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LIVE & WEAR

30.08.2018

«MEIN TOOL IST MEINE VISION»

Eine Lebensphilosophie für Sammlerinnen

Kein Start-Up ist The Suitcase Clothing, sondern eine umfassende Bekleidungsidee: Mit Ihrem Label bricht Gründerin Agnes mit den in der Modebranche üblichen Kollektionen, und bringt stattdessen Lieblingsstücke für Sammlerinnen heraus, die sich über die Jahre daraus ihre ganz persönlichen Kollektionen zusammenstellen können. In ihrem Workshop in Fossombrone in den Marken macht sie vom Design bis zum Verkauf fast alles selbst – sogar die Logistik der Ausgangsmaterialien und der fertigen Kleidung. Ein echtes Ein-Frau-Unternehmen in einer ganz speziellen Nische.

Was ist The Suitcase ClothingUnd was nicht? In ein, zwei Sätzen?  
The Suitcase Clothing ist eine Lebensphilosophie für Sammlerinnen, die eine Garderobe zusammenstellen: step by step, piece by piece, ohne saisonalen Druck und auch immer in Kombination mit anderen Lieblingsteilen. Es sind die Überraschungen, die am meisten in Erinnerung bleiben . 

Wer hatte die Idee dazu und wie ist er/sie darauf gekommen? 
Die Idee hatte ich schon immer, denn als Designstudentin war ich eine extrem impulsive Einkäuferin: das hat mich komplett ausgelaugt. Da habe ich mit der Designbranche vorerst eine Pause gemacht und mir vorgenommen, nur dann weiterzumachen, wenn ich mich bei meiner Arbeit gut fühle und auch anderen etwas zurückgeben kann.

Wie unterscheidet Ihr Euch von anderen Labels, die ebenfalls primär qualitätsfokussiert sind? Und wieso und wann sollen Kunden sich für Euch entscheiden?
Wir sind alle unterschiedlich. Meine Spezialität ist, kleine Lücken und Wünsche der Kunden zu entdecken und nicht zu versprechen, dass meine Kleider für alle passen. Als Sammlerin weiss ich, dass gutes Design und Qualität nur der Ausgangspunkt sind. Es gibt Teile, die mit meiner Lebensweise ím Einklang sind, andere dafür weniger. Das gibt es auch in meiner eigenen Kollektion.

Wie sah der erste Schritt zur Verwirklichung der Idee aus? 
Die Stoffe! Die erste Reise ging zu meinen Lieblingsherstellern, um zu sehen, wie sie sich inspirieren; da hat es mich erwischt! Seitdem reise ich viel zu ihnen. Es sind  die Gespräche, das Lernen von den Meistern und von ihrem Team, was mich weiterbringt.

Wer gehört heute zum Kernteam?
Ich arbeite noch allein, organisiere die die tägliche Arbeit und arbeite mit lokalen Herstellern zusammen. Also Research/Design und Produktionsleitung, Logistik zwischen den Herstellern und Konfektionstätten, Vertrieb und Kundenservice. 


Machst du auch andere Sachen ausser Kleidung?
Vorerst nur Kleidung, aber Ideen hätte ich viele! Sehen wie erstmal ob ich als Einzelgängerin durchhalten kann ;-)

Wie läuft ein Gestaltungsprozess bei dir ab? Für ein einzelnes Teil oder eine ganze Kollektion.
Genau diese Frage beantworte ich bei meinem Workshop: Selfmade Life by The Suitcase. Was ich aber dazu sagen kann: Es sind 80% Organisation, flexibles Handeln und Disziplin sowie 20 % Design, Inspiration und Kreativität.

Wieso braucht die Welt deine Sachen? 
Mehr als materielle Sachen benötigen wir Menschen Inhalt, Gedanken und Perspektiven.
Ich bin seit dem 16. Lebensjahr in der Bekleidungsbranche, und deshalb sind Kleider der Kanal, auf dem ich kommuniziere. The Suitcase Clothing ist ein erster Schritt zu etwas, das, sich noch in mir entwickelt. Deshalb ist es kein Start-Up, und deshalb möchte ich sehen, wie The Suitcase Clothing seine Nische findet.

Was nimmt dir die meiste Arbeit ab? (Tool, Arbeitsweise, etc.)
Mein Tool ist meine Vision. Sie gibt mir ein Bild von meiner Zukunft, wie ich mein Leben im Idealfall  gerne leben würde. Und in diese Richtung " reise" ich dann täglich. Step by step.

Wie kommst du auf neue Ideen? Gibts da ein Ritual oder geschieht das von selbst? 
Keine Rituale: jeder Tag und jeder Moment (auch die nicht so tollen) bringt mich auf neue Gedanken und lassen mich andere Ideen überdenken.
Die Chance ist der unaufhaltsame Wandel in mir ... und manchmal ist auch ein Irrweg ein Weg zum Glück..

Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?
Der Workshop: noch neu, klein, sehr praktisch gestaltet. Ich bin gerade eingezogen.
Mein Auto: Nach 5 Jahren schon 300000 km auf dem Tacho…ich fahre täglich viel, um alles am laufen zu halten.


Was sind deine nächsten Projekte?
Einen noch besseren Service für meine Kunden zu bieten. Und Events mit Stores organisieren, die die Kunden ins Geschäft einladen und Erlebnisse schaffen.
Aber das ist alles noch im "Vielleicht-Bereich“. Vielleicht auch ein kleiner Workshop- Laden hier in Fossombrone und ein intensivierter Dialog mit der Stadtverwaltung, um auch andere Kreative anzulocken.

Hast du nebenbei noch andere Jobs?
Ja, ich bin auch Design Consultant (outerwear) und nehme auch kleine Produktionsaufträge von anderen Labels an; Hauptsache die Qualität der Zusammenarbeit stimmt.

Welche 3 Sachen empfiehlst du Freunden bei euch in der Region zu tun/essen/erleben/kaufen?
Die Marken sind eine Erlebnisregion: es lohnt sich, mehrere Tage hier zu verbringen und die Menschen, die Natur und das Meer ganz relaxed zu erleben. Der Parco Nazionale del Gola del Furlo – ein top Outdoor Erlebnis, 10 Minuten von meinem Workshop in Fossombrone. Urbino, Pesaro und Fano: Geschichte, Kultur, Essen. La Crescia: eine Art Foccaccia, die man probieren sollte.

Hörst du Musik beim Arbeiten? Was denn (Top 5 Playlist)?
Das ist sehr variabel, ich mag Geschichten und höre oft Podcasts und Hörbücher beim Fahren.
Meine aktuellen Lieblingssongs sind:
-The Night the Pugilist Learned How - Sting
-Mile On The Moon - Sarah Jaros
-The Journey, not the Destination - Max Richter 
-Staple it Together - Jack Johnson 
-Futures - Yero 7 

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