Gab es den Zeitpunkt, wo ihr euch gesagt habt, dass ihr nicht nur ökologisch denken, sondern auch danach handeln wollt? Oder war das von Anfang an klar?
Bei mir was das der Bergunfall mit Nahtoderfahrung und Querschnittslähmung vom Hals abwärts, wo mir klar wurde, dass ich nach meinen Möglichkeiten etwas verändern will, um nicht vor der nächsten Generation dastehen zu müssen und zu sagen: ich habe da einfach zugeschaut. Es ist ja ganz klar zu sehen, dass in unseren Systemen etwas nicht rund läuft und wir uns selbst den Ast absägen. In einem einjährigen Sabbatjahr in einem Jesuitenkloster in der Schweiz mit intensiver Zen-Praxis hat sich das dann präzisiert bzw. dort hat sich die Kraftquelle vertieft, die mich antreibt. Hanf ist ein ideales Medium um Nachhaltigkeit anzuwenden, weil man damit die Grundbedürfnisse gesund, lokal und ökologisch decken kann.


Wer ist denn auf die Idee gekommen, dass Kalk und Hanf kombiniert werden kann? War es Zufall?
Die ersten waren die Franzosen, wobei es ein physikalisches Prinzip ist. Hanf hat durch das extrem schnelle Wachstum sehr viel Silizium drin, was sich mit gutem Naturkalk optimal verbindet, mineralisiert und so zu einem Stein wird. Schon die Römer wussten, dass Kalk eines der langlebigsten Bindematerialien ist. In Kombination mit Hanf kommt die dämmende Eigenschaft dazu. Genialität durch Einfachheit.

Wie sahen die ersten Schritte zur Verwirklichung aus?
Probieren, mischen, Misserfolge, wieder probieren sowie beinahe drei Jahre lang Abfall bzw. schlechte Qualität zu produzieren - bis man die richtige Mischung und Trocknung gefunden hat.

Gibt es ein Vorzeige-Bau, bei dem Hanfstein verwendet wurde?
Das casa di luce hat den green Building Award gewonnen, weil es jetzt schon die Richtlinie der EU zum nearly zero energy building erfüllt. Wir haben eine Kapelle gebaut, der Hof Castelatsch hat großes Echo bekommen und Alexander Ageathle hat ein architektonisch wunderschönes Haus mit Hanfsteinen gebaut. Im Juli bauen wir mit Schweizer Freunden im Monviso Institute im Piemont ein Null-Kilometer-Haus, das heißt der Hanf vom Feld kommt direkt in die Wände. In Flims haben wir eine Hanfbar gebaut, in Solothurn baut eine Kräuterfrau ihren Bauernhof.

Kann ich HanfStein auch beim lokalen Baumarkt kaufen, um mir eine Gartenmauer zu bauen?
In der Schweiz kann man die Hanfsteine bei Stroba Naturbaustoffe kaufen, Transporte sind heute ja kein Problem mehr und die Schweiz bzw. die Entfernung zu Südtirol ist gering. Für eine Gartenmauer ist der Hanfstein aber zu schade, die muss nicht dämmen. Da gibt’s normale Natursteine.

Gibt es vielleicht noch andere Produkte, welche vom ökologischem und ökonomischen Gesichtspunkt  her aus Hanf gemacht werden sollten? 
Das ist das interessante an Hanf: man kann praktisch alles draus machen. Von den Grundbedürfnissen Essen, Bekleiden und Wohnen bis hin zu Hanfplastik. Die ETH Zürich hat heuer einen Ski mit Hanffasern gemacht, köstliches Bier gibt es mit Hanf und erstaunliche Wirkungen hat Hanf in der Medizin. Es gibt unendlich viele Produkte, die aus Nutzhanf hergestellt werden können – wahrscheinlich deshalb wurde er auch lange Zeit verboten…

Urban Agriculture
Rare Pflanzenerzeugnisse

Patrick Biedermann ist der Betreiber der Homatt Kulturgärtnerei: Hier hegt und pflegt er die seltenen alten Pflanzensorten, die von ProSpecieRara als schützenswert ausgewiesen wurden - und bietet sie gerne allen an, die ebenfalls an den Nutzpflanzen früherer Generationen interessiert sind. Die alten Pflanzen bergen sowohl geschmacklich als auch in Bezug auf die genetische Vielfalt ein enormes Potenzial in sich.

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Fashion Revolution International: Für fairere und nachhaltigere Mode

Seit drei Jahren gibt es den Schweizer Ableger von Fashion Revolution International – insgesamt hat die globale Bewegung bereits mehr als 2,5 Millionen Mitgliedern in über 100 Ländern. Alle eint ein gemeinsames Ziel: Zu erfahren und öffentlich zu machen, unter welchen Umständen die Modeindustrie unsere Kleidung produziert. Und über das dadurch aufgebaute Bewusststein einen Anstoss für eine Verbesserung der Verhältnisse zu geben – vor allem bei den Rohstoffproduzenten und den Arbeitern in den grossen Textilfabriken Asiens. Mitmachen kann jeder – sogar ganz einfach.

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Schwerter zu Webstühlen

Frieden durch Handwerk: Das ist die Idee hinter Protsaah, mit der Gründerin Saloni Shrestha Konfliktregionen in aller Welt befrieden möchte – und vor allem Kaschmir, der Region, in der sie während ihrer Kindheit ein paar wundervolle Jahre verbrachte. Indem sie mit der Vermarktung traditioneller Handwerksprodukte aus Kaschmir und anderen Regionen den dortigen Handwerkern ein stabiles Einkommen verschafft, sorgt sie gleichzeitig für die Motivation, das Handwerk zu erhalten – und sich den eigenen Lebensunterhalt mit eigener Leistung zu verdienen, anstatt zu marodieren, zu plündern und die eigene Heimat noch weiter in den Abgrund zu reissen.