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WEAR & CARE

21.03.2019

«VELT wird in zehn Jahren ganz anders aussehen als heute.»

Zeitgemäss und wandelbar

Eigentlich hätten Patrick Rüegg und Stefan Rechsteiner vom gefeierten Schuhlabel Velt nach einigen erfolgreichen Kollektionen Herrenschuhe in den Frauenmarkt einsteigen wollen. Äussere Umstände führten die beiden stattdessen von den Damenschuhen zu den Damenhandtaschen. Dies verlangte rasche Anpassungsfähigkeit von Velt ab – eine ihrer grossen Stärken, wie Stefan im Gespräch über die blaue Halbmondtasche No. 73 erzählt.

Bitte beschreibe euer Produkt möglichst präzise in einem Satz.
Eine blaue, halbkreisförmige Umhänge-Ledertasche in zeitgemässem Design mit hochwertigen Materialien, ökologisch und fair hergestellt.

Wie seid ihr von Herrenschuhen auf Ledertaschen für Damen gekommen?
Zu den Damentaschen sind wir über Umwege gekommen. Der ursprüngliche Plan war es, mit Damenschuhen in den Frauenmarkt einzusteigen. Für die Herstellung von Schuhen benötigt man viele Zulieferer und es sind immer langjährige Zusammenarbeiten. Für die Schuhsolen der Damenschuhe wollten wir mit einem türkischen Lieferanten eine Zusammenarbeit aufbauen. Die Unruhen in der Türkei brachten uns dann aber zum Nachdenken und das Projekt erstmal zum Erliegen. In der Zwischenzeit arbeiteten wir an den Taschen, die dann auch vor den Schuhen auf den Markt kamen.

Was unterscheidet das Produkt von anderen Lederhandtaschen?
Die Idee, ein zeitgemässer Leder Brand sein zu wollen. Wir beobachten bei Lederprodukten oft eine sehr klassische Erscheinung, wenige Labels arbeiten zeitgemäss oder experimentell. Wir sehen das als Chance für uns und versuchen Produkte zu entwickeln, die den momentanen Zeitgeist widerspiegeln. Ein viel pragmatischerer Unterschied ist aber die Qualität der Taschen. Uns ist kein Lederbrand bekannt, der ein so gutes Preis-Leistungsverhältnis wie unsere Produkte hat.

Patrick Rüegg und Stefan Rechsteiner

Was war bestimmend für das Aussehen?
Der Ursprung unserer Produkte ist eine Idee, die in einem Look funktionieren soll. Diese Vorstellung wird dann noch mit dem bereits bestehenden Sortiment abgeglichen. Wir vergeben innerhalb des Sortiments Aufgaben und diese dürfen nur einmal vorkommen, anderenfalls wird die Idee nicht umgesetzt oder ein bestehendes Produkt aus dem Sortiment gestrichen. Grundlegend bestimmt aber unsere Designphilosophie über das Aussehen. Unsere Taschen weisen von aussen sehr wenig Nähte und Metallteile auf, was in der Herstellung viel Wissen erfordert und natürlich auch die Konstruktion der Taschen beeinflusst.

Wie seid ihr auf die Farben gekommen?
Wir wünschten uns Farben, die die natürliche Hautstruktur von Leder hervorheben. Bei gutem Leder sieht man noch jede Haarwurzel und auch die Blutadern des Tieres. Das gibt jeder Tasche diese natürliche Einzigartigkeit und den Charme eines Naturproduktes. Wir verwenden ausschliesslich durchgefärbtes Leder, was ein Qualitätsmerkmal ist und die Tasche schön altern lässt. Zu den Farben kommen wir letztendlich in einem heuristischen Designprozess. Das bedeutet, wir vergleichen wie die Tasche zu unterschiedlichen Outfits passt und was wir darin als zeitgemäss empfinden.

Woraus besteht es und wieso gerade diese Materialien?
Die Taschen sind aus hochwertigem Rindsleder von glücklichem Weidevieh aus dem Allgäu gefertigt. Die benutzten Häute sind ein Abfallprodukt der Lebensmittelindustrie und nur von Tieren mit gesunder Lebensweise auch wirklich verwendbar. Gegerbt wird ebenfalls in Bayern, um die Transportwege kurz zu halten, aber auch weil es eine der wenigen Gerbereien ist, die mit dem Abwasser so um geht, wie wir es uns für die Umwelt wünschen.


Wie und wo wird es hergestellt: Handarbeit, Maschinen, traditionelle Techniken, und wer macht es genau?
Wir betreiben eine grosse Prototypenwerkstatt, in der wir die ersten Modelle produzieren. Sobald diese erprobt sind, werden von unseren Produzenten Kleinserien im Manufakturprozess hergestellt. Für die Produktion kaufen wir alle Materialien selbst ein und liefern diese als Paket an die Produktionen, dabei suchen wir möglichst umweltfreundliche und fair arbeitende Zulieferer innerhalb von Europa aus. Die Schuhe lassen wir in der Schweiz produzieren und die Taschen in Budapest. Die Herstellung von Taschen und Schuhen ist nach wie vor sehr viel Handarbeit, jedes einzelne Lederstück muss von Hand zusammengenäht werden.

Was sind die Herausforderungen an der Herstellung?
Die Materialbeschaffung und Finanzierung sind die grössten Herausforderungen. Wir sind noch ein kleines Label, unsere Bestellungen bewegen sich um die Mindestmengen herum. So kommt es häufiger vor, dass ein Zulieferer unsere Bestellung einfach nach hinten verschiebt und wir das Material mit zwei Monaten Verspätung erhalten. Was im Dominoeffekt alle anderen Termine verschiebt und teilweise die ganze Produktion um sechs Monate verzögert.

Ist das Produkt Teil einer Serie, sprich gibt es einen Vorgänger oder eine Weiterentwicklung?
Unsere Produkte sind alles Neuentwicklungen von uns, die sich aus einer Idee ergeben und nicht auf einem bereits bestehenden Produkt basieren. Unsere Art und Weise der Gestaltung ergibt natürlich eine Zusammengehörigkeit der Produkte und wir im Team sehen auch gleich, wer welches Modell entworfen hat.



Im Rück- und Ausblick, wo liegen die Schwächen und wo die Stärken?
Design und Anpassungsfähigkeit sind sicher die zwei wichtigsten Stärken unseres Labels. Unter Anpassungsfähigkeit verstehen wir eine gewisse Wandelbarkeit und Selbstreflexion. VELT wird in zehn Jahren ganz anders aussehen als heute. Um auf die blaue Handtasche zurückzukommen – ihre Stärke ist es sicherlich, wie gut sie sich kombinieren lässt. Sie passt zu ganz unterschiedlichen Outfits und Anlässen. Die Tasche ist der perfekte Begleiter auf Hochzeiten, bei Businessanlässen oder im Alltag.

Hat euch das Produkt zu neuen Projekten inspiriert?
Die stärkste Inspiration finden wir in der Arbeit selbst, was zurzeit von aussen noch wenig ersichtlich ist. Innerhalb von VELT gibt es viele Projekte, die in der Umsetzung sind – wie etwa die Damenschuhe. Im Design arbeiten wir experimenteller als unsere Produkte es vermuten lassen. Unsere Strategie ist es, erst ein solides Produkt-Fundament aufzubauen, um in naher Zukunft mit Neuem und Ungesehenem zu überraschen.

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