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WEAR & CARE

22.11.2018

«Dass man mit einem Schmuckstück auch ein Geschenk versiegeln kann, ist eine besondere und funktionelle Bereicherung für die Träger.»

Zeitloses mit Nachdruck

Die Schmuckgestalterin Katrin Lucas beschäftigt sich seit dem Beginn ihrer Karriere mit Siegeln. Dabei gelingt es ihr immer wieder die sehr alten Formen und Motive dieses traditionellen Handwerks in neue und zeitlose Schmuckstücke zu verwandeln. Nächstes Jahr feiert sie ihr persönliches 25-jähriges Siegeljubiläum. Dazu möchte die Designerin mit Werkstätten in Hamburg und Zürich etwas ganz besonderes entwerfen.

Bitte beschreibe das Produkt möglichst präzise in ein paar Sätzen.
Als 1. Stadtgoldschmiedin in Erfurt im Jahr 1994 habe ich mit der Entwicklung von Märchen- und Götterringen zum Siegeln begonnen. Mit Abdrücken von alten DDR-Prägewerkzeugen zur Herstellung von Kinderschmuck und mit einer alten Sammlung von Abdrücken antiker Gemmen (geschnittene Schmucksteine) habe ich im Handschleudergussverfahren die ersten Ringe in Silber hergestellt. Die Ringe sind durch ihr Negativ-Relief zum Siegeln geeignet und gedacht. Neu bei meinen Ringen ist die Form des Doppelsiegelringes, der 2 Seiten zum Siegeln hat. Der Rollsiegelring ist an die alte Form der Rollsiegel angelehnt.

Banderolensiegelringe

Haben die Siegel eine besondere Geschichte?
Die Märchenringe sind durch die alten DDR-Prägewerkzeuge beeinflusst. Die fand ich in Erfurt so vor. Es gibt unter anderem einen Froschkönig- oder einen Rotkäppchenring. Die Motive für die Götterringe habe ich über die Jahre hinweg gesammelt. Das Thema Siegel habe ich damals gewählt, weil es für mich das Gegenteil meiner damaligen Art Schmuck zu gestalten darstellte. Ich gestaltete zu jener Zeit Schmuck, indem ich die Form aufgrund eines Prinzips (Stecksystem, Falt-oder Biegetechnik) entwickelte. Bei den Siegeln sollten nun vorhandene Motive von Steinschneidern aus der Antike (Gemmen) oder eben von Stahlgraveuren aus der ehemaligen DDR in die Gestaltung der Ringe einfliessen.

Siegelohranhänger

Welche Funktion hat das Produkt? Löst es ein Problem? Ist es eine Verbesserung zu einem Vorgängerprodukt?
Dass man mit einem Schmuckstück auch einen geschriebenen Brief oder ein Päckchen versiegeln kann, ist eine besondere und funktionelle Bereicherung für die Träger.

Wieso braucht man dieses Produkt?
Weil man Freude am Siegeln und an der antiken Mythologie oder an Märchenmotiven hat.

Woraus besteht es?  Könnte man auch anderes Material verwenden?
Die Ringe, Manschettenknöpfe, Kettenanhänger und Ohrhänger sind aus Silber und Gold gegossen, weil es fertigungstechnisch naheliegt ein Wachsmodell in Metall zu giessen. Zum Siegeln kommt mir bisher kein anderes Material in den Sinn, welches man in den noch heissen Siegellack drücken kann. Zudem ist Edelmetall durabel und hochwertig.

Wie wird es hergestellt und wer oder was stellt es her?
Die Modelle für die Ringgüsse fertige ich an, die Güsse werden im Schleudergussverfahren von Giessereien gefertigt. Die rohen Güsse aus der Giesserei werden von mir zum fertigen Endprodukt weiterverarbeitet: Ring, Ohrhänger, Manschettenknöpfe, Anhänger. Grössere Abdrücke verarbeite ich mit altem Glasknauf, Porzellan- oder Holzgriff zur sogenannten Petschaft, was durch den Griff besonders handlich ist. Ich produziere also mehrheitlich von Hand und traditionell.

Wo wird es hergestellt?
Deutschland, Schweiz: in Giessereien und in meinen Werkstätten in Hamburg und Zürich.

Petschaft «Eros»

Was gibt es zur Form zu sagen? Welchen Einfluss auf die Form hat die Funktion? Und umgekehrt?
Die Rollsiegel schmiegen sich gut an den Finger und lassen sich über den Siegellack rollen (in Anlehnung an die antiken Rollsiegel). Die Doppelsiegel bieten zwei Möglichkeiten: zum Tragen und zum Siegeln (jeweils zwei Motive). Die Form ist quasi wie ein Stempel (Doppelsiegel) oder wie eine Rolle (Rollsiegel) und ist so geformt, dass sowohl Siegeln als auch das Tragen des Ringes zum Vergnügen wird.

Ist das Produkt Teil einer Serie? Gibt es Vorgänger oder Weiterentwicklungen?
Es sind alles Kleinserien. Ich habe Gussformen herstellen lassen und nutze diese teilweise schon seit den 1990er-Jahren. Nur bei den Petschaften ist jeder Griff (alter Porzellan- oder Glasknauf) einzigartig. Ich habe über die Jahre die Siegelkollektion stetig weiterentwickelt. Zuerst gab es die Roll- und Doppelsiegelringe. Dazu kamen die Ohrhänger, Manschettenknöpfe und Armbänder. Bis heute erweitere ich diese Kollektion stetig.

Was könnte man besser machen? Wo liegen die Schwächen, wo die Stärken?
Ich habe mich bisher stets bemüht, die Fertigung zu optimieren. Die Abhängigkeit von Giessereien und die hohen Kosten von Edelmetall (insbesondere von Gold) sind für mich sicher die Schwächen. Die Stärken liegen in der absoluten Zeitlosigkeit der Motive und der Form der Schmuckstücke.

Was kommt als nächstes?
Ich träume davon zu meinem 25-jährigen Siegeljubiläum im Jahr 2019 ein neues Siegelschmuck-Produkt zu entwickeln – möglichst unisex und für die Ewigkeit. Ansonsten arbeite ich an meinen Themenkollektionen weiter (Hafenstücke, Bergstücke, Perlenwellen, etc.)

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