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MEET & GREET

11.09.2018

«UNS HAT IMMER IN ERSTER LINIE DER INHALT EINER FLASCHE INTERESSIERT»

Weine mit Charakter

Vor etwa 20 Jahren gründete Mathis gemeinsam mit zwei Freunden den Südhang. An ihrem Oenologiestudium hatten sie da keine rechte Freude mehr, verstanden andererseits aber schon sehr viel vom Wein. Vor allem wussten sie, wie teure Weine schmecken. Also machten sie sich mit dem Südhang auf die bis heute sehr erfolgreiche Suche nach Weinen, die ebenso gut schmecken – aber deutlich weniger kosten. Viele Kontakte in die Weinbauregionen der Welt haben sie seitdem geknüpft – immer zum Vorteil ihrer Privat-, Grosshandels- und Gastronomiekunden.

Was ist Südhang? Und was nicht? In ein, zwei Sätzen? 
In erster Linie sind wir eine stinknormale, professionell geführte Weinhandelsfirma, die vom Import von Weinen und deren Vertrieb vor allem in die Gastronomie und an den Wiederverkauf lebt. Mit unseren Läden in der Markthalle im Viadukt, in Rüschlikon und neu in Oerlikon begeistern wir auch eine private, treue Kundschaft. Bei uns muss niemand überteuerte, gepushte Etiketten-Weine suchen. 

Wer hatte die Idee dazu und wie ist er/sie darauf gekommen? 
Das war ich, als ich enttäuscht mein Oenologiestudium abbrach, und zwei nicht minder desperate Kollegen anfragte, ob sie den Mut haben, alles hinzuwerfen, um mit mir den Südhang zu gründen. Wir hatten alle drei etwas gemeinsam, und das war die Leidenschaft für aussergewöhnliche Weine.

Wieso ausgerechnet Weingüter, die vieles anders machen und ggf. bewusst gegen den Strom schwimmen? Was ist schlecht an großen Weingütern, wenn sie gute Qualität für gutes Geld bieten? Und was machen Etiketten- und Prestigetrinker falsch? Sind es nicht die Etiketten, die für Qualität stehen? 
Gegen den Strom zu schwimmen ist mir wohl angeboren, und ich werde unglücklich wenn ich merke, dass mich der Strom mitnimmt, egal ob der Strom die Richtung wechselt oder ich nicht mehr genug Kraft habe, um gegen ihn anzuschwimmen. Wenn grosse Weingüter gute Qualität für gutes Geld bieten, machen sie nichts falsch. Und auch wir selektionieren zum Teil solche Weingüter. Was uns aber wirklich interessiert, sind Weine, die uns bewegen, die Ecken und Kanten haben, Weine, bei denen man riecht und schmeckt, woher sie kommen, und bei denen man spürt, dass sie von Menschen mit überdurchschnittlichem Engagement geschaffen wurden. 
Uns hat immer in erster Linie der Inhalt einer Flasche interessiert. Deshalb sind wir auch stolz darauf, einige Weingüter mit schlecht designten Etiketten zu vertreten, die laufen wie die Hölle. Was gibt es übleres, als wenn Winzer Grafiker engagieren, die wunderbare moderne Verpackungen gestalten, die nicht im leisesten zu Winzer und Wein passen. 
Mittlerweile sind auch unsere Entdeckungen teilweise zu bekannten Namen (Etiketten) in der Schweiz geworden. Solange dies nicht durch teures, aalglattes Marketing geschehen ist, sondern durch kompromisslose Arbeit in Rebberg und Keller, finde ich das auch ok.

Wie sah der erste Schritt zur Verwirklichung der Idee aus?
Wir wussten alle, wie teure grosse Weine schmecken. Es ging also darum, Ebenbürtiges zu günstigen Preisen zu entdecken. 2001 war gerade die Weissweinkontingentierung gefallen und der Süden Frankreichs ein Paradies für junge, entdeckungsfreudige Weinhändler. In Montpellier wurden Winzer ausgebildet, die die Philosophien von Davis (Technik) und Bordeaux (Terroir) vereinigten und spannende, preiswerte Weine kelterten. Wir gingen auf zahlreiche Reisen, degustierten bis zum Umfallen und schufen erste Beziehungen zu Gastronomen, Sommeliers und Winzern in den Weingebieten. Gleichzeitig organisierten wir Veranstaltungen (heute würde man Events sagen und auch schon wieder mit dem Strom schwimmen). Wir transportierten die in den Weingebieten erlebte Kultur in die deutsche Schweiz und versuchten, diese möglichst stilgerecht und unverfälscht zu inszenieren. Dies war von Anfang an ein Erfolg und erlaubte es uns, viele gute Beziehungen zu unseren Kunden in der Gastronomie und im Wiederverkauf zu schaffen.

Wer gehört heute zum Kernteam?
Wir sind mittlerweile 18 Mitarbeiter, die sich, egal in welchem Bereich sie arbeiten, für spezielles Essen und Trinken interessieren – das eint. 

Verkauft Ihr den Wein nur, oder nehmt Ihr auch Einfluss? Und was gibt es bei Euch neben dem Wein?
Wir haben teilweise sehr intensive Beziehungen zu unseren Winzern und stehen im regen Austausch mit ihnen. Wir geben Feedback vom Markt. Auch als Brücke zwischen den verschiedenen Weingebieten sehen wir uns, vermitteln Erfahrungen, die Winzer in anderen Gebieten mit teilweise ähnlichen Problemen gemacht haben. Gerade bei der Umstellung auf ökologischen Weinbau tauchen tausende von Fragen auf. 
Auch wenn Wein unser Kerngeschäft ist, gibt es sehr, sehr viel daneben, was uns interessiert. Wir sind leidenschaftlich Essende und Kochende – immer mit der Nase überall, wo es was zu entdecken gibt. 

Wie findet ein Weingut den Weg in Euer Sortiment? 
Mittlerweile gibt es sehr viele Wege, wie wir auf neue Produzenten kommen. Allen gemeinsam ist, dass wir probieren, probieren und nochmal probieren. Wobei für einen Entscheid viele verschiedene Kriterien mitspielen. Der menschliche Aspekt kommt dabei nicht zu kurz - eine langjährige Beziehung einzugehen setzt immer viel Vertrauen voraus. 

Wieso braucht die Welt Euren Ansatz, Wein anzusuchen und zu genießen? 
Vor bald zwanzig Jahren waren wir wohl die jungen Wilden. Wir standen für natürlich gekelterte Terroirweine aus kaum bekannten Regionen ein. Immer mit sehr hohem Anspruch an Qualität. Die Philosophie, wie wir Wein selektionieren, ist stets gleich geblieben. Heute stehen wir mit unserem Angebot aber zwischen industriell gekelterten Massenweinen, die es immer gab, und den neuen, oenologisch oftmals fehlerhaften, herkunftsfremden Mode-Natur-Weinen. Bei uns findet der anspruchsvolle Geniesser, der spezielle, ehrliche Weine sucht, für jedes Budget seinen Wein.

Was nimmt euch die meiste Arbeit ab? (Tool, Arbeitsweise, etc.)
Unsere FileMaker-Datenbank die wir von Anfang an selber programmiert haben und mittlerweile mit einem Mathematikprofessor aus Hamburg weiterentwickeln. Dies erlaubt uns, alle unsere Arbeitsabläufe abzubilden und Schnittstellen zu Partnern selber zu gestalten.

Wie kommt ihr auf neue Ideen für Euer Geschäft oder für Events? Gibts da ein Ritual oder geschieht das von selbst? Steht immer nur der Wein im Mittelpunkt?
Sehr viele Ideen entstehen beim Reisen. Wenn wir zusammensitzen und spintisieren, haben wir eigentlich immer viel zu viele Ideen, die wir am liebsten alle umsetzen würden – oftmals fehlen uns dann aber die Ressourcen. Der Wein steht bei diesen Ideen eigentlich selten im Mittelpunkt – meistens sind es andere Lebensmittel. Ich erinnere dabei an unser Manifest «13 Vorschläge für eine andere Weinkultur»

Habt ihr nebenbei noch andere Jobs?
Ich selber arbeite zu 200 Prozent für den Südhang. Es gibt aber auch andere bei uns, die noch andere für sie wichtige Jobs leisten. Wir haben das sogar als Teil von unserer Firmenkultur festgeschrieben. Andere Einflüsse oder Jobs können inspirierend und bereichernd für den Südhang sein. Ich selber würde mich eigentlich auch gerne noch anderweitig beschäftigen – Interessen hätte ich genug. 

Welche 3 Sachen empfiehlt ihr Freunden bei euch in der Region zu tun/essen/erleben/kaufen?
1) In der Wirtschaft Ziegelhütte in Schwamendingen essen zu gehen.
2) Im Zürichsee schwimmen zu gehen.
3) Bei John Baker Brot zu kaufen.

Hört ihr Musik beim Arbeiten? Was denn (Top 5 Playlist)?
Ja, viel Musik!
Tètes Raides
Radiohead
Beck
Eeals
Bach


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In Castasegna, einem Dorf im Bergell/GR, werden seit über 30 Jahren Haut- und Körperpflegeprodukte hergestellt. An diesem schönen Ort entwickelt das Team um Geschäftsführer Philippe Auderset – ganz der Schönheit der Natur und jener seiner Kunden verschrieben – viel Neues und Innovatives.

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